Gastronomen dürfen bei der anstehenden Fußball-WM der Männer auch nachts Spiele zeigen, müssen aber bestimmte Regeln befolgen. Ein Überblick.
Nächtliche Übertragungen erlaubtStadt Köln macht kein eigenes Public Viewing bei Fußball-WM

Viel los auf dem Konrad-Adenauer-Ufer am Rhein am 5. Juli 2024: Die Fans fiebern beim Public Viewing mit.
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Die Stadt Köln wird kein eigenes Public Viewing anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko vom 11. Juni bis 19. Juli anbieten. TV-Übertragungen in Kneipen und Restaurants sind aber möglich – sowohl im Inneren als auch auf den Außenplätzen, allerdings mit einigen Einschränkungen. Das teilte die Stadt Köln am Montagnachmittag mit.
„Dabei gilt: Der Ton macht die Musik – die Lautstärke sollte stets in einem angemessenen Rahmen bleiben, um Störungen zu vermeiden.“ Und: „Die Stadt Köln weist darauf hin, dass Rücksicht auf die Nachbarschaft zu nehmen ist: Emotionen gehören zum Fußball dazu, sollten jedoch nicht zu übermäßigen Lärmbelästigungen führen.“
Verbot von Trommeln
Trommeln, Tröten und Pfeifen sind verboten. Andernfalls können Bürgerinnen und Bürger das Ordnungsamt anrufen und sich beschweren.
Das Besondere an der kommenden WM: Sie findet in einer anderen Zeitzone statt. Dadurch beginnen beispielsweise manche Spiele erst um 4 Uhr nachts mitteleuropäischer Zeit. Die drei Gruppenspiele (14., 20., 25. Juni) der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) werden einmal um 19 Uhr und zweimal um 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. Das WM-Endspiel beginnt am 19. Juli um 21 Uhr deutscher Zeit. Die gesetzliche Nachtruhe beginnt um 22 Uhr.
Ende der TV-Übertragung mit Abpfiff
Durch die Anstoßzeit um 22 Uhr werden die Vorrundenspiele der deutschen Nationalelf erst gegen Mitternacht beendet sein. Die Stadt teilte mit: „Alle WM-Spiele, die zwischen 6 und 22 Uhr angepfiffen werden, dürfen ohne zusätzliche Genehmigung innerhalb der genehmigten Außengastronomiefläche übertragen werden.“
Und das gilt bis zum Abpfiff, also auch inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen. In diesen Fällen könnte es durchaus 1 Uhr nachts werden. Danach müssen Gastronomen laut Stadt die TV-Übertragung im Außenbereich „sofort beenden“.
Stadt droht mit Strafen
Es gibt noch weitere Regeln. Erstens: Die Bildschirme, Beamer oder Fernseher müssen sicher aufgestellt und so ausgerichtet sein, „dass Passanten sowie Teilnehmer am Straßenverkehr nicht abgelenkt werden“. Zweitens: Kabel als Stolperfallen müssen vermieden und nach Spielschluss entfernt werden.
Drittens: „Das Public Viewing ist ausschließlich für Gäste der jeweiligen Außengastronomie vorgesehen. Bilden sich Menschenansammlungen außerhalb der genehmigten Fläche, ist die Übertragung zu unterbrechen, bis sich diese aufgelöst haben.“ Viertens: Betriebe, die grundsätzlich aufgrund des Gesundheitsschutzes der Nachbarschaft früher schließen müssen, dürfen nach 22 Uhr außen keine Spiele zeigen. Das dürfte beispielsweise am Brüsseler Platz der Fall sein.
Erlass vom Land als Basis
Halten sich die Gastronomen nicht an die Regeln, drohen laut Stadt Strafen. „Die Stadt Köln empfiehlt, frühzeitig das Gespräch mit der Nachbarschaft zu suchen, um ein friedliches Miteinander während der WM-Zeit zu gewährleisten.“
Die Stadt bezieht sich mit ihren Regeln auf einen Erlass von NRW-Staatskanzlei und Umweltministerium (wir berichteten). Das Land hatte ihn an die Kommunen versendet. Notfalls, so heißt es im Erlass, müssten Anwohner eben die Fenster schließen.
Viele Kommunen verzichten
In dem Papier heißt es: „Die Erfahrungen in der Vergangenheit in Bezug auf Fußball-Europa- und -Weltmeisterschaften haben gezeigt, dass sowohl die durchgeführten Public-Viewing-Veranstaltungen als auch die erweiterte Nutzung der Außengastronomie gemeinsame freundschaftliche Begegnungen ermöglicht haben und eine große Akzeptanz bei den Anwohnerinnen und Anwohnern gegeben war.“
Zwar würde es durch die späten Spiele noch Lärmbelastungen geben, dennoch sollten Kommunen kulant mit Anträgen privater Unternehmen für Public Viewing umgehen, so der Erlass: „Angesichts des weitverbreiteten Interesses an dieser Sportveranstaltung besteht häufig auch eine gesteigerte Bereitschaft, kurzfristige Beeinträchtigungen der Nachtruhe hinzunehmen.“
Wie berichtet, verzichten viele Städte auf ein eigenes großes Public-Viewing-Angebot. Christian Schuchardt, Geschäftsführer des Städtetages NRW, hatte gesagt: „Public Viewing wird in der Regel von privaten Veranstaltern organisiert und von den Behörden genehmigt. Eigene Großveranstaltungen der Städte sind eher die Ausnahme. Wir gehen davon aus, dass es auch bei dieser WM so bleibt.“
Bei der vergangenen Fußball-Europameisterschaft 2024 hatte die Stadt Köln als Spielort sechs Wochen vor Turnierstart angekündigt, am Konrad-Adenauer-Ufer noch eine zusätzliche Public-Viewing-Fläche einzurichten.
Kein Public Viewing in der Lanxess-Arena
Kölns größte Halle, die Lanxess-Arena, verzichtet darauf, bei der Fußball-Weltmeisterschaft ein Public Viewing zu veranstalten. Das bestätigte Geschäftsführer Stefan Löcher am Montag dieser Redaktion. Von 2008 bis 2012 gab es öffentliches Fußball-Schauen in und um die Arena. Was laut Löcher positiv begann, artete am Ende teils aus in Brennfackeln, Vandalismus und Schlägereien. Deshalb verzichtet die Arena heute darauf. An zwei der drei Vorrunde-Spiele der deutschen Nationalmannschaft ist die Arena bereits anderweitig belegt.
