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Bei RenovierungÜber 100 Jahre alter „Kölner Stadt-Anzeiger“ in der Wand entdeckt

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25.06.2026, Köln: Zu 150 Jahre Stadt-Anzeiger: Klettenberger findet Zeitung von 1925 in der Wand.  Foto: Arton Krasniqi

25.06.2026, Köln: Zu 150 Jahre Stadt-Anzeiger: Klettenberger findet Zeitung von 1925 in der Wand. Foto: Arton Krasniqi

Ein Klettenberger fand ein Stück Geschichte in der Wandfüllung. Die Zeitungsseite hat nun einen Ehrenplatz.

Seinen Fund hat Christian B. Nienaber von einem Fachmann sorgfältig einrahmen lassen, mit Doppelverglasung. „Damit kein Sauerstoff mehr drankommt und das Papier nicht weiter zerbröselt.“ Und: „Das war richtig teuer“, sagt er und lacht. Aber das sei es ihm wert gewesen. Denn schließlich ist die Zeitungseite über 100 Jahre alt: Es ist eine Titelseite des „Stadt-Anzeiger für Köln und Umgebung“ vom 11. Februar 1925, damals Teil der „Kölnischen Zeitung“. Die Seite hat nun einen Ehrenplatz im Esszimmer. „Ein tolles Stück Geschichte.“ Ein Stück Familien-, Stadt- und Zeitungsgeschichte.

Christian B. Nienaber mit den Töchtern Marie (l.) und Charly und dem Fundstück.

Christian B. Nienaber mit den Töchtern Marie (l.) und Charly und dem Fundstück.

Gefunden hat er die Zeitungseite bei Renovierungsarbeiten im 100 Jahre alten Elternhaus seiner Frau in Klettenberg, in dem die Familie mit zwei Töchtern jetzt lebt. In einer Zwischendecke inmitten von Bims und Stroh steckte die Zeitung und anderes Papier als Füllmaterial – es war damals gängige Praxis, bei Hausbauten die Wände mit Papier zu stabilisieren und zu dämmen. Die Dämmung hielt bis heute – und die Zeitung auch, jedenfalls größtenteils.

Titelzeilen könnten von heute stammen

Deutlich zu lesen sind die Schlagzeilen von damals. Die Headline: „Die große Steuerreform kommt.“ Im Text heißt es: „Der Staatssekretär machte am Eingang seiner Darlegungen darauf aufmerksam, daß die steuerlichen Gesetzentwürfe im Reichsrat einer sehr gründlichen Beratung unterzogen würden, und daß deren Ergebnisse noch abzuwarten seien.“

Daneben ein Bericht über den Untersuchungsausschuss des preußischen Landtags zu den „Vorkommnissen in der Landespfandbriefanstalt“.  Was da genau schief gelaufen ist, ist nicht beschrieben, nur dass in der ersten Sitzung ein Arbeitsplan aufgestellt wurde. „Irgendwie kommt einem das bekannt vor“, sagt Nienaber. „Die Nachrichten könnten auch von heute sein.“ Ist das beunruhigend? „Ich finde das eher beruhigend.“ So viel dramatischer sind die Zeiten heute offensichtlich gar nicht.

Die professionell gerahmte Zeitungseite hat einen Ehrenplatz bekommen.

Die professionell gerahmte Zeitungseite hat einen Ehrenplatz bekommen.

Genau betrachtet handelt es sich bei dem Fund um zwei Seiten, doch die konnten nicht mehr getrennt werden. Zu fest waren sie ineinander verbacken. Ein bisschen von der zweiten Seite, auf der wohl vor allem Anzeigen standen, hat sich aber durchgedrückt. Da ist zu lesen: „Mord im gefährlichen Alter.“ „Das ist wohl Werbung für ein Theaterstück.“ 

Sportteil und Freizeittipps sind wichtig

Familie Nienaber bezieht noch immer den „Kölner Stadt-Anzeiger“, wenn auch nicht mehr in der gedruckten Form. Sie hat ein E-Paper-Abo, denn die Zeitung gehöre einfach dazu. Christian B. Nienaber (52) ist Geschäftsführer der in Köln ansässigen Kreativ- und  Vermarktungsagentur Banijay Media Germany und vertritt dort große TV-Privatsender. Er liest vor allem den Sportteil und findet die Freizeit- und Ausflugstipps zum Wochenende sehr gut. 

Die Renovierungsarbeiten im Haus sind noch nicht abgeschlossen, da wartet noch ein weiteres Stockwerk. „Vielleicht finden wird ja noch einen Stadt-Anzeiger.“ Der wird auch eingerahmt.