Eine Kooperation zwischen Orangerie, „Un-Label“ und Technischer Hochschule Köln soll Orientierung für Menschen mit Behinderungen erleichtern.
Kooperation für BarrierefreiheitKölner Orangerie Theater setzt auf multisensorisches Leitsystem

Adriani Botez, Sprecher für kulturelle Teilhabe des KulturNetzKöln, betonte in seiner Rede vor Projektbeteiligten und Gästen die bisher ungenutzten Möglichkeiten für inklusive Teilhabe.
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Als „strahlendes Modell für Barrierefreiheit“ bezeichnete Nils Rottgardt vom Sozialbetrieb Un-Label die Prototypen des multisensorischen Leitsystems für das Orangerie Theater. In einer Kooperation zwischen dem Sozialbetrieb Un-Label, der Spielstätte sowie den Bereichen Integrated Design und Code & Context der Technischen Hochschule Köln (TH) entstanden in den vergangenen Wochen neue Impulse für eine verbesserte Orientierung für Menschen mit Behinderungen. Finanziert wird das Projekt unter anderem von der Kämpgen-Stiftung.
Barrierefreiheit mit App und Leitsystem
Zukünftig sollen visuelle, auditive und haptische Elemente das Gelände für Personen mit Seh-, Hör- oder Sprachbeeinträchtigungen wahrnehmbarer gestalten. So dient ein betastbares Miniaturmodell der Einrichtung unmittelbar vor dem Eingang als erste Einschätzung des Areals für sehbeeinträchtigte Besucherinnen und Besucher. Akustische Signale verweisen auf Wegstrecken. Mittels einer speziellen Smartphone-App werden von verteilten Sensoren vor Ort Orientierungsnachrichten aktiviert.
Aus den Prototypen soll ein konkreter Förderantrag für die finale Umsetzung der Module hervorgehen. Das System gilt bundesweit als eines der ersten seiner Art und könnte Vorbildcharakter für weitere Einrichtungen erlangen. „Als Theater interessiert uns vor allen Dingen eine Frage: Was wäre, wenn wir Barrierefreiheit nicht als Pflichtaufgabe, sondern als kreative Herausforderung betrachten? Inklusion ist vor allem eine Haltung“, sagte die künstlerische Leiterin des Hauses, Sarah Youssef, im Rahmen der Projektvorstellung. Demnach brauche es Mut für einen Perspektivwechsel. Kulturelle Orte seien in ihrer Wirkung am stärksten, wenn möglichst viele Leute an der Gestaltung teilhaben können, erklärte Youssef.
„Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Rampen für Rollstuhlfahrer. Vielmehr geht es um Begegnungen. Viele Perspektiven werden in der Debatte bisher nicht berücksichtigt, beispielsweise die Sichtweisen von Menschen mit mehr als einer Behinderung“, betonte Adriani Botez – Sprecher für kulturelle Teilhabe des KulturNetzKöln – die Notwendigkeit neuer Denkprozesse. Botez forderte dafür die Unterstützung aus Politik und Verwaltung. „Ziel ist eine konsequente Berücksichtigung der Vielfalt menschlicher Fähigkeiten als Ressource in der Gestaltung von Technologie“, formulierte TH-Professorin Laura Popplow ihre Vision des Vorhabens als Utopie.
www.orangerie-theater.de, www.un-label.eu, www.th-koeln.de
