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„Hier giKölnerin erobert den Off-Broadway in New York

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Sechs Menschen sind in verschiedensten Posen auf einem auf einer Bühne liegenden Teppich zu sehen.

Anissa Naji (2. v. l.) in der Produktion „WHIMSYNC Musical Improv Houseteam“ im Peoples Improv Theatre in der Spielzeit 2025-2026.

Anissa Naji studierte in Köln Sprachen und entschied sich dann, Schauspielerin zu werden. Nach einem Aufenthalt in Jordanien, lebt sie jetzt in New York.

Von Neu-Amsterdam zu New York: Das Element des Unbekannten spielte in der Historie der ehemaligen niederländischen Kolonie und späteren Weltmetropole an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika eine stete Hauptrolle. Wer einmal dort war, weiß, dass die Begrifflichkeit des „Schmelztiegels“ nirgends so treffend erscheint, wie in dieser vibrierenden, multikulturellen Stadt, in der die Träume von Generationen an Einwanderern auf ewig die Skyline verdichten. Im Nordwesten des Bezirks Queens lebt im Stadtteil Astoria seit rund drei Jahren die gebürtige Essenerin Anissa Naji.

Schauspielausbildung an der Circle in the Square Theatre School

Die ehemalige Wahlkölnerin kam über Umwege in den Big Apple, um eine Ausbildung zur Schauspielerin zu absolvieren. Nach einem Studium der Mehrsprachigen Kommunikation an der Technischen Hochschule Köln, zog es die Deutsch-Marokkanerin zunächst in eine Comedy-Theatergruppe nach Jordanien und 2023 mithilfe eines Stipendiums nach Amerika. Naji absolvierte ihre Schauspielausbildung an der New Yorker „Circle in the Square Theatre School“. Sie arbeitet heute als Schauspielerin und Performerin in verschiedensten Produktionen, unter anderem am Off-Broadway (Bezeichnung für die dortigen mittelgroßen – oftmals experimentelleren – Theaterhäuser mit einer Kapazität bis zu 500 Personen, Anm. d. Verf.).

Eine Frau mit langem, dunklem Haar ist im Halbporträt zu sehen.

Anissa Naji hat in Köln studiert, jetzt lebt sie in New York  und verfolgt ihre Schauspielkarriere.

Zu ihrem Repertoire gehören sowohl William Shakespeare, Tennessee Williams und Anton Pawlowitsch Tschechow als auch zeitgenössische Produktionen. Die Darstellerin ist zudem Mitglied in der einzigen arabischen Improvisationstheatergruppe Nordamerikas. Die Künstlerin unterhält ihr Publikum auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Französisch und Spanisch zurzeit in den Genres Comedy, Musical sowie Storytelling. Im Zuge ihrer Auftritte in Musical-Impro-Shows steht Naji regelmäßig ohne einstudiertes Manuskript oder vorbereitete Songs auf der Bühne. Dabei entstehen laut Aussage der Performerin spontan komplett neue Werke.

Dem Wunsch, Schauspielerin zu werden, stand lange Zeit niemand außer der Unsicherheit entgegen. Die Vorstellung, eine Fantasie wahr werden zu lassen, erfüllte Naji mit Demut in Anbetracht ihrer bisher so privilegierten Lebensbedingungen. „Ich wollte eigentlich schon immer auf die Bühne, doch mein Gewissen verhinderte das. Irgendwann ließ sich der Drang aber nicht mehr unterdrücken“, erinnert sich die Aktrice. Auch die Existenzängste wurden schließlich vom Tisch gefegt. Nach ihrem erfolgreichen Aufenthalt in Jordanien kehrte die junge Frau für rund ein Jahr an den Rhein zurück, um sich mit ihrer Schauspiellehrerin Dagmar Operskalski intensiv auf Vorsprechtermine in den USA vorzubreiten.

Viele Jobs neben dem Schauspiel

Trotz guter Erinnerungen an Köln möchte Naji ihr Domizil nicht mehr wechseln. „Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt. Irgendwie ist Köln auch immer noch eine Heimat. Aber in Deutschland ist das Bild des Schauspielers anders als in den USA. Hier ist es total normal, dass man als professioneller Actor auch andere Jobs hat, um sich über Wasser zu halten. In Deutschland ist man entweder nur Schauspieler oder gar nicht. Außerdem schreckt mich der zunehmende Rechtsruck in Europa ab. In New York gibt es dagegen kaum jemanden, der ohne Migrationshintergrund ist. Diese kulturelle Vielfalt fühlt sich einfach gut an“, erklärt die Kosmopolitin. Neben ihren Engagements ist Naji in unterschiedlichsten Bereichen tätig, etwa als Teaching Artist, als Klavierlehrerin in einer deutschen Familie, als Betreuerin in einer Kindertagesstätte oder als Fremdsprachenlehrerin. „Heute bin ich beispielsweise als Schauspielsimulationspatientin gebucht. Da arbeite ich mit angehenden Medizinern, die sich so auf ihren Beruf vorbereiten“, erzählt Naji im  Zoom-Interview.

Das Improvisationstalent nütze ihr auch abseits des Theaters: „Ich bin auf der einen Seite auf alle möglichen Situationen im Kopf vorbereitet, bleibe aber immer offen für Inspirationen. Du kannst noch so eine gute Energie haben, wenn diese Energie von anderen Menschen nicht angenommen wird, geht das ins Leere“, weiß Naji. Für die Zukunft plant die vielbeschäftigte Künstlerin eine verstärkte Präsenz in Kurzfilmen. Nachwuchsschauspielern rät sie, Ängste zu überwinden und sich auf die Leidenschaft zu konzentrieren. Man solle sich selbst gegenüber ehrlich sein und herausfinden, ob tatsächlich ein Feuer im Inneren brennt oder nur ein Licht flackert. Ihre größte Faszination in Verbindung mit ihrer Wahlheimat sei eine Leerstelle bezüglich Routinen: „Hier gibt es keinen klassischen Alltag. Alles ist permanent in Bewegung. Es ist bunt, schrill und das Tempo ist hoch. Man fühlt den vorwärtstreibenden Rhythmus dieser Stadt. Stagnation ist in New York ein Fremdwort. Ich liebe das“, schwärmt Anissa Naji.