Die Piranha-Bar gibt es seit 50 Jahren, Wirt Lutz Nagrotzki hat sie zum Jahresende abgegeben. Die neuen Betreiber von Loss mer singe sind seit 1. Januar am Werk.
Piranha-Bar im Kwartier LatängKölner Kneipe hat jetzt acht neue Wirte – Was sich ändern wird

Die neuen Wirte der Piranha-Bar in der Kyffhäuserstraße. v.l.n.r. Sophie Hirschberg, Helmut Frangeberg, Thomas Hüpper, Christian Jungblut, Mica Frangenberg, Axel Hirschberg. Es fehlen auf dem Bild: Yukki Fahlbusch, Florian Schmitz.
Copyright: Uwe Weiser
Von einer eigenen Kneipe haben sie beim Bierchen schon lange geträumt. Doch es waren mehr Spinnereien als ein echtes Vorhaben. Als sich abzeichnete, dass Wirt Lutz Nagrotzki die Piranha-Bar an der Kyffhäuserstraße nach 50 Jahren zum 1. Januar 2026 abgeben würde, war ihnen klar: Sie müssen diesen besonderen Ort, diese Bastion kölscher Live-Musik erhalten und retten.
„Es ist alles total spannend und ein bisschen verrückt“, sagt Mica Frangenberg. Zusammen mit sieben weiteren Freunden und Mitstreitern der Loss-mer-singe-Mitsinginitiative hat sie die Kneipe übernommen. Am Sonntagabend feierten sie ihr Soft-Opening mit kölscher Musik und vollem Haus: Die Leute durften sich Songs von der Ahl Kamelle Band aussuchen, das Bier floss literweise. „Die Leute hatten viel Spaß und es hat richtig Freude gemacht“, so Frangenberg.
Piranha-Bar: Neue Betreiber kommen nicht aus der Gastronomie
Über den reibungslosen Ablauf im Service und an der Theke seien sie auch „leicht verwundert“ gewesen, denn: „Keiner von uns kommt klassisch aus der Gastronomie. Es braucht Mut.“ Mica Frangeberg ist auch in ihrem anderen Beruf selbständig, mit ihrer Wildkräuterei hat sie eine saisonabhängige Tätigkeit, die im Winter ruht. Helmut Frangenberg ist Redakteur in Teilzeit beim „Kölner Stadt-Anzeiger“, eine weitere Person stehe kurz vor der Rente und zwei weitere gingen derzeit keiner Beschäftigung nach.
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„Wir haben ziemlich freie Kapazitäten, auf die wir zurückgreifen können. Das ist ein Luxus.“ Bei aller freien Zeit – sind es nicht gerade eher ungünstige Zeiten für eine Kneipenübernahme und dann noch zu acht? „Wir sind Realisten und schon groß. Wir wissen, was im Leben passieren kann, das ist kein Grund, Dinge nicht trotzdem zu wagen“, sagt Mica Frangenberg.

Die Piranha Bar hat direkt ein neues Schild erhalten: vorher war es dunkelblau, jetzt weiß.
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Meinungsverschiedenheiten wollen sie vorbeugen, indem sie zuständige Ansprechpartner für Bereiche bestimmt haben: Einer kümmert sich um Personal, um Grafik und Social Media, ein bis zwei Personen um das Programm und die Veranstaltungen. Mica Frangenberg und Thomas Hüpper sind die Geschäftsführer. „In den ersten Wochen haben wir uns gerne Ratschläge gegeben. Wir haben aber gelernt, dass wir das lieber lassen“, sagt Mica Frangenberg.
Derzeit sei es ein „deutlicher Vorteil, dass wir zu acht sind“: Noch ist das benötigte Personal nicht zusammen. Diese Woche sind Bewerbungsgespräche geplant. Notfalls müsse man die Öffnungszeiten anpassen. Momentan sind Sonntag und Montag Ruhetage. Doch die Loss-mer-singe-Crew ist positiv gestimmt. Bis Karneval ist die Kneipe auf, an den tollen Tagen selbst kann man täglich dort feiern: Der Eintritt kostet jeweils 20 Euro, inklusive Wasserflatrate und zwei Kölsch. Karten gibt es an der Theke im Piranha.
Zuletzt klagte Wirt Lutz Nagrotzki über die Situation an der Kyffhäuserstraße, da sie sich innerhalb der Absperrzone findet: Die Stadt zäunt das Zülpicher Viertel seit Jahren wegen des Massenaufkommens von zumeist Jugendlichen ein. Trotz gekaufter Tickets, kam es für Gäste des Piranhas beim Zugang in die meist schon überfüllte Zone zu Problemen, die Kneipe blieb an Weiberfastnacht fast leer. Doch das Loss-mer-singe-Team setzt alles daran, dass Fans des kölschen Brauchtums an den Karnevalstagen auf ihre Kosten kommen.
Piranha-Bar in Köln: Nach Karneval wird erst mal renoviert
Nach Karneval gehen erst mal die Türen wieder zu. Dann wird renoviert, saniert und umgestaltet. „Das soll unser Zuhause werden, wir wollen uns hier richtig wohlfühlen und alles soll technisch funktionieren, damit wir das machen können, was wir vorhaben. Dafür brauchen wir mehr Platz. Die Theke wird also kürzer.“ Im Mai soll dann hoffentlich alles fertig sein. Ein buntes Programm mit vielen kleinen Veranstaltungen ist geplant, über die man aber noch nicht allzu viel verraten möchte. „Wir sind acht kreative Köpfe, der kreative Output ist enorm.“ Was keine Rolle mehr spielen soll: Der Bundesliga-Fußball. Das Piranha war jahrzehntelang eine Anlaufstelle für FC-Fans, Nagrotzki ein fußballverrückter Wirt. Das ist jetzt vorbei.
Auf der Getränkekarte wird es keine revolutionären Änderungen geben, Kölsch ist hier das A und O. Aber hier und da werde nachjustiert. „Wir haben festgestellt, dass man einen Aperol Spritz haben muss“, so Mica Frangenberg. Als frisch geborene Wirtin hat sie sich schon über die moderne Zapfanlage gefreut: „Das Bier kommt nicht aus Fässern, sondern aus zwei 500-Liter-Tanks aus dem Keller. Es kommt hier nicht mit Sauerstoff in Berührung und schmeckt dadurch total frisch.“
Piranha-Bar, Kyffhäuserstraße 28, dienstags bis donnerstags von 19 bis 1 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 19 bis 2 Uhr.

