Die Karnevalssängerin Marie-Luise Nikuta lieferte unmittelbar nach Verkündung des Sessionsmottos fast jedes Mal das dazu passende Lied.
150 aus 150Marie-Luise Nikuta setzte sich in der Männerdomäne Karneval durch

Marie-Luise Nikuta bei einem Auftritt
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 139. Teil der Serie geht es um die Karnevalssängerin und Komponistin Marie-Luise Nikuta.
Bedeutung
Marie-Luise Nikuta war eine bekannte Karnevalssängerin und Komponistin. Schon mit 13 trat sie mit dem Lied „M’r fiere Fastelovend“ in einer Karnevalssitzung auf. Sie absolvierte eine Lehre als Versicherungskauffrau und arbeitete beim Verband der Sachversicherer. Für die Teilnahme an einem Wettbewerb zur Närrischen Hitparade in der Session 1968/69 schrieb sie ihren ersten Hit „Kölsch, Kölsch, Kölsch“. Ihr Lied gewann, gesungen von Fritz Weber, da Nikuta selbst wegen Schwangerschaft nicht auftreten konnte.
Marie-Luise Nikuta
Geboren: 25. Juli 1938 in Köln
Gestorben: 25. Februar 2020 in Köln
Im folgenden Jahr begann ihre Karriere, unterstützt von ihrem Mann Willi, der sie zu den Auftritten fuhr und die gemeinsame Tochter versorgte. Über vier Jahrzehnte lieferte sie unmittelbar nach Verkündung des Sessionsmottos fast jedes Mal das dazu passende Lied. Ihr Markenzeichen war die Tracht des Köbes mit einem Kranz in der Hand, verbunden mit den hochtoupierten roten Haaren. In der Männerdomäne Karneval setzte sie sich mit Beharrlichkeit sowie Humor durch – gegen Vorurteile von der „singenden Hausfrau“. Ihr größter Hit war „E paar Grosche för Ies“. Aber auch „Weißte wat, m‘r fahre met d‘r Stroßebahn noh Hus“ ist unvergesslich. Der Alltag bot ihr den Stoff für 160 Lieder.
Wirken in Köln
Eher zufällig nahm Nikuta Anfang der 1970er Jahre ein Engagement im Pimpernel an, einer bekannten Diskothek der schwulen Kölner Szene. Begeistert von der dortigen Feierlaune, blieb sie der queeren Gemeinschaft treu. 2003 komponierte sie für den Christopher Street Day und die Cologne Pride das Mottolied „Liebe Deinen Nächsten“ und war 2009 bei der Parade dabei. Sie kämpfte entschlossen für mehr Toleranz. Für die Stattgarde Colonia komponierte sie das Vereinslied. 2005 wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt.
Bemerkenswert
Marie-Luise Nikuta engagierte sich im Beirat der Aids-Hilfe Köln. Sie schrieb auch sieben Weihnachtslieder.
Spuren in der Stadt
1973 erhielt sie als bisher einzige Frau die Willi-Ostermann-Medaille in Gold für Verdienste um das Kölner Liedgut und die kölsche Kultur. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Melaten. Die Grünfläche an der Hahnentorburg wurde 2025 auf Vorschlag der Stattgarde nach ihr benannt.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
