Größter Zusammenschluss seit JahrzehntenWas die Fusion der Versicherungen Gothaer und Barmenia für Kunden bedeutet

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Passanten spiegeln sich am Freitag (18.07.2003) im geputzten Logo der Gothaer Versicherung in Köln. Der Versicherungskonzern gibt bei einer Bilanzpressekonferenz am Montag (21.07.2003) die Zahlen für das vergangene Jahr bekannt. Foto: Roland Scheidemann dpa/lnw |

Passanten spiegeln sich im Logo der Gothaer Versicherung in Köln.

Die Prüfung der Bücher ist abgeschlossen. Jetzt sprechen die Vorstandschefs aus Köln und Wuppertal über den weiteren Fahrplan. 

Der Zusammenschluss des Kölner Versicherers Gothaer und der Wuppertaler Barmenia geht voran. Beide Unternehmen haben die Prüfung ihrer Bücher für die geplante Fusion abgeschlossen. Der Zusammenschluss soll noch in diesem Jahr erfolgen. „Die Due Diligence ist weitestgehend abgeschlossen und die Ergebnisse haben uns in unserem gemeinsamen Vorhaben noch einmal bestärkt“, sagten Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender der Gothaer Finanzholding, und Barmenia-CEO Andreas Eurich.

Jobs sollen nicht abgebaut werden

Auch für die Struktur des gemeinsamen Unternehmens gebe es mittlerweile konkrete Überlegungen. Ende September 2023 hatten die Versicherer verkündet, künftig zusammengehen zu wollen. Immer wieder wurde betont, dass es ein Zusammenschluss auf Augenhöhe sein werde und keinesfalls eine Übernahme der Barmenia durch die deutlich größere Gothaer.

Die Wuppertaler Barmenia betreibt gemessen an den gesamten Prämien von 2,8 Milliarden Euro rund 80 Prozent Krankenversicherungsgeschäft. Die Gothaer liegt bei 4,6 Milliarden Euro Prämieneinnahmen, mit Fokus auf das Geschäft mit Lebens- und Sachversicherungen sowie Geschäftskunden.

Drei Jahre Beschäftigungsgarantie

Stellen sollen nicht gestrichen werden. Zudem gibt es eine dreijährige Beschäftigungsgarantie. Auch die beiden Unternehmensstandorte bleiben erhalten. Die Barmenia hat von insgesamt 2500 Beschäftigten rund 2200 am Standort in Wuppertal. Die Gothaer von 5000 rund 3500 am Unternehmenssitz in Köln.

An der Spitze des neuen Konzerns sollen künftig zwei Versicherungsvereine stehen. Darunter wird dann die Barmenia.Gothaer Finanzholding AG angesiedelt. Die Stimmrechte liegen bei je 50 Prozent und sie wird ihren Sitz in Köln haben. Unter der Holding finden sich dann die verschiedenen Risikoträger, also die einzelnen Versicherungen. Hier wird dann verschmolzen. Die Personenversicherungen sollen über mehrere Stufen zusammengeführt werden.

Den Anfang machen noch in diesem Jahr die beiden Lebensversicherer. Den Plänen zufolge soll der gesamte Bestand beider Firmen auf die Gothaer Lebensversicherung übertragen werden. Das betrifft rund 276.000 Inhaber einer Lebensversicherung der Barmenia, deren Verträge künftig von der Gothaer verwaltet werden. Alles steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der relevanten Gremien und Behörden.

Dauer von drei Jahren

Zu einem späteren Zeitpunkt nach der Fusion der beiden Unternehmen soll dann in enger Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Gothaer Krankenversicherung auf die Barmenia Krankenversicherung verschmolzen werden. „Die Erfahrung aus anderen Fusionen zeigt, dass wir hier über einen Zeitraum von etwa drei Jahren bis zur tatsächlichen Verschmelzung reden“, so Schoeller.

Für die Vertriebspartner ändere sich erst einmal nichts. Sie könnten die Produkte der Gothaer Krankenversicherung weiter anbieten. Auch für die Kunden ändere sich nichts. Der Versicherungsschutz bleibe unverändert bestehen.

Erste Mega-Fusion in der Branche seit 20 Jahren

Auf Vorstandsebene wird es künftig eine Doppelspitze aus Oliver Schoeller sowie dem Barmenia-Vorstandschef Andreas Eurich geben. In der Finanzholding würde Werner Görg den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen, Josef Beutelmann, jetziger Aufsichtsrat der Barmenia, soll Stellvertreter werden.

Nach aktueller Planung soll der Zusammenschluss noch in diesem Jahr, voraussichtlich Ende des dritten oder Anfang des vierten Quartals, vollzogen werden. Auch hier gilt der Vorbehalt, dass die Aufsichtsräte, Mitgliedervertretungen und Hauptversammlungen beider Häuser sowie die Bafin und das Kartellamt zustimmen.

Es ist der erste große Zusammenschluss in der Branche seit fast 20 Jahren. Mit der Fusion entsteht eine Gruppe mit 7,7 Mrd. Euro Prämie und die beiden Versicherer rücken unter die Top 10 der deutschen Versicherungsbranche auf. Derzeit rangiert die Gothaer auf Platz 14, die Barmenia auf Platz 21.

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