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Große WM-HoffnungenUSA erwarten Rekord-Besucher, doch der Boom bleibt aus

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Fußball WM - Chicago

Die USA sind einer der drei Gastgeber der Fußball-WM. Für das Land ist das Turnier auch eine Chance, sich einem weltweiten Publikum als Reiseziel zu präsentieren. (Archivbild)

Die USA erwarten zur Fußball-WM Milliardenumsätze. Experten warnen aber vor überzogenen Erwartungen und hohen Preisen.

Fußball-WM in den USA: Tourismusbranche hofft auf Rekorde Die USA erwarten zur Fußball-WM Besucherrekorde und Milliardenumsätze. Doch Experten warnen vor überzogenen Erwartungen und Verdrängungseffekten.

Mit dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft am Donnerstag verbindet die Tourismusindustrie hohe Erwartungen an das Event. Insbesondere die Vereinigten Staaten erwarten die teilnehmerstärkste Weltmeisterschaft aller Zeiten, wie Nick Adams, der Tourismusbeauftragte der USA, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte. „Niemand inszeniert ein solches Spektakel wie Amerika“, äußerte Adams. Er fügte hinzu, das Land rüste sich für eine Veranstaltung, deren Ausmaß 78 Super Bowls entspreche.

Laut Adams deuten aktuelle Erhebungen auf eine wachsende Nachfrage hin. Unter Berufung auf Daten des Dienstleisters Cirium hätten Fluggesellschaften zwischen Juni und Oktober aufgrund der erwarteten Nachfrage rund eine Million zusätzliche Sitzplätze auf Verbindungen zwischen Europa und den USA geschaffen. Ferner wird damit gerechnet, dass Besucher circa fünf Prozent mehr Geld ausgeben als im Vorjahr. Der Weltfußballverband FIFA prognostiziert etwa 6,5 Millionen Stadionbesucher, von denen rund 40 Prozent aus dem Ausland anreisen sollen.

Ansturm der Fans und Verdrängung anderer Touristen

Die hohen Erwartungen an derartige Großveranstaltungen sind für Jürgen Schmude, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, prinzipiell verständlich. Er erläutert: „Sportliche Großereignisse haben auf jeden Fall Auswirkungen auf den Tourismus – vor allem durch eine starke Nachfrage von Fans und Anhängern der beteiligten Mannschaften.“ Schmude mahnt jedoch zugleich zu einer differenzierten Analyse der Besucherströme, da die WM-Gäste nicht einfach aufaddiert werden könnten: „Normale Touristen werden verdrängt oder entscheiden sich in dieser Zeit für andere Reiseziele.“

Die Kosten sieht Schmude als einen maßgeblichen Aspekt bei der Urlaubsplanung. „Wenn Flugtickets teuer sind und die Hotelpreise stark steigen, schreckt das viele Reisende ab“, so der Tourismuswissenschaftler. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft zählen die Preise zu den am häufigsten erörterten Punkten. Adams entgegnet dem, dass sich die Organisatoren um möglichst preisgünstige Optionen bemühen, was sowohl Flüge als auch Eintrittskarten betreffe. Karten für WM-Partien seien für unter 300 US-Dollar (etwa 260 Euro) verfügbar. Vertreter von Fans beanstanden die Preisgestaltung im Gegensatz dazu als überzogen.

Fußball WM - Chicago

Die USA sind das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen. Zuletzt gingen die Besucherzahlen jedoch zurück. (Archivbild)

Wirtschaftliche Effekte und langfristige Perspektiven

Der Weltfußballverband kalkuliert mit kaufkräftigen Besuchern. Gemäß Schätzungen der FIFA liegen die durchschnittlichen täglichen Ausgaben eines Gastes während der Veranstaltung bei 416 US-Dollar (ungefähr 360 Euro). Die FIFA nimmt außerdem an, dass die Aufenthaltsdauer der Touristen im Mittel zwölf Tage beträgt und sie in dieser Zeit zwei Partien beiwohnen. Es wird erwartet, dass dieser Zustrom von Besuchern ökonomische Anreize im Milliardenbereich schafft, wovon die Hotellerie, Gastronomie, Transportfirmen und der Detailhandel einen Nutzen ziehen.

