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Franzosen in KölnWas ist los mit der Freundschaft?

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Köln – Als vor einigen Jahren das „Institut français“ in Köln auf der Kippe stand, wollte Dominique Cherpin nicht einfach zusehen. Er war schon längst Kölner, durch und durch. Und doch: Es schmerzte ihn, womöglich auf eine Einrichtung verzichten zu müssen, die seine Muttersprache und die Kultur seiner Heimat so charmant unter die Kölner bringt. Er musste nicht überredet werden, sich an der Gründung des „Förderkreis Freunde des Institut français Köln“ zu beteiligen. Irgendwann fiel ihm aber auf, dass seine leidenschaftlichen Mitstreiter erstens vor allem Deutsche waren. Und zweitens „so um die 70“. „Wo sind denn die jungen Menschen?“

Freundschaft braucht Schwung

Das fragt sich der 43-Jährige seither häufiger. Zum Beispiel, als er 50 Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages vor einer auffallend betagten Festgesellschaft in Köln sprach. Und auch kürzlich wieder vor den Europawahlen, im Zuge derer der „deutsch-französische Motor“ traditionell beschworen wird. Cherpin bemüht sich in vielerlei Hinsicht, denselben am Laufen zu halten. Vor allem berät er mit seinem Dienstleistungsunternehmen „Villafrance“ französische Firmen im Rheinland und stellt fest, dass einige nicht allein aus Liebe zu Deutschland kommen, sondern „auch wegen der mauen Situation auf dem französischen Arbeitsmarkt“. „Ich habe das Gefühl, die deutsch-französische Freundschaft braucht neuen Schwung!“

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Diesen Eindruck anhand von Zahlen zu belegen, ist schwierig. Es dürfte kein anderes Land geben, mit dem Deutschland, insbesondere Nordrhein-Westfalen, engere und vielfältigere Beziehungen unterhält. Ende 2013 lebten in Nordrhein-Westfalen 17962 Franzosen, was einen leichten Zuwachs bedeutet. In Düsseldorf, wo sich das Konsulat und ein französisches Gymnasium befinden, haben sich die meisten, nämlich 3192 niedergelassen. In Köln sind es 2382. Es werden in Nordrhein-Westfalen rund 900 Schulpartnerschaften und 260 Städtepartnerschaften gepflegt. Es gibt reihenweise bilinguale Schulen, Studiengänge und mit rund 30 Milliarden Euro Handelsvolumen ist Frankreich nach den Niederlanden zweitwichtigster Wirtschaftspartner. Gut, der Anteil der Schüler in Nordrhein-Westfalen, die Französisch lernen, sinkt. Gleiches gilt für Franzosen, die Deutsch lernen. Ist das aber schon besorgniserregend?

Wo bleiben die Jüngeren?

Was viele nachdenklich stimmt: Die Menschen, die sich ehrenamtlich in Vereinen für die Selbstverständlichkeit des Miteinanders engagieren, vermissen tatsächlich den Einsatz der Jüngeren. Dazu gehört etwa die „Deutsch-Französische Gesellschaft“ in Köln, die sich seit mehr als 20 Jahren insbesondere um die Partnerschaft mit Lille verdient macht. Auch der Verein „Accueil des Françaises“, der seit 1993 Franzosen hilft, hier heimisch zu werden. „Unser Verein ist offen für alle, aber wir sind nur Frauen über 50“, sagt Präsidentin Elisabeth Siegel. Da öffentliche Gelder eher weniger werden, wächst die Sorge, die Nachwuchsprobleme könnten bald durchschlagen. Andererseits scheint die Zurückhaltung nicht dem Thema, sondern der allgemeinen Vereinsmüdigkeit geschuldet. Pierre Korzilius, Leiter des „Institut français“ Köln und Düsseldorf, bleibt zuversichtlich: Das Rheinland sei „superfrankophil“ und das gelte für alle Altersgruppen. Aber Schwung könne man immer gebrauchen. Wir haben Franzosen gefragt, wo man in Köln ein Stück Frankreich findet. Für ein Rendezvous zur Auffrischung einer alten Freundschaft.