Späte Spiele, teils mitten in der Nacht, sorgen bei der WM 2026 für Herausforderungen für die Kölner Gastronomie.
Regeln für Public ViewingWie sich Kölner Gastronomen auf die WM 2026 vorbereiten

Eine größere Public-Viewing-Veranstaltung wie während der EM 2024 im Tanzbrunnen wird es in diesem Jahr wohl nicht geben.
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Die Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada ist groß bei Josef Rayes. Zur Euphorie mischen sich beim Betreiber des Biergartens am Aachener Weiher aber auch leichte Bauchschmerzen. Anders als bei den vergangenen Großturnieren starten viele WM-Spiele (11. Juni bis 19. Juli) aufgrund der Zeitverschiebung erst spät abends oder sogar mitten in der Nacht. Auch zwei der drei deutschen Vorrundenspiele beginnen erst um 22 Uhr. „Die Menschen müssen ja am nächsten Tag zur Arbeit“, merkt Rayes an.
Dass nur 27 von 72 Vorrundenspielen bis 22 Uhr starten, ist für die Gastronomie alles andere als optimal. Bei früheren Turnieren war es üblich, dass ausnahmslos alle Spiele zeitlich für eine Übertragung in Frage kamen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Wie berichtet, erlauben Stadt und Land auf genehmigten Außengastronomieflächen die Übertragung aller Spiele, die zwischen 6 und 22 Uhr starten. Auch, wenn sie in der K.o.-Runde in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen gehen. Die Regel sei fair, findet Rayes, der genau diese Spiele in seinem Biergarten auf 15 Monitoren und vier Leinwänden übertragen will. Darunter fallen auch das Auftaktspiel der DFB-Elf gegen Curacao (Sonntag, 14. Juni, 19 Uhr) und die beiden folgenden Partien gegen die Elfenbeinküste (Samstag, 20. Juni, 22 Uhr) und Ecuador (Donnerstag, 25. Juni, 22 Uhr).

Das Sommerkino im Rheinauhafen zeigt zumindest die Spiele der deutschen Mannschaft.
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„Wir sind froh, dass wir auch die Spiele am späten Abend zeigen können“, sagt auch die Geschäftsführerin der IG Gastro, Maike Block. Die Gastronomie habe damit gerechnet, erstaunlich sei nur, wie lange es gedauert habe, bis die Regeln bekanntgegeben wurden. Ein großes Fußball-Turnier im Sommer erzeuge in der Gastronomie schöne Bilder, eine tolle Stimmung und steigere in jedem Fall den Umsatz. In welchem Ausmaß die Gastronomie profitiert, hänge vor allem davon ab, wie weit es das deutsche Team im Turnier schafft. Dass die Übertragung nach Abpfiff der späten Spiele sofort enden muss, sei „völlig okay“, sagt Block.
Für die Gastronomie sei vor allem eine Sache anders als bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren. In diesem Jahr gibt es kein großes städtisches Public Viewing. „Diese Aufgabe dürfen wir jetzt übernehmen“, sagt Block, das sei erfreulich. Auch auf der Galopprennbahn oder im Tanzbrunnen sind in diesem Jahr keine größeren Veranstaltungen geplant. „Wir beobachten, wie das Thema Fußball in den USA sich entwickelt und können die Spiele dann zumindest in den Rheinterrassen und im Beach Club übertragen“, sagt Koelncongress-Geschäftsführer Ralf Nüsser.
Sorge vor Menschenansammlungen in der Kölner Altstadt
Gastronom Geert Dillien will die Möglichkeiten, die sich ihm bieten, voll ausschöpfen und die WM-Spiele in all seinen Betrieben zeigen – im Deutzer Brauhaus, im Gilden im Zims am Heumarkt und wenige Meter entfernt im Servus Colonia Alpinia. „Die Nachfrage ist schon jetzt groß“, sagt Dillien. Bereits in den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Reservierungen für die Vorrundenspiele des deutschen Teams. Konflikte mit den Anwohnern wegen des Lärmes erwartet der Gastronom auch zu späterer Stunde nicht. „Daran sind die Leute in der Altstadt schließlich gewöhnt.“ Für problematisch hält er die Verkehrsbeeinträchtigung durch die Ansammlung von Menschen auf der Straße. Das ließe sich gerade in der Innenstadt kaum vermeiden, weil die Bildschirme auf den Terrassen zwangsläufig von der Straße einsehbar sind. Von der Stadt heißt es: „Bilden sich Menschenansammlungen außerhalb der genehmigten Fläche, ist die Übertragung zu unterbrechen, bis sich diese aufgelöst haben.“ Kommen Betreiber dieser Verpflichtung nicht nach, drohen laut Stadt ordnungsrechtliche Maßnahmen.
Im Open-Air-Sommerkino im Rheinauhafen sind ausschließlich die deutschen Spiele zu sehen. Ist es noch hell, laufen sie auf der 30 Quadratmeter großen LED-Wand – die späteren 22-Uhr-Partien sind auf der gut 120 Quadratmeter großen Kinoleinwand zu sehen. „Es ist positiv, dass die Stadt das unterstützt“, sagt Betreiber Micki Pick. Tickets kosten im Online-Vorverkauf zwölf Euro, inklusive zweier Getränke. „Wir freuen uns auf die WM. Solange Deutschland gewinnt, wird die Stimmung gut.“ Scheide die DFB-Elf allerdings aus, sei die WM für viele vorbei. Übertragungen anderer Spiele lohnten sich für das Sommerkino nicht. An Micki Picks Ehrenfelder Standorten – Live Music Hall, Helios, Schwarzer Hase und Garagen – werden dagegen mehr Spiele gezeigt, draußen und drinnen. In Innenräumen dürfen theoretisch sogar die Spiele mitten in der Nacht gezeigt werden.
Kölschbar erwartet geringes Interesse für Spiele in der Nacht
In der Sportsbar Joe Champs gehören Fußball-Übertragungen zur Geschäftsgrundlage. In der Filiale am Rudolfplatz werden deshalb neben den Spielen, die um 18, 19, 21 oder 22 Uhr starten, teilweise auch noch spätere Spiele gezeigt. Brasilien gegen Marokko an einem Samstag um 23.45 Uhr, freitags zur gleichen Zeit Schottland gegen Marokko oder an einem Montag um 23 Uhr Frankreich gegen Irak.
„Ich glaube nicht, dass wir die Spiele zwischen 2 und 5 Uhr übertragen werden“, sagt Dennis Busch, Betreiber der Kölschbar in der Lindenstraße. Er geht davon aus, dass sich das allgemeine Interesse vor allem auf die deutschen Spiele konzentrieren wird. Sollte sich im Verlauf des Turniers eine erhöhte Nachfrage nach den späteren Spielen entwickeln, sei er aber offen dafür, auch diese Partien zu zeigen. In der Kölschbar kommen normalerweise vor allem Fans des 1. FC Köln und von Borussia Dortmund zusammen. Dennis Busch freut sich auf ein deutlich gemischteres Publikum. „So eine WM verbindet“, sagt der Gastronom. „Und genau das ist doch das Schöne.“