Laut Schmude sind jedoch nachhaltige positive Auswirkungen wesentlich schwieriger zu belegen, wohingegen kurzzeitige ökonomische Effekte als wahrscheinlich angesehen werden. Er führt das „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland als gelungenes Beispiel an. Die damalige Weltmeisterschaft habe einen quantifizierbaren Reputationszuwachs bewirkt, welcher sich ebenfalls im Fremdenverkehr bemerkbar machte. Eine derartige Entwicklung könne man aber nicht einfach auf andere Austragungsländer projizieren, so Schmude.

Zurückhaltung bei Buchungen aus Deutschland

Die Weltmeisterschaft stellt für die ausrichtenden Nationen nicht nur ein sportliches Großereignis dar, sondern dient auch als Marketinginstrument, um die Spielstätten global als Destinationen zu bewerben. Der Schwerpunkt des Turniers liegt auf den USA, wo sich elf der 16 Spielorte befinden, einschließlich bekannter Metropolen wie New York/New Jersey, Los Angeles und Miami. Laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) waren die Vereinigten Staaten im Vorjahr das favorisierte Fernreiseziel für Deutsche, ungeachtet zuletzt gesunkener Besucherzahlen. Basierend auf den aktuellen Buchungsdaten wird sich dies voraussichtlich auch im laufenden Jahr nicht ändern.

Der DRV kann allerdings keine genauen Zahlen nennen, wie viele Personen aus Deutschland speziell für die Fußball-WM nach Nordamerika reisen. Ein sprunghafter Anstieg der Buchungen lässt sich jedoch nicht feststellen. Im Reiseveranstaltersegment liegt die Nachfrage für USA-Reisen im Sommer weiterhin unter dem Niveau des Vorjahres. Der Verband spricht aber nicht von einer Umkehr des Trends, auch wenn sich die Abnahme jüngst verlangsamt hat.

Fußball-WM 2026 - New York

US-Metropolen wie New York stehen als Austragungsorte der Fußball-WM 2026 im internationalen Rampenlicht. (Archivbild)

Der Veranstalter Dertour bietet keine Pauschalreisen an, die WM-Eintrittskarten beinhalten. Kunden mit bereits vorhandenen Tickets haben aber die Möglichkeit, sich maßgeschneiderte Reisearrangements erstellen zu lassen. Laut Unternehmensangaben fokussiert sich das Interesse momentan hauptsächlich auf derartige Reisen. Besonders nachgefragt seien Verbindungen von Flug, Unterkunft und weiteren Aufenthalten in Nordamerika. Die Entwicklung der Nachfrage wird als konstant beschrieben.

Einreisebestimmungen und politische Faktoren

Dertour zufolge führten schon im Vorjahr Medienberichte zur politischen Situation und Nachrichten über Schwierigkeiten bei der Einreise in die Vereinigten Staaten zu einer Verunsicherung unter Reisenden. „Entsprechend ist weiterhin eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten.“

Der Tourismusbeauftragte der USA, Adams, erkennt hierfür keinen Grund. Er erklärte, dass Personen, die zeitig eine ESTA-Genehmigung beantragen, von einem problemlosen Einreiseprozess ausgehen können. Ein herzlicher Empfang werde 99,9 Prozent der Gäste zuteil. Er betonte: „Wir sind das gastfreundlichste Land der Welt.“ Der Tourismusforscher Schmude fügte hinzu, dass sich Fußballanhänger im Gegensatz zu gewöhnlichen Urlaubern von politischen Gegebenheiten oft weniger beeindrucken ließen. Für sie stehe das Erlebnis im Vordergrund. „Wer unbedingt Lionel Messi spielen sehen möchte, lässt sich von geopolitischen Spannungen meist nicht von einer Reise abhalten.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.