Aus dem Bundesnachrichtendienst sind offenbar jahrelang wichtige Informationen an dessen Ex-Präsidenten abgeflossen – und dieser reichte sie weiter.
Ex-BND-ChefDer Fall Hanning – Ein Skandal im XXL-Format


Festnahme am Dienstagmorgen: August Hanning, der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (Archivbild aus dem Jahr 2015).
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Auch wenn die jüngsten Vorwürfe gegen den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) gerade erst ruchbar wurden und vieles noch im Dunkeln liegt, kann man eines bereits mit Gewissheit sagen: Der Fall August Hanning ist ein Skandal im XXL-Format. Dass der 80-Jährige festgenommen wurde, setzt dem nur die Krone auf.
Hanning ist eine fragwürdige Figur – das wissen Insider schon länger. Die Verdachtsmomente gegen ihn reihen sich wie Perlen einer Kette aneinander. Nun erreichen sie den BND selbst. Dabei geht es weniger um dessen Ex-Chef als um den Zuträger in herausgehobener Position, den er dort offenbar bis zuletzt hatte. Und der wohl unentdeckt geblieben wäre, hätte es bei den Ermittlungen im Entführungsfall Block nicht einen spektakulären „Beifang“ gegeben.
Nicht die einzige Affäre um Geheimdienste
Eigentlich ist der deutsche Auslandsnachrichtendienst wegen der internationalen Lage gefordert wie nie. Statt weiter offensiv zusätzliche Kompetenzen fordern zu können, muss sich der neue Präsident Martin Jäger jetzt aber in der Defensive üben und mitteilen, welche womöglich sicherheitsrelevanten Informationen aus der Behörde abgeflossen sind, an wen und warum. Die Glaubwürdigkeit des BND ist massiv beschädigt.
Zudem steht der Fall Hanning nicht allein. Der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hatte noch während seiner Amtszeit damit begonnen, ins rechtsradikale Lager überzulaufen. Und der einstige Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, Klaus-Dieter Fritsche, war später als Berater des österreichischen Innenministers Herbert Kickl tätig. Der ist Vorsitzender der rechtslastigen FPÖ und als Hardliner bekannt.
In der Summe ergibt sich aus all dem eine brennende Frage: Wie konnten Leute ohne Integrität wie Hanning, Maaßen und Fritsche überhaupt auf solchen Posten landen? Die Antwort könnte Anlass zur Beunruhigung geben.
