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LieblingsortHanoi Vibes in Köln-Sülz – Vietnamesische Küche, die überrascht

4 min
Ngoc Bich Tran und Viet Long Nguyen stehen in ihrem Restaurant und halten angerichtete Teller in der Hand. Sie tragen beige Schürzen.

Ngoc Bich Tran und Viet Long Nguyen, beide in Hanoi geboren, haben das vietnamesische Restaurant 2025 eröffnet.

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Im vietnamesischen Restaurant Hanoi Vibes wird abwechslungsreich, aromenstark und frische-basiert gekocht.

Sülz ist ein ziemlich geselliges Viertel. Gastronomisch ist hier einiges los: französische Brasserie-Küche, italienische Focaccia, spanische Snacks zum Wermut, gutbürgerliche Wirtshaus-Klassiker – die Auswahl ist groß. Dennoch sticht das Hanoi Vibes hervor. Von außen, weil man sich fragt, warum hier so viele Menschen sitzen – das kann ja durchaus ein gutes Zeichen sein. Den größeren Überraschungseffekt birgt allerdings das Interieur. Dunkles Holz, dekorative Wandpaneele, leuchtend grüne Hängepflanzen (zwar aus Kunststoff, aber das mindert nicht den Effekt). Es ist weder kitschig noch fühlt es sich nach Phantasialand-Pappmaschee-Kulisse an, sondern einfach liebevoll gestaltet.

Julia Floß

Julia Floß

Julia Floß ist ausgebildete Köchin und Patissière und hat viele Jahre in verschiedenen von Gault-Millau und Guide Michelin ausgezeichneten Küchen gearbeitet, bevor sie Journalismus und Medienkommunika...

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Das Hanoi Vibes gibt es seit Februar 2025. Betrieben wird es von Ngoc Bich Tran und ihrem Mann Viet Long Nguyen, beide in Hanoi geboren und aufgewachsen. 2009 kamen sie zum Studium nach Deutschland. Nach vielen Jahren in der Gastronomie entstand bei dem Paar der Wunsch, ein eigenes Restaurant zu eröffnen und vietnamesische Küche so anzubieten, „wie wir sie aus unserer Heimat kennen“. Viet Long Nguyen steht selbst als Küchenchef am Herd.

Die Karte ist umfangreich und man braucht ein paar Minuten, um sich zu orientieren. Es finden sich bekannte Klassiker wie Pho und Banh Mi, aber eben auch Gerichte, die hierzulande deutlich weniger bekannt sind. Ich habe mich spontan einmal quer durch die Karte probiert und fand vor allem die Vielfalt bemerkenswert. Besonders schön: Es gibt eine ganze Reihe spannender vegetarischer und veganer Gerichte.

30.09.2026, Köln: Gastrokritik von Julia Floß für die Serie „Lieblingsort“ über das Restaurant „Hanoi Vibes“

Foto: Michael Bause

Überraschend: das Interieur. Nicht kitschig, sondern liebevoll gestaltet, findet unsere Autorin.

Gỏi bò cà pháo ist ein traditioneller Salat aus gebratenem Rindfleisch, knackigen Mini-Auberginen, Sojasprossen, vielen frischen Kräutern und einem würzigen Dressing aus Fischsauce und Limettensaft. Diese Art von Salat aus warmen und kalten Komponenten mit allerlei Texturen und Aromen ist typisch für die vietnamesische Küche. Sie ist abwechslungsreich, frische-basiert und bezieht häufig den körperlichen Nutzen mit ein.

Was auf dem Teller nach Dekoration aussieht, erfüllt meist einen Zweck: Kräuter bringen Duft und Frische, Schärfe und Säure setzen Kontraste – und vieles davon ist in der vietnamesischen Esskultur zugleich mit der Vorstellung verbunden, dem Körper etwas Gutes zu tun. Essen ist zugleich Genuss und Balance. Der Rindfleischsalat mit Auberginen schmeckt auch in der veganen Version ganz hervorragend.

Kumquat Lemongrass Tofu, angerichtet auf einem Teller, daneben ein Tee-Service

Vietnamesische Gerichte mit Kumquat enttäuschen selten.

