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StellenabbauBestürzung in Köln – RTL streicht noch mehr Jobs

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Vor dem Kölner Messe-Turm wehen bunte Fahnen mit dem RTL-Logo in Köln-Deutz am Sitz der RTL Group Deutschland.

Blick auf den Hauptsitz von RTL in den ehemaligen Messehallen in Köln-Deutz. Der Sender baut weiter 500 Vollzeitstellen.

Der größte deutsche Medienkonzern RTL baut noch mehr Stellen ab. Nach dem Zusammenschluss mit Sky sollen weitere 500 Stellen wegfallen - der überwiegende Teil noch in diesem Jahr.

Das größte deutsche Medienunternehmen RTL plant nach der Übernahme seines Konkurrenten Sky weitere tiefe Einschnitte. Am Unternehmensstandort in Köln und am Sky-Standort in Unterföhring bei München sollen weitere 500 Vollzeitstellen wegfallen. Mit dem schon vollzogenen Beschäftigungsabbau, durch den bis ins Frühjahr diesen Jahres bereits 600 Stellen weggefallen sind, gehen im Zuge der Übernahme und des damit verbundenen Sparprogramms insgesamt 1.100 Vollzeitstellen verloren.

Davon betroffen dürften damit weit mehr Mitarbeiter sein, da viele in Teilzeit arbeiten. Für den Medienstandort Köln ist das erneut eine bittere Nachricht, voraussichtlich mehrere hundert Arbeitsplätze beziehungsweise Stellenanteile dürften verloren gehen. Von den zusätzlichen 500 Stellen sollen etwa 150 durch auslaufende Verträge und nicht besetzte offene Stellen wegfallen.

„Der Stellenabbau erfolgt sozialverträglich, in enger Abstimmung mit den zuständigen Betriebsräten und auch indem auslaufende Verträge nicht verlängert und offene Stellen nicht nachbesetzt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen so vermieden werden,“ erklärte eine Sprecherin des Medienhauses. Verzweiflung in Köln und UnterföhringDie Entscheidung zum weiteren Stellenabbau kommt nicht völlig überraschend.

Denn RTL befindet sich in einem tiefgreifenden Umbauprozess, der sich im Zuge der Sky-Übernahme noch beschleunigt hat. In Folge der Neuaufstellung will der Konzern Synergien von 250 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren erreichen. Dieses Ziel hatte der damalige Bertelsmann-Konzernchef Thomas Rabe schon im Frühjahr erklärt und hinzugefügt, ohne weiteren Stellenabbau sei dies nicht umzusetzen. Aus der Belegschaft hieß es, die Nachricht sei sowohl in Köln als auch in Unterföhring mit Bestürzung aufgenommen worden.

„Wir sind immer noch geschockt“, sagte eine Mitarbeiterin unserer Redaktion. Die Kollegen hätten mit einer „Mischung aus Wut und Verzweiflung“ reagiert, berichtete auch der Medienjournalist Thomas Lückerath. Einzelne Unternehmensbereiche in Köln sollen schon an diesem Freitag die Detaqils des Sparplans erfahren. Die Sky-Belegschaft soll dagegen detailliert erst in der kommenden Woche informiert werden.

Der Unternehmensumbau hat neben dem Stellenabbau weitere Folgen für den Hauptsitz von RTL am Rhein. In der Branche wird erwartet, dass die Zentrale kleiner, noch stärker zentralisiert und stärker auf digitale Geschäftsbereiche ausgerichtet sein wird. Laut aktueller Selbstdarstellung beschäftigt das Unternehmen noch rund 8.000 Beschäftigte bei RTL Deutschland, neben dem Hauptsitz Köln in Standorten unter anderem in Hamburg, Berlin und Unterföhring. Rein rechnerisch baut RTL mit der jetzigen Sparrunde fast 15 Prozent seiner Belegschaft ab – mehrheitlich in Köln. Zu vermuten ist, dass der jetzige zusätzliche Abbau vor allem dort ansetzen wird, wo sich durch die Übernahme von Sky Doppelstrukturen ergeben.

