In den vergangenen 13 Jahren haben es drei Verkehrsdezernenten nicht geschafft, den Tunnel auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.
HerkulestunnelStadt Köln hat wichtige Verkehrsprojekte auf die lange Bank geschoben


Die Stadt Köln will den Herkulestunnel seit mehr als einem Jahrzehnt sanieren.
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Tempo 50 auf einer Schnellstraße, die auch noch Zubringer zu einer Autobahn ist – das leuchtet auf den ersten Blick wohl kaum einem Autofahrer ein. Und genau das führt dazu, dass sich am Herkulestunnel kaum jemand an das Tempolimit hält. Es gibt im Kölner Stadtgebiet wohl keinen anderen Ort, an dem so oft zu schnell gefahren wird. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Stadt Köln und die Unfallkommission jetzt die Reißleine ziehen und Blitzanlagen im Herkulestunnel aufstellen, um die Sicherheit wiederherzustellen.
Das gleicht einem Offenbarungseid
Überhaupt nicht nachvollziehbar ist allerdings der Grund, warum dort Tempo 50 gilt. Das liegt nämlich einzig und allein daran, dass die Stadt Köln den Herkulestunnel noch immer nicht saniert hat. Tempo 50 musste eingeführt werden, weil das Bauwerk die aktuellen Sicherheitskriterien der Europäischen Union nicht einhält. Und diese existieren aus einem sehr guten Grund. Geradezu entsetzlich war der Brand im französischen Mont-Blanc-Tunnel 1999, der sich nach einem Lkw-Unfall in eine Feuerhölle verwandelte, weshalb 39 Menschen ihr Leben verloren.
Aber wie kann es sein, dass die Stadt Köln es 20 Jahre nach der Einführung der neuen EU-Richtlinie noch immer nicht geschafft hat, den Tunnel zu modernisieren, sodass er die Anforderungen wieder erfüllt? Seit dem Herabsetzen des Tempolimits sind auch schon ganze 13 Jahre vergangen – mit Franz-Josef Höing (wechselte 2017 nach Hamburg), Andrea Blome (seit 2021 Stadtdirektorin und Ordnungsdezernentin) und dem derzeitigen Amtsinhaber Ascan Egerer haben es drei Verkehrsdezernenten bislang nicht geschafft, diesen wichtigen Tunnel auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Und dann könnte sofort wieder Tempo 80 zurückkehren – eine Geschwindigkeit, die für einen Autobahnzubringer angemessen ist. Das gleicht einem Offenbarungseid.
Das Beispiel des Herkulestunnels zeigt deutlich, was in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten in Köln im Verkehrsbereich schiefgelaufen ist. Die Verantwortlichen haben wichtige Projekte auf die lange Bank geschoben und falsch priorisiert. Das gilt nicht nur für diesen Tunnel, das zeigt sich auch am Gesamtbild. Wenn mit der Sanierung einer so wichtigen Verbindung wie der Kölner Zoobrücke, einer Hauptverkehrsader dieser Stadt, erst in 20 Jahren begonnen wird, dann stellt sich die berechtigte Frage, ob das Mobilitätsdezernat seine wichtigen Aufgaben wirklich ernst genug nimmt.
