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LieblingsortKopenhagener Café-Kultur mit Blick auf Sankt Aposteln

4 min
Rafet Aydogdu steht vor seiner Ladentheke und hält ein Blech mit Backwaren in die Kamera.

Gründer Rafet Aydogdu betreibt auch das Kaffesaurus am Friesenplatz.

Die neue Crop-Coffee-Filiale punktet mit einer offenen Backstube, skandinavischem Design und ausgefallenem Gebäck.

Was hat Dänemark mit Kaffee zu tun? Kopenhagen gehört zu den europäischen Zentren der sogenannten Third-Wave-Coffee-Bewegung. Das bedeutet, dem Ausgangsprodukt, der Kaffeebohne, wird ähnlich viel Aufmerksamkeit geschenkt wie etwa der Traube im Weinbau. Es geht um Herkunft, Varietät, Anbauhöhe, Aufbereitung und Röstung. Jahrzehntelang spielten diese Faktoren eine untergeordnete Rolle. Es wurde in Robusta und Arabica unterschieden, sehr dunkel geröstet und die größten Streitpunkte waren der Milchanteil des fertigen Getränks, die Tageszeit, zu der man besagtes Getränk konsumieren sollte, und vielleicht noch wie viel Bar (Druck) den perfekten Espresso erzeugen.

Die dunkle, „italienische“ Röstung ist in vielen traditionellen Kaffees auch immer noch Standard. Sie sorgt im besten Falle für schokoladige und nussige Aromen. Im schlechtesten Fall wird das gewünschte Heißgetränk einfach nur bitter. Nicht ohne Grund wird in Italien häufig löffelweise Zucker in den Espresso gerührt.

Crop Coffee öffnet direkt an zwei Standorten in Köln

Seit den 2000er Jahren verändert sich vor allem in Skandinavien der Blick auf Kaffee. Deshalb findet man dort häufig helle Röstungen, bei denen die Eigenaromen der Bohne im Vordergrund stehen – Fruchtigkeit, Säure, florale oder teils auch teeartige Noten. In der Barista-Szene ist das längst der Favorit, in der breiten Masse in Deutschland hat es sich noch nicht durchgesetzt. Unsere Gaumen sind an einen bestimmten Geschmack gewöhnt und nicht jeder ist dazu bereit, aus seinem alltäglichen, lieb gewonnenen Heißgetränk eine kleine Forschungsarbeit zu machen.

Rafet Aydogdu kennt die Bedürfnisse seiner Kundschaft und schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Das Kaffeesaurus am Friesenplatz ist seit 2018 ein Erfolgsmodell. Der Laden brummt. Zwischen Avocado-Toast und Eier Benedikt trifft man sich zum Brunch. Es gibt eine helle und eine dunkle Kaffeeröstung. Wer mehr über die Bohne erfahren möchte, kann fragen, alle anderen tanken einfach nur ihre tägliche Dosis Koffein. Diese Regel gilt auch für seine Neueröffnung, das Crop Coffee. Und weil eine neue Filiale offenbar nicht genug war, gibt es gleich zwei davon: eine an der Ehrenstraße und eine bei Sankt Aposteln am Neumarkt.

Kardamom-Knoten, Croissants und Plundergebäck: Sortiment angenehm überschaubar

Anders als im Kaffeesaurus gibt es bei Crop Coffee keine Küche und keinen Tischservice. Dementsprechend fallen die Frühstücksgerichte weg und das Gebäck steht im Fokus. Dieses wird täglich frisch in der offenen Backstube gebacken und auf die beiden Filialen verteilt. Das Sortiment ist angenehm überschaubar und ausgewählt.

Ein Mitarbeiter zieht ein Blech mit Gebäck aus einem Ofen.

Das Gebäck wird täglich frisch in der offenen Backstube gebacken.

Auch das gehört zur Kopenhagener Café-Kultur. Die dänische Hauptstadt hat in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung bei handwerklichen Bäckereien erlebt – insbesondere rund um Sauerteig, lange Teigführungen, hochwertige Butter und Plundergebäck. Feinschmecker bereisen die Stadt längst nicht mehr nur für teure Restaurantbesuche. Auf den Must-Eat-Listen stehen Kardamom-Knoten, gefüllte Croissants und Zimtschnecken.

Crop Coffee bietet nicht nur Süßes, sondern auch herzhafte Focaccia

Im Crop Coffee ist die Backstube ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Neben dem riesigen, stoffbezogenen Kronleuchter über der Kaffeemaschine ist die Theke der eigentliche Blickfang. Hier liegen ordentlich aufgereiht glänzende Kardamom-Knoten, goldbraune Croissants, leuchtende Törtchen und üppig belegte Focaccia-Stücke. Ich starte unaufgeregt und salzig: Focaccia Caprese.

Ein Focaccia-Stück mit Tomaten, Mozzarella und Pesto liegt in der Auslage.

Die Focaccia-Stücke sind üppig belegt.

Das Brot bekommt durch die lange Fermentation ein schönes Aroma, eine elastische Krume und eine angenehm kräftige Kruste. Zusammen mit frischen Tomaten, Mozzarella und würzigem Pesto wird daraus ein sehr, sehr gutes Sandwich. Ich empfehle ausdrücklich die warme Version aus dem Kontaktgrill. Beim nächsten Besuch möchte ich unbedingt die Varianten mit Brie und Heidelbeermarmelade probieren und die Mortadella.

Ein Stück Kopenhagen in Köln

Kommen wir zum Feingebäck. Das Mango-Maracuja-Teilchen ist jetzt schon Publikumsliebling. Der Plunderteig ist herrlich blättrig und leicht karamellisiert. Die Creme aus weißer Schokolade und Mascarpone wurde blütenförmig um das Mango-Maracuja-Gelee getupft. Das sieht nicht nur hübsch aus, das schmeckt auch ganz vorzüglich. Entgegen meiner Erwartung ist die Creme erstaunlich leicht, luftig und nur zart süß. Zusammen mit dem knusprigen Plunder und dem fruchtigen Kern ergibt das ein perfekt ausbalanciertes Törtchen.

Blick auf Törtchen in der Auslage, unter anderem ein Törtchen aus Blätterteig mit einer Erdbeere dekoriert.

Crop Coffee setzt auf wenige Produkte, dafür gute Zutaten und Expertise.

Das Monkey Bread mit Zimt und Apfel läutet den Spätsommer ein: knuspriges Plundergebäck mit geschmorten Apfelstückchen und einer cremigen Füllung. Das ist entweder ein süßes Frühstück oder der ideale Nachmittagssnack. Das Crop Coffee setzt auf wenige Produkte, dafür gute Zutaten und Expertise. Kopenhagen lässt grüßen – Köln dürfte sich darüber freuen.

CROP Coffee, Apostelnstraße 1-3, 50667 Köln, Öffnungszeiten: täglich 9.30-18.30 Uhr, Telefon: 0221/2212, Instagram: @cropcoffee_original


Meine Auswahl:

Sauerteig-Focaccia Caprese: Sauerteig-Focaccia mit Rucola, Basilikum-Pesto, Tomate und Mozzarella für sieben Euro

Mango Maracuja Teilchen: Plunder mit Mango-Maracuja-Füllung und weißer Schokoladen-Mascarpone-Creme für 5,60 Euro

Bread Pudding für  5,50 Euro

Kardamom Bun für 4,20 Euro

Sauerteig-Focaccia Brie: Sauerteig-Focaccia mit Brie, Heidelbeermarmelade und Rucola für 7,20 Euro