Kölscher geht es kaum: Ab dem 11.11. wird der „4711 Cologne Gin“ zu kaufen sein. Die Marke 4711 und der Bonner Siegfried-Destillerie haben sich das Projekt ausgedacht, um den traditionellen Duft „geschmacklich erlebbar“ zu machen. Die „spritzige Zitrusfrische, kräutrige Würze und florale Tiefe“ des Duftwassers habe man in den Gin überführen wollen, heißt es stolz. Die Flasche trägt das vertraute gold-türkisfarbenen Etikett und sieht damit einem Flakon täuschend ähnlich.
Ist das alles nur ein Gag?
Alles nur ein Gag? Ein bisschen. „Eine Kultmarke wie 4711 darf sich immer wieder neu erfinden – mit Mut, Kreativität und einem Augenzwinkern“, sagt Stephan Kemen, Chef der Stolberger „Mäurer und Wirtz“-Gruppe, zu der die Marke gehört. Und im Grunde kehre man damit auch zu den Ursprüngen von 1792 zurück. Denn damals sei das Duftwasser zur inneren Anwendung, also zum Trinken, gedacht gewesen.

Historische 4711-Flakons, bis 1810 wurde der Inhalt in kleinen Mengen getrunken.
Copyright: Mäurer und Wirtz
Der Kaufmann und Firmengründer Wilhelm Mülhens gründete an der Glockengasse seinen Stammsitz und stellte hier nach einer streng geheimen Rezeptur das sogenannte „Aqua Mirabilis“ her – zu Deutsch: „Wunderwasser“. Es war in schlanken Fläschchen abgefüllt und wurde als medizinisches Produkt vermarket. Und das war vor allem zum Trinken gedacht. Allerdings nicht in großen Mengen, sondern in sehr kleinen Dosen. „Zwei Tropfen pur oder mit Wein vermischt entfaltete es seinen belebenden Effekt“, erzählt die Firma in ihrer Chronik. Nicht erwähnt ist, ob Kunden das Wunderwasser mit einem Alkoholgehalt von 86 Prozent auch in größeren Mengen zur „Heilung“ von Gebrechen nutzten.
Bis 1810 wurde Kölnisch Wasser getrunken
1810 verfügte jedoch der Besatzer Napoleon, dass alle medizinischen Rezepturen offengelegt werden müssen. Mülhens wollte sein Geheimnis auf keinen Fall preisgeben und deklarierte sein Produkt von nun an als Duftwasser für die äußere Anwendung. Das konnte er somit weiterhin ungestört herstellen. Damals führte er auch die im Wesentlichen noch heute gebräuchliche Flaschenform ein.
Nun, nach über 200 Jahren, kann man 4711 also wieder trinken. Eine Flasche, die aussieht wie ein Kölnisch-Wasser-Flakon und ein Gin, der schmeckt wie Kölnisch Wasser. Alles nur eine Schnapsidee? Gibt es da nicht Störgefühle?

Historische Werbung für 4711, das Kölnisch Wasser sollte eine „belebende Wirkung“ haben.
Copyright: Mäurer und Wirtz
Raphael Vollmar von der Siegfried-Destillerie – die Firma ist geübt in Kooperationen etwa mit Roncalli und Domino’s Pizza – erzählt, dass ihm die Idee im Februar bei der FC-Sitzung kam, als Cat Ballou ihren Song „Eau de Cologne“ spielten. Einen Tag später habe er 4711 angemailt und die Sache sei geritzt gewesen. „Das Geheimrezept haben die Parfümeure uns natürlich nicht verraten, aber wir haben eng zusammengearbeitet.“ Die klassischen Inhaltsstoffe wie Bergamotte, Zitrone, ätherische Öle aus Bitterorangen, Lavendel und Rosmarin seien enthalten. Plus Wacholder – sonst wäre es kein Gin. Der Alkoholgehalt liegt bei 47 Prozent.

Die klassische Flaschen mit dem blau-goldenen Etikett
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Der Gin rieche tatsächlich wie 4711 und das sei auch so gedacht, sagt Vollmar. Schon wegen der Nostalgie. „Wir haben Blindtests mit verschiedenen Altersgruppen gemacht und alle haben gesagt: Das riecht wie Kölnisch Wasser.“ (Ein Test in dieser Redaktion konnte dies bestätigen.) Die Kunst sei es gewesen, den Duft und die Inhaltsstoffe so auszubalancieren, dass ein guter Gin herauskommt. „Wir als Rheinländer sind sehr stolz darauf“, sagt Raphael Vollmar. „Mäurer und Wirtz“-Chef Stephan Kemen nennt den Gin einen „echten Hingucker“ und eine „besondere Geschenkidee“. Es sei keine limitierte Auflage, sondern soll dauerhaft in den Regalen stehen.
Das echte Kölnisch Wasser kann man tatsächlich auch heute noch trinken, wenn auch wie ganz früher nur in sehr kleinen Mengen. Im Haus an der Glockengasse wird bei besonderen Anlässen der Blau-Gold-Cocktail gereicht. Der besteht aus Danziger Goldwasser, Curacao Blue, Wodka – und einem Spritzer 4711. Das Ganze wird aufgefüllt mit Sekt. Ansonsten wird dringend davon abgeraten, Duftwasser in größeren Mengen zu trinken. Denn aus steuerlichen Gründen ist der enthaltene Alkohol vergällt, also für den menschlichen Genuss ungenießbar.

