Von 1996 bis 1999 gab es die Liquid Sky Bar an der Kyffhäuser Straße. Gründer und Musiker Ingmar Koch organisiert anlässlich der 30 Jahre eine Party im Artheater.
Wo Nena und Phil Collins abhingenDiese Kölner Bar wurde zum Wohnzimmer der elektronischen Musikszene

Die Liquid Sky Bar an der Kyffhäuser Straße bestand nur von 1996 bis 1999 und doch ist sie vielen aus der Musikszene in Erinnerung geblieben. Zu sehen Irwin Leschet (M.), der heute unter anderem die Silberschwein-Partys und die Immernoch-Tanzen-Partys in Köln organisiert.
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Die Sofas standen überall. Die Gäste versanken in ihnen. Ingmar Koch und seine Mitstreiter hatten sie einen Tag vor Eröffnung der Bar Liquid Sky an der Kyffhäuser Straße gerettet – zusammen mit röhrenden Hirschen und allerlei anderen Kuriositäten, die sie mit dem Transporter zum neuen Club gekarrt hatten. „Wir haben mittwochabends die Schlüssel bekommen, am Donnerstagabend haben wir aufgemacht. Das war verrückt. Mit dem Transporter haben wir überall die übelsten, verkorkstesten Sachen für die Einrichtung aufgetrieben“, sagt Ingmar Koch im Gespräch mit dieser Redaktion.
Wir erreichen den 59-Jährigen Musiker mit dem Künstlernamen Dr. Walker per Telefon, da er in Portugal lebt. Vieles sei improvisiert gewesen in der Bar Liquid Sky für elektronische Musik, die Koch 1996 eröffnete. An diesem Samstag, 30. Mai, wird anlässlich 30 Jahre „Liquid Sky Cologne“ im Artheater gefeiert. Koch selbst wird mit seiner Band Air Liquide auftreten, außerdem gibt es drei Floors, auf denen unter anderem frühere Resident-DJs des Liquid Sky auflegen. Auch sind Workshops zu elektronischen, experimentellen Instrumenten geplant.

Die Einrichtung der Liquid Sky Bar bestand aus Sofas und kuriosen Gegenständen vom Sperrmüll, aufgelesen auf Kölner Straßen.
Copyright: Liquid Sky Cologne
Frauen legten regelmäßig in der Liquid Sky Bar in Köln auf
„Das Liquid Sky war das Wohnzimmer der elektronischen Musikszene“, erinnert sich Koch. Hier trafen sich Labelvertreter, Plattenladen-Inhaber, DJs und Musiker. Der 59-Jährige ist im niedersächsischen Isernhagen als Professorensohn aufgewachsen. In Köln studierte er ein paar Semester an der Musikhochschule und arbeitete auch bei einer Plattenfirma: „Beim Mann, der die Kelly Family entdeckte und das Vienna Symphonic Orchestra Project erfunden hatte“, so Koch. Dort lernte er das Handwerk des Musikmarketing, mitsamt seinen Schattenseiten. „Die PR-Texte wurden ganz dreist erlogen. Die Pop-Welt hat schon immer aus Lug und Trug bestanden.“
Im Liquid Sky sollte das anders laufen. Gemeinsam mit Wolfgang Voigt gründete er den Plattenladen und das Label „Delirium“, das später in „Kompakt“ umbenannt wurde und Weltbekanntheit erlangte. Voigt und Koch setzten auf Authentizität und nicht auf das Vortäuschen amerikanischer oder britischer Herkunft. Sie bekannten sich bewusst zu Köln, zum viel beschworenen „Sound of Cologne“, der wie eine Marke für elektronische Musik aus Köln funktionierte.
„Wir haben nicht so getan, als ob wir aus dem Ausland kommen, weil wir an die Kölner Elektronikschule angeknüpft haben.“ Stockhausen, Eimert, Holger Czukay von der Band Can – das waren die Vorbilder. Koch hatte Czukay mit 16 Jahren im Radio gehört und war seitdem nicht mehr losgekommen. „Mit 14 wusste ich, dass ich elektronische Musik machen muss. Mit 16 wusste ich: mit Holger.“ Später ging er mit Czukay auf Tour, sie nahmen gemeinsam ein Album auf, das nicht veröffentlicht wurde, erzählt Koch.

Wanddeko im Liquid Sky mit Telefon
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Das Liquid Sky wurde bald zum Treffpunkt weit über die Technoszene hinaus: Nena kam vorbei, Phil Collins, Public Enemy, Iron Maiden und viele andere. „Von Nena gab es eine lustige Geschichte. Die hat sich mit einem unserer Kumpels unterhalten und die waren schon vollkommen besoffen. Und dann meinte er: Du siehst aus wie Nena. Und Nena meinte: Ich bin Nena.“
Die Plattenfirma EMI schickte laut Koch ihre schwierigen Künstler zu ihm, mit der Bitte, er solle sie doch durch das Kölner Nachtleben lotsen. Gäste wie Künstler und DJs hätten sich wohlgefühlt, weil es keinen Abstand zum Publikum, kein Podest für DJs gab: Die legten einfach mittendrin auf.
Damals fanden im Liquid Sky sogenannte „All-Female-Nächte“ statt: Frauen, die noch nie Platten in der Hand gehabt hatten, übten sich am Plattenspieler, ohne, dass das groß jemanden gewundert hätte, so Koch. Manche dieser Frauen wurden später echte DJs.

Ingmar Koch, gebürtig aus Niedersachsen, lebte in den 90ern in Köln, mittlerweile wohnt er in Portugal. Er veröffentlicht weiter Musik unter dem künstlernamen Dr. Walker.
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Genau das sei der Kern von allem gewesen, sagt Koch: die Überzeugung, dass Kunst kein Privileg ist. „Viele Künstler definieren ihren Wert durch die Distanz zum Publikum. Wir sagen: Jeder und jede ist Artist.“ Diese Haltung zieht sich bis heute durch Kochs Arbeit. Er baut eigene Synthesizer, die ohne jahrelanges Üben spielbar sind und organisiert Workshops, niedrigschwellige Formate, die den Einsatz von KI als kostengünstiges Werkzeug auf dem Weg zur Kunst befürworten.
„Liquid Sky Cologne“-Party soll nicht nur Nostalgie-Treff werden
30 Jahre Nachtleben liegen hinter ihm. Bevor er 2018 nach Portugal zog, weg aus Ostdeutschland, hätten manche ihn überreden wollen, einen neuen Club in Köln zu eröffnen. „Ich hatte nicht mehr das Bedürfnis, mich da beweisen zu müssen. Ich wollte auch andere Sachen machen. Ich habe acht Hunde hier und ein Afforstungsprojekt.“
Nach nur drei Jahren zog er sich wegen „inhaltlicher Unstimmigkeiten“ mit seinem Geschäftspartner aus dem Liquid Sky zurück, das später noch an die Luxemburger Straße zog. Koch gründete hingegen den Club Camouflage in der Altstadt und das Künstlerhotel Monte Christo. Zwischen den Jahren 2000 und 2005 seien viele nach Berlin abgewandert, „und irgendwie ist Köln sehr klein geworden, ich musste weg“. Dennoch zieht es ihn am Samstag zurück. „Es soll kein Senioren-Tag sein. Die Vergangenheit kann man nicht mehr verändern. Die Zukunft schon.“
„30 years of Liquid Sky Cologne“, Samstag, 30. Mai, im Artheater am Ehrenfeldgürtel, beginnt um 16 Uhr und endet am nächsten Tag um 6 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Euro.