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Radsport in und um KölnMountainbiker kommen zu kurz

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Köln – Helle Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das dichte grüne Blätterdach hinab zum braunschwarzen Waldboden. Gumminoppen krallen sich in den weichen Untergrund. Mit immer lauter werdendem Schnaufen kämpft sich ein Radfahrer den steilen Hang hinauf. Sein Ziel: Das Beton-Rondell am Adenauerweiher. Auch wenn man die Hügel des Kölner Stadtwaldes nur schwer als Berge bezeichnen kann, sind sie doch eine beliebte Trainingsstätte für Mountainbiker. Die Abfahrt der zuvor erklommenen Anhöhe ist von Wurzeln, kleinen Absätzen und Steilkurven gesäumt, auch ein Sprung ist dabei. Diese Hindernisse machen die Abfahrt erst wirklich spannend.

Interessen kollidieren

Doch zum Leidwesen der Mountainbiker sind solche Hindernisse auf Wegen nicht erwünscht, schon gar nicht, wenn sie von der Radsportlern selbst gebaut werden. "An diesem Punkt kollidieren Naturschutz, Verkehrssicherungspflicht der Stadt und die Freude am Sport aufs schärfste", sagt Werner Becker vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln. Allerdings sollten nach Ansicht des Amtes Alternativen für Mountainbiker angeboten werden. "Wir können nicht einfach sagen, hier ist es aus Naturschutz- und dort aus Unfallschutzgründen verboten, wir müssen gleichzeitig Alternativen anbieten", sagt Uwe Handt, der für die Planung und den Neubau von Grünflächen verantwortlich ist.

In Köln wird Mountainbiken immer beliebter. Vor allem die Schar derer wächst, die nach getaner Arbeit noch eine Runde zur Entspannung durch den Stadtwald dreht. Dabei tummeln sich außer den Radlern auch noch andere Gäste im Stadtwald. Jogger, Reiter, Spaziergänger und Hundebesitzer haben alle eins gemeinsam: Sie suchen Erholung und Entspannung vom stressigen Alltag.

Keine Wege für Mountainbiker

Dabei fällt auf, dass es für Mountainbiker keine offiziell ausgewiesenen Wege gibt, auf denen sie ihren Sport ungestört ausüben können. So etwa wie die Pferdefreunde, die speziell für sie angelegte Reitwege nutzen können, auf denen sich andere Sportler nicht bewegen dürfen. Die stark wachsende Anzahl von Natursportlern, welche die breiten Forstwege des Stadtwaldes bevölkern, bringt weiteres Konfliktpotenzial mit sich. Allerdings kommt dies wohl in der Praxis eher selten vor.

"Ich fahre seit 20 Jahren aktiv Rad und habe mich in dieser gesamten Zeit noch nie mit einem Wanderer im Kölner Grüngürtel in die Haare bekommen", sagt ein Mountainbikesportler, der regelmäßig in Köln trainiert, aus Angst vor Konflikten mit der Stadt seinen Namen lieber nicht nennen möchte.

Damit das auch so bleibt, wünschen sich immer mehr Mountainbiker eigene Wege, die durch den Stadtwald führen, ähnlich wie bei den Reitern. Auf denen können Erwachsene, aber auch die jüngere Generation ihren Spaß haben. "Mein Vorschlag wäre ein Wegenetz, das parallel der Reitwege verläuft", sagt Thomas Albus, ebenfalls einer der vielen begeisterten Radler. So könne eine interessante Strecke entstehen, die mit Wellen, Steilkurven und kleinen Sprüngen den Anforderungen der Biker gerecht würde. Ein großer Wunsch wäre ein sogenannter Pumptrack, ein Rundkurs, der aus Wellen und Steilwandkurven besteht. Die Radsportler könnten sich auch vorstellen, beim Bau einer solchen Strecke und der Instandsetzung mitzuarbeiten. "Ich würde auf jeden Fall helfen, das Fahren nachher auf der Strecke wäre Lohn genug", sagt Thomas Albus.

Andere Städte sind Vorreiter

Es gibt mittlerweile in vielen Städten Projekte, die auf das Drängen und Mitwirken von Mountainbikern hin umgesetzt wurden. Da stellen sich die Sportler in der Region natürlich die Frage, warum es in Köln noch nicht geklappt hat. Die Mountainbiker möchten ihre eigenen Trails und Spots im Kölner Stadtwald, dies weiß auch Petra Heinemann vom Amt für Kinderinteressen. Sie ist zuständig für Planung und Bau öffentlicher Spielplätze wie beispielsweise den Skateranlagen in Köln. "Wir brauchen die Unterstützung der Mountainbiker, sonst können wir keine Projekte umsetzen. Dafür müssen die Biker sich aber erst in einem Verein oder einer Interessengemeinschaft zusammenschließen. Dann können sie auch den notwendigen politischen Druck ausüben, um ihre Wünsche zu erreichen", sagt Heinemann. Es fehle aufseiten der Mountainbiker die Eigeninitiative, um ihren Wunsch nach eigenen Sportflächen umzusetzen.

Aber auch wenn ein Ansprechpartner vorhanden ist, geht nicht immer alles reibungslos. So ist beispielsweise dem MTV RheinBerg mit Sitz in Bergisch Gladbach bisher bei dem Versuch gescheitert, als Mountainbikeverein ein Klubgelände zu bekommen.

Stuttgart positives Beispiel

Und auch bei den Bemühungen, ein Wegenetz zu initiieren, stieß der Verein, der die Fortführung der Radsportabteilung des Kölner Triathlon Team 01 bildet, laut eigenen Angaben auf das Desinteresse der zuständigen Behörde. Diese wolle sich vorrangig um die Pflege der bestehenden Wege sorgen, hieß es.

Das alles anders geht, zeigen Beispiele aus Zürich und Stuttgart. Dort sind in den letzten Jahren Pumptracks auf Initiative von Mountainbikern entstanden, die von der Stadt unterstützt werden. Gerade in der Schweiz wird offensichtlich viel Wert auf die sogenannten Pumptracks gelegt, da dort immer wieder neue entstehen. Es stellt sich nicht nur für Thomas Albus die Frage, warum dies nicht auch in Köln möglich ist: " Ausreichend Platz im Kölner Grün und das Interesse der Mountainbiker sind vorhanden." Denn natürlich würden die meisten gerne ganz legal unter dem dichten grünen Blätterdach durchfahren.