Feine Pasta und leckere Desserts kommen in der „Osteria da Paolo“ in Köln-Marienburg auf den Tisch.
Henns GeschmackssacheWarum ein Besuch beim trubeligen Edel-Italiener Paolo lohnt

Charmantes Interieur und oft trubelige Stimmung: Osteria da Paolo in Marienburg
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In meiner losen Reihe mit Kölns Edel-Italiener hat mich der Weg diesmal nach Marienburg geführt. In diesem Villenviertel gibt es nämlich gleich zwei: neben dem Tullio auch das Eckrestaurant Osteria da Paolo. Beim Eintreten kommt man an einem großen Pizza-Steinofen vorbei, rechterhand liegt die überdachte und im Winter beheizte Terrasse (bei gutem Wetter wird das Dach geöffnet) mit ihren 35 Plätzen, Raucher willkommen, linkerhand liegen die eigentlichen Gasträume für 70 Gäste und die große Theke.
Es ist angenehm trubelig, die Tische stehen eng, aber nicht zu eng, die Bänke sind rot gepolstert, an den Wänden hängen Schwarzweiß-Fotos von italienischen Stars, Hunde sind willkommen und sowohl anwesend wie wohlerzogen.
Oliven und heiße Pizzabrötchen zur Begrüßung
Man sieht der Einrichtung an, dass sie über Jahre gewachsen ist und deshalb nicht alles zusammenpasst – was aber gerade ihren Charme ausmacht. Das Interieur ist gelebt, nicht geplant. Zur Begrüßung gibt es sogleich grüne Oliven und heiße Pizzabrötchen.
Im Internet findet sich eine saisonübergreifende Speisekarte mit stolzen 115 Positionen, sowie eine Wochenkarte – vor Ort wird dann allerdings nur letztere in Form einer Tafel am Tisch präsentiert– unter anderem die Auswahl an Pizzas ist dort im Vergleich sehr überschaubar.

Auf der Weinkarte sind Fotos der Etiketten mit Infotext zu den Weinen zu finden; Jahrgänge indes fehlen.
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Eine kleine Weinkarte gibt es auch, mit Fotos der Etiketten, und Infotexten zu den Tropfen, aber keinen Jahrgängen. Bei einer Kreszenz wie dem Tignanello für 349 Euro würde man das aber schon ganz gerne wissen. Aber keine Angst bei dem Preis für diesen Super-Toskaner, es gibt auch gute Einstiegsweine wie den süffigen Regaleali Bianco von Tasca D'Almerita aus Sizilien für 36,90 Euro.

Heißt Tomaten-Carpaccio, ist aber eher klassisch Caprese in solider Ausführung.
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Unter einem Tomaten-Carpaccio stellt man sich sehr dünne Scheiben vor, aber sie sind von normaler Dicke (also klassisch Caprese), darauf eine Burrata, die innen schön cremig ist, dazu gibt es Ringe von roter Zwiebel und Basilikum-Blätter. Solide.
Am Risotto zeigt sich, wie exakt die Küche arbeitet
Risotto ist immer eine gute Messlatte dafür, wie exakt eine Küche arbeitet. Ein klein wenig Biss weist es hier noch auf, dafür sind die vier kleinen Jakobsmuscheln zu lange gegart, die starken Röstnoten übertönen zudem den feinen Geschmack der Meeresfrucht. Spargelstücke gibt es in grün und weiß, der Garpunkt stimmt, ein Stück ist allerdings holzig. Auf der Habenseite: die Parmesan-Note ist präsent und die Gesamtkonsistenz angenehm schlotzig.

Das Risotto hat eine schöne Parmesan-Note.
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Überraschenderweise stellt sich die Pizza als schwächstes Gericht des Abends heraus. Was man nicht erwarten sollte, werden hier doch Luxus-Varianten wie Parmaschinken und Dattel, Mozzarella und Steinpilze oder Trüffelschinken und Rucola angeboten. Aber die Margherita ist die Basis und diese weist hier zu viel Käse im Verhältnis zur Tomatensauce auf, und einen Tick zu lange im Ofen war sie leider auch.

Tagliarini mit Trüffel ist ein gelungenes Pasta-Gericht.
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Wunderbar gelingen die mit Ricotta und Spinat gefüllten und al dente gegarten Tortelloni.
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Wunderbar gelingen dagegen die mit Ricotta und Spinat gefüllten und al dente gegarten Tortelloni. Herrlich heiß kommen sie auf den Tisch, die Salbei Butter Sauce verdient sich ihren Namen vollauf. Auch bei den Tagliarini stimmt der Gargrad, frische schwarze Trüffel sind darüber gehobelt, die Sauce gelingt cremig.
Bei den Desserts punktet das Haus - luftige Zabaione
Als Klassiker gelten hier die Spaghetti aus dem Parmesanlaib und nach den Erfahrungen mit den anderen Pasta-Gerichten des Hauses werde ich sie beim nächsten Mal definitiv bestellen.

Als Klassiker gelten bei Paolo die Spaghetti aus dem Parmesanlaib.
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Fisch gibt es natürlich auch, unter anderem Seezunge und Seeteufel. Die Doradenfilets sind knusprig gegrillt, allerdings scheint es sich bei den „frischen Kräutern“ darauf nur um ein einziges zu handeln, was bedauerlich ist, und die Kartoffeln, die es dazu gibt, sind nicht ganz durch. Problematisch ist zudem, dass die Hauptgänge zeitlich so weit versetzt an den Tisch kommen, dass die ersten schon ihren Teller leer haben, wenn die letzten gerade erst anfangen.
Bei den Desserts – 16 verschiedene werden angeboten, eine eigene Tafel dafür an den Tisch gestellt – kann Paolo Faracis Osteria dann wieder punkten. Die Zabaione ist heiß, wunderbar luftig, und gut in der Süße eingestellt, das Tiramisu bietet eine gekonnte Balance von Cremigkeit und Kaffee, und der Espresso Martini überzeugt durch seine nussige Kaffeenote und auch hier stimmt die zurückhaltende Süße. Der Service agiert routiniert-freundlich, kredenzt auch einen Absacker aufs Haus. Praktisch: alle Speisen gibt es ebenfalls zum Mitnehmen.
Fazit: Größtenteils solide italienische Klassiker, vor allem Pasta und Desserts gelingen.
Bewertung: 3 von 6

Der freundliche Service kredenzt auch einen Absacker aufs Haus.
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Osteria da Paolo, Andernacher Straße 2 / Ecke Bonner Straße, 50968 Köln-Marienburg, Tel. 0221 - 3 98 03 19, Di-So 12-15 & 18-23 Uhrwww.osteria-paolo.de
Henns Auswahl
Burrata / Mozzarella auf Tomaten-Carpaccio 18,90 Euro
Tagliarini mit frischen schwarzen Trüffeln 24,90 Euro
Pizza Margherita 11 Euro
Risotto mit Spargel und Jakobsmuschel 25,90 Euro
Gegrilltes Doradenfilet mit frischen Kräutern 32,90 Euro
Tortelloni gefüllt mit Ricotta, Spinat in Salbei Butter Sauce 19,90 Euro
Zabaione mit Vanille-Eis 10 Euro
Tiramisu 9,90 Euro