Wenn auf einer vietnamesischen Karte die Zutat Kumquat aufgeführt wird, bestelle ich das Gericht oder das Getränk grundsätzlich und ich wurde noch selten enttäuscht. Die kugelige Zwergorange birgt intensives Zitrusaroma und eine leichte Bitternote. Im Hanoi Vibes wird sie zu knusprigen Tofuwürfeln, die mit einer Sauce aus Zitronengras und Chili glasiert wurden, gereicht. Die roten Zwiebeln und der frische Koriander setzen diesem kleinen Teller die Krone auf. Beim nächsten Besuch würde ich einfach direkt zwei bestellen.

Tamarinde ist auch so eine Zutat, die mich hellhörig werden lässt. Das sind die Früchte vom Tamarindenbaum, die in vielen Landesküchen fester Bestandteil sind. Sie werden kandiert, gekocht, getrocknet, eingelegt, zu Saft, Mus, Limonade und Konzentrat verarbeitet. Tamarinde schmeckt intensiv süß-sauer und fruchtig und ist der perfekte Gegenspieler zu gegrilltem Fleisch.

Bun Cha Hanoi: gegrilltes Schweinefleisch mit würzigen Hackfleischbällchen, Reisnudeln, Salat und Kräutern, angerichtet auf einem Teller, danben steht eine Limonade

Bun Cha Hanoi: gegrilltes Schweinefleisch mit würzigen Hackfleischbällchen, Reisnudeln, Salat und Kräutern

Skewer ist das englische Wort für Grillspieße und im Hanoi Vibes gibt es eine eigene Grillspieß-Karte: von Kalamar bis zum Kräuterseitling. Mein absoluter Favorit ist der Pork Skewer. Marinierter, gegrillter Schweinenacken vom Duroc-Schwein, dazu süß-saure fruchtige Tamarindensoße. Diese Kombination ist simpel und brillant.

Saisonale Menüs und Streetfood in der Planung

Die Hauptgänge überzeugen ebenfalls durch Abwechslung und Aromenvielfalt: sowohl Bun Cha Hanoi, also gegrilltes Schweinefleisch mit würzigen Hackfleischbällchen, Reisnudeln, Salat und Kräutern, als auch Com Ga, in Brühe gekochter Duftreis mit Spiegelei, Kohlsalat, frischen Gurken, Erdnüssen, Röstzwiebeln, Ingwer-Karamellsauce und marinierter Hähnchenkeule vom Grill (ohne Knochen). Das klingt genauso köstlich, wie es schmeckt.

Für die Zukunft planen Ngoc Bich und Viet Long saisonale Menüs und passende Weine. Außerdem soll es Veranstaltungen geben, bei denen vietnamesisches Streetfood oder die Kombination von vietnamesischer Küche und Wein im Mittelpunkt stehen. Darauf freue ich mich und bestelle bis dahin einfach noch ein, zwei Grillspieße.

Hanoi Vibes, Weyertal 47, 50937 Köln, Tel: 0221/57032064, Öffnungszeiten: Mo-Sa 12-15:30 Uhr + 17:30-22 Uhr, So 12-21 Uhr ,Instagram: @hanoivibes_koeln

Meine Auswahl:

  1. Goi Bo Ca Phao Chay // Salat mit veganem Rindfleisch, Mini-Auberginen, Sojasprossen, Sesam, frischen Kräutern und veganem Fischsoße-Limetten-Dressing // 8 Euro
  2. Dau Lac Sa Tac // Knusprig frittierte Tofuwürfel, glasiert mit hausgemachter Zitronengras-Chili-Paste, dazu Kumquat, rote Zwiebel und vietnamesischer Koriander // 6 Euro
  3. Pork Skewer // Gegrillter Schweinenacken-Spieß vom Duroc-Schwein mit Tamarindensoße // 7 Euro
  4. Bun Cha Hanoi // Gegrilltes Duroc-Schweinefleisch mit würzigen Hackfleischbällchen, Reisnudeln, frischem Salat, Kräutern, eingelegtem Rettich und Möhren // 17 Euro
  5. Com Ga // Hähnchenreis nach Hanoi-Art mit Spiegelei, Kohlsalat, frischen Kräuter, Gurke, Erdnüssen, Röstzwiebeln, Ingwer-Karamellsauce und marinierter Hähnchenkeule vom Grill (ohne Knochen) // 16,90 Euro