Kinderkrankheiten des innovativen Wankelmotors zerstörten den Ruf des Ro 80. Allerdings nicht bei Gereon Schneider.
Alte Liebe rostet nichtSchon als Kind geblendet von der keilförmigen Karosserie des Ro 80

Die keilförmige Karosserie des Ro 80 hatte es Gereon Schneider schon als Kind angetan, noch heute gibt es für den 66-Jährigen kein schöneres Auto unter der Sonne.
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Ein wegweisendes Design und innovative Technik: Mit dem Ro 80 hatten die NSU Motorenwerke gleich mehrere Trümpfe in der Hand. Doch die 1967 eingeführte Limousine mit dem Wankelmotor blieb ein Exot für Individualisten. Der Antrieb, bei dem ein dreieckiger Kolben in einem ovalen Gehäuse rotiert, zeigte Probleme mit den Dichtleisten. Der Ruf des Ro 80 litt und erholte sich auch nicht, als die Kinderkrankheiten behoben waren. Das alles interessierte Gereon Schneider nicht, als er das Auto zum ersten Mal sah. Als Kind war er nahezu geblendet von der Schönheit der keilförmigen Karosserie, die alles Dagewesene alt aussehen ließ. Aber erst viel später erfüllte sich der Arzt aus Köln seinen Traum vom eigenen Ro 80.
- Typ: NSU Ro 80
- Baujahr: 1969
- PS: 115
- Hubraum: 995 Kubikzentimeter
- Zylinder: zwei rotierende Kolben
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
- Verbrauch: 10-15 Liter
- Gebaute Exemplare: 37 398 (1967-1977)
- Neupreis: Ca. 15 000 D-Mark
Gereon Schneider, 66, über seinen NSU Ro 80:
Deshalb habe ich ihn:
Als der Ro 80 rauskam, war ich acht Jahre alt. „Du musst den kaufen“, habe ich zu meinem Vater gesagt: „Das ist das schönste Auto, das es jemals gegeben hat.“ Aber er hat ihn nicht gekauft, wegen der technischen Probleme, die damals schon bekannt waren. Auch die Karosserie war so fortschrittlich, dass sie unheimlich polarisiert hat. Die Leute haben sie gehasst oder geliebt. Ich habe sie geliebt. Das war eines der ersten Autos, die im Windkanal getestet wurden. Heraus kam diese Keilform: vorne flach und hinten hoch. Dafür gab es kein Vorbild. Schon damals habe ich zu meinem Vater gesagt: „Wenn ich groß bin, dann kaufe ich mir einen.“ Und das habe ich vor 20 Jahren in die Tat umgesetzt.

Als der Ro 80 auf den Markt kam, polarisierten Design und Technik. Nur eine kleine Fangemeinde hielt ihm die Treue.
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Das kann er:
Was ich echt gut finde, ist die Kupplungsautomatik, die das Schalten total easy macht. Er hat nur drei Vorwärtsgänge, die man ohne Kuppeln betätigen kann. Eigentlich muss man gar nicht schalten: Die Erstbesitzerin, eine alte Dame, ist tausende Kilometer nur im zweiten Gang gefahren. Es ist also ein sehr anwenderfreundliches Auto. Und das Design ist natürlich unglaublich modern. Würde man die Chromstoßstangen durch Kunststoffelemente ersetzen, würde der Ro 80 nicht mehr wie ein Oldtimer wirken, sondern wie ein aktuelles Fahrzeug. Da bin ich mir sicher. Anders als sein Ruf ist es ein unglaublich zuverlässiges Auto. Ich benutze es häufig im Alltag und sogar im Winter.

An heißen Tagen wird der Ro 80 zum Glutofen, eine Klimaanlage sucht man vergeblich.
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Das kann er nicht:
Der Ro 80 hatte nur zwei Defekte. In beiden Fällen ging die Tachowelle kaputt. Plötzlich fuhr der Wagen angeblich 250. Gott sei Dank repariert der Ro 80 Club sowas. Ich musste nur den Tacho einschicken und bekam einen neuen. An heißen Tagen fahre ich den Wagen übrigens nur ungern. Wegen der großen Fensterflächen heizt er sich unheimlich auf, eine Klimaanlage war damals ja eine absolute Seltenheit. Und sparsam im Verbrauch ist ein Ro 80 natürlich auch nicht gerade.

Der Wankelmotor des Ro 80 litt unter Kinderkrankheiten, Gereon Schneider hat aber nichts zu meckern: sein Wagen läuft rund.
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Das habe ich für ihn getan:
Ich muss nichts Besonderes tun, außer alle 1000 Kilometer einen Liter Öl nachzugießen. Der Motor verbraucht Öl. Wenn man nichts nachkippt, ist es irgendwann weg und es gibt einen Kolbenfresser. Nicht so einfach war es allerdings, überhaupt einen brauchbaren Ro 80 zu finden. Noch dazu in dieser sepiafarbenen Lackierung, die ich unbedingt haben wollte, weil sie ihm so gut steht. Das war die Farbe, mit der der Ro 80 1967 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Über einen Patienten bin ich schließlich auf einen NSU-Restaurator aus Bietigheim-Bissingen in Baden-Württemberg gestoßen, der mein Traumauto anbot. Es war ein Volltreffer.

Äußerlich war der Ro 80 seiner Zeit weit voraus, doch er blieb ein Exot auf deutschen Straßen.
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Das haben wir erlebt:
Bei Oldtimertreffen ist meistens nur ein Ro 80 dabei: meiner. Deshalb freuen sich die Leute, wenn ich komme. Wenn Paare ab 60 an dem Auto vorbeigehen, erklären die Männer meistens ihren Frauen, wie das so funktioniert mit dem Wankelmotor. Dann sieht man immer, wie sie mit den Händen dieses Dreieck von den Rotationskolben nachbilden. Es kommen auch immer dieselben Fragen. Zum Standard gehört: „Wie viele Motorschäden hatten Sie denn schon?“ Wenn sie dann hören, dass es noch gar kein Problem gegeben hat, ist das Erstaunen groß.
Das haben wir vor:
Nichts Spektakuläres. Weiterhin jeden Tag damit fahren und mich an dem herausragenden Design erfreuen.