RTL nennt ausdrücklich die Bündelung von Verantwortlichkeiten, deutlich effizientere Entscheidungsprozesse, die Optimierung von Inhalte- und Sachkosten und den Abbau paralleler Strukturen. Das betrifft vermutlich nicht nur die klassische Verwaltung. Denn die Funktionen bei RTL und Sky überschneiden sich gerade in vielen zentralen Aufgabenbereichen. Klare Dopplungen gibt es etwa im gehobenen Management, in Marketing und Kommunikation, bei Technologie- und Plattformbetrieb, im Kundenservice, der Programmplanung oder der Sport- und Streamingorganisation.

Für den Medienstandort Köln sind das natürlich keine guten Nachrichten. Denn die Auswirkungen der Sparrunden gehen weit über die unmittelbar Beschäftigten hinaus. RTL ist einer der wichtigsten Medienarbeitgeber Kölns und ein zentraler Auftraggeber für Produktionsfirmen, Technikdienstleister, Agenturen, freie Kreative und weitere Dienstleister. Ein dauerhafter Abbau von Beschäftigung kann deshalb auch bedeuten: weniger Nachfrage bei externen Dienstleistern, geringere Ausgaben für Büros, Gastronomie und lokale Dienstleistungen, mehr Konkurrenz um freie Stellen im Kölner Medienmarkt, Abwanderung erfahrener Fachkräfte zu anderen Standorten oder Branchen. 

Entscheidend wird sein, ob RTL mit Sky die selbst gesetzten Sparziele durch Effizienzsteigerungen der Organisation erreichen kann. Oder ob auch inhaltlich der Rotstift angesetzt wird, also bei Programm-, Produktions- und Technologieaufträgen gespart wird.

Hier gibt es gewissen Grund zur Hoffnung. Denn langfristig will RTL zusammen mit Sky der starken Konkurrenz insbesondere aus den USA Paroli bieten. „Mit 12,4 Millionen bezahlten Abonnements über RTL+, Sky und Wow sind wir im deutschsprachigen Streamingmarkt auf Augenhöhe mit Netflix und Amazon“, hatte sich ein Unternehmenssprecher gegenüber unserer Zeitung jüngst selbstbewusst gegeben.

Insgeheim hofft die Bertelsmann-Tochter auch auf ein nachhaltiges Anziehen der Konjunktur, für das es ja inzwischen deutliche Signale gibt. Denn steigende Werbeausgaben sind immer Frühindikatoren für das Anspringen der Konjunktur, inwieweit dies RTL zu zusätzlichem Umsatz verhilft, ist angesichts einer weiterhin lahmenden Konsumnachfrage aber offen.

Die europäische RTL Group hatte ihre Ziele für das Gesamtjahr 2026 nach der Übernahme von Sky Deutschland zuletzt nach oben geschraubt. Für das laufende Geschäftsjahr erhöhte die Muttergesellschaft von RTL Deutschland ihr Umsatzziel um eine Milliarde Euro auf  7,1 bis 7,2 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr kletterte der operative Gewinn von 160 auf 239 Millionen Euro. Die Ergebnisse von RTL lieferten dabei ein eindeutiges Bild: Während das Streaming profitabel wächst, schmelzen die Werbeeinnahmen im Fernsehgeschäft dahin. So gaben die klassischen TV-Werbeeinnahmen im Konzern um 4,0 Prozent auf 977 Millionen Euro nach. Dagegen konnte die Gruppe dies durch ihr digitales Werbegeschäft und Abo-Einnahmen ausgleichen.

Mit der Integration von Sky soll der Anteil klassischer TV-Werbung am Gesamtumsatz der Gruppe künftig auf etwa 39 Prozent sinken. Der RTL-Konzernumsatz war 2025 um 3,8 Prozent auf 6,018 Milliarden Euro geschrumpft und die TV-Werbeumsätze gingen um 7,0 Prozent auf 2,189 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig stiegen die Digitalwerbeumsätze um 27,7 Prozent auf 517 Millionen Euro. Der Streamingumsatz wuchs um 26,3 Prozent auf 509 Millionen Euro. Die Zahl der zahlenden Streaming-Abonnenten der RTL-Group-Angebote stieg auf rund 8,1 Millionen.