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„Danke, lieber Mychajlo“Pistorius bedauert Fedorows Entlassung – ungewöhnliche Botschaft an Selenskyj

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Inzwischen nur noch Ex-Kollegen: Verteidigungsminister Boris Pistorius und Mychajlo Fedorow im Mai in Kiew.

Inzwischen nur noch Ex-Kollegen: Verteidigungsminister Boris Pistorius und Mychajlo Fedorow im Mai in Kiew.

Mychajlo Fedorow wird abgelöst, Grund sind offenbar interne Machtkämpfe in Kiew. Auch aus Deutschland kommt Kritik an der Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj – und die Forderung, den Minister wieder einzusetzen.

Die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj stößt nicht nur im Land selbst, sondern auch in Deutschland auf teils scharfe Kritik. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) schrieb an seinen bisherigen Kollegen und nahm auch persönlich Kontakt zu Fedorow auf.

In dem Schreiben, das dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, steht: „Danke, lieber Mychajlo, für die exzellente und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten! Wir haben gemeinsam die strategische Partnerschaft unserer Länder vorangetrieben. Dazu zählte, dass Deutschland die Ukraine massiv unterstützt und wir gleichzeitig von Euren Erfahrungen auf dem Gefechtsfeld lernen.“

Die jüngsten militärischen Erfolge gegen den russischen Angriffskrieg – etwa der Einsatz der Drohneneinheiten an der Front – trügen Fedorows Handschrift, betonte Pistorius. „Nicht zuletzt Dein Mut zur Innovation hat in diesem langjährigen Krieg ein Momentum für die Ukrainer geschaffen!“, lobte er. „Ich bedaure sehr, dass Du Deine Arbeit nicht fortsetzt, und hoffe, dass Du weiterhin politisch aktiv bleiben wirst.“ Das ist in dieser Deutlichkeit ungewöhnlich und indirekt als Kritik an Selenskyj zu verstehen, weil Regierungsumbildungen sonst wie interne Angelegenheiten behandelt werden.

Zerwürfnis mit dem Oberbefehlshaber

Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Bündnis 90 / Die Grünen), sagte dem RND: „Das ist ein harter Machtkampf in der Ukraine. Und Selenskyj ist vor alten, korrupten Netzwerken innerhalb des ukrainischen Militärs eingeknickt. Denn Fedorow war nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch bekannt dafür, nicht korrumpierbar zu sein.“ Hofreiter appellierte an die Koalition: „Die Bundesregierung sollte Druck machen, dass Fedorow wieder eingesetzt wird. Denn Selenskyj hat einen schweren Fehler begangen.“

In Städten der gesamten Ukraine hatten zuvor Tausende Menschen gegen die Entlassung Fedorows demonstriert. Hintergrund seiner Ablösung war ein Zerwürfnis mit Oberbefehlshaber General Oleksandr Syrskyj. Fedorow hatte diesem vorgeworfen, notwendige Reformen zu blockieren, weil sich „die Kriegslage durch neue Technologien wie Drohnen völlig verändert habe“.

Vor seinem Wechsel ins Verteidigungsressort war der 35-jährige Fedorow für die digitale Transformation in der Ukraine verantwortlich. Fortschritte bei Drohnentechnologie und elektronischer Verwaltung trugen zu seiner Beliebtheit bei. Syrskyj (60) wurde in der Sowjetunion geboren und besuchte eine Moskauer Hochschule für militärische Führung.