Erneut gehen in Russland wichtige Logistikzentren in Flammen auf. Die Bevölkerung macht aus ihrem Frust derweil keinen Hehl mehr.
„Krasnodar wird zu Mordor“Ukraine greift erneut an – Wut, Tränen und Krise in Russland

Ein Screenshot aus einem vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Seleskyj veröffentlichten Video soll einen Großbrand in Krasnodar zeigen.
Copyright: Screenshot/Wolodymyr Selenskyj
Die Ukraine hat ihre Angriffsserie gegen Ziele in Russland fortgesetzt. Bei erneuten ukrainischen Drohnenangriffen auf den Süden Russlands, insbesondere auf Logistikzentren des größten russischen Onlinehändlers Wildberries, wurde Behördenangaben zufolge ein Mensch getötet. 15 weitere Menschen wurden laut Behörden verletzt.
Die Geschäftsführerin des Onlinehändlers, Tatjana Kim, erklärte, die Logistikzentren des Unternehmens in den südrussischen Städten Krasnodar und Newinnomyssk seien evakuiert worden.
Selenskyj bestätigt erneute Angriffe auf russischen Onlinehändler
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf dem Onlinehändler, der häufig als russisches Pendant zu Amazon bezeichnet wird, vor, die russische Armee unter anderem mit Drohnenkomponenten zu versorgen.
Selenskyj veröffentlichte zudem einen Video-Zusammenschnitt. Auf den Aufnahmen sind nach seinen Angaben die Folgen der ukrainischen Angriffe zu sehen – enorme Rauchwolken und Großbrände sind dort sichtbar. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen nicht.
„Wir bringen den Krieg – völlig zu Recht – nach Hause“
Der ukrainische Staatschef fügte außerdem hinzu, die Ukraine habe auch einen Tanker und vier Frachtschiffe im Schwarzen und im Asowschen Meer angegriffen. „Wir bringen den Krieg – völlig zu Recht – nach Hause“, erklärte Selenskyj zudem.

Ein Screenshot aus einem vom ukrainischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Video zeigt den Angaben zufolge einen Großbrand in Russland.
Copyright: Screenshot/Ukrainisches Verteidigungsministerium
Das in Russland beliebte Unternehmen Wildberries war erst in den vergangenen Tagen ins Visier genommen worden. Bei dem vorherigen Angriff am Samstag auf zwei große Logistikzentren von Wildberries in der Nähe von Moskau waren acht Mitarbeiter getötet worden.
Russische Wirtschaft nach Drohnenangriffen angeschlagen
Die ukrainischen Drohnenangriffe setzten der russischen Wirtschaft unterdessen erheblich zu. Die Angriffe auf Ölraffinerien, Schiffe und Logistikzentren führen zu Versorgungsengpässen und Treibstoffmangel im ganzen Land, berichtete „Politico“ am Mittwoch (22. Juli).
Besonders verheerend waren dem Bericht zufolge die Anschläge auf die Wildberries-Lager. Tausende kleinere Geschäfte sind demnach von Russlands größtem E-Commerce-Unternehmen abhängig – und nun ebenfalls in ihrer Existenz bedroht.
Häme in der Ukraine – Frust und Verzweiflung in Russland
Während in den ukrainischen sozialen Netzwerken am Mittwoch unverhohlene Freude über die erneut offenbar erfolgreichen Angriffe herrschte und das Nachbarland mit hämischen Sprüchen wie „Krasnodar wird zu Mordor“ bedacht wurde, wird in Russland weiterhin das Unverständnis und die Wut der Bevölkerung sichtbar.
„Ich kann meine Tränen nicht mehr zurückhalten, das Lagerhaus in Krasnodar wurde zerstört – stellt euch mal vor, wie viele unserer Güter dort gelagert wurden“, sagt etwa ein Mann in einem Video, das in russischen Telegram-Kanälen veröffentlicht wurde.
„Die Waren all meiner Kunden gehen in Flammen auf“
„Verdammt – ich will einfach nur, dass die Spezialoperation endet“, heißt es weiter. „So viele Menschen sterben, so viele Unternehmer leiden – ich weiß nicht, wie ich damit klarkommen soll.“ In Russland wird der Krieg auf Vorgabe des Kremls als „militärische Spezialoperation“ bezeichnet.
Der Frust in Russland wird auch in einem weiteren Video sichtbar, das von der ukrainischen Zeitung „Kyiv Independent“ veröffentlicht wurde, und ebenfalls aus russischen Telegram-Kanälen stammt. Die Angriffe auf die Wildberries-Lagerhäuser seien „schreckliche Nachrichten“, beklagt dort eine Frau. „Die Waren all meiner Kunden gehen in Flammen auf.“
Der Kreml zeigte sich unterdessen auch am Mittwoch explizit unbeeindruckt von den jüngsten ukrainischen Angriffen. „Unsere Streitkräfte setzen im Rahmen der militärischen Spezialoperation ihre Offensive über die gesamte Breite der Front fort“, zitierten russische Staatsmedien am Mittwoch Regierungssprecher Dmitri Peskow. (mit afp)
