Mit seinem Motorrad fährt Werner Schmitz am liebsten in den Norden. Sein erstes Fahrzeug änderte sogar seinen Berufswunsch.
Alte Liebe rostet nichtMit der Yamaha von Köln bis auf die Lofoten

Werner Schmitz ist seit den 1970-er Jahren Fan der Yamaha XS 750 1T5, mit der er schon auf den Lofoten war.
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Als Kfz-Mechaniker kennt Werner Schmitz viele Fahrzeuge. Aber keins hat ihn so geprägt wie die Yamaha XS 750 1T5. Wenn er auf große Tour geht, bleibt seine Frau zu Hause und Werner Schmitz ist allein mit seiner „treuen Japanerin“, wie er sein fast 50 Jahre altes Motorrad nennt. Mittlerweile hat der 70-jährige Mülheimer schon das dritte Modell in Betrieb, weitere dienen ihm als Teilespender. Denn seine Leidenschaft soll so schnell nicht enden.
- Typ: Yamaha XS 750 1T5
- Baujahr: 1977
- PS: 64
- Hubraum: 741 ccm
- Zylinder: 3
- Verbrauch: 5-7 Liter/ 100 Km
- Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h

Werner Schmitz schätzt seine Yamaha als robuste Reisemaschine und liebt ihren Klang.
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Deshalb habe ich sie
Als ich Kind war, hatte mein Vater ein NSU-Moped. Wenn Papa daran schraubte, wich ich nicht von seiner Seite. Im Frühjahr 1971 bekam dann mein älterer Bruder ein Kleinkraftrad von Kreidler. Mein Wunsch, auch einmal so etwas zu besitzen, wurde immer größer. Als ich dann endlich meine eigene Kreidler hatte, änderte sich sogar mein Berufswunsch. Statt Radio- und Fernsehtechniker wollte ich nun Kraftfahrzeugmechaniker werden, was ich auch umsetzte. Die Prüfung legte ich sogar als Zweitbester ab. Ich arbeitete später in einer Firma, die auch Yamaha-Motorräder verkaufte. Hier sah ich erstmals 1977 eine XS 750 1T5. Welch ein Klang! Es dauerte allerdings bis 1989, bis ich eine besaß.
Das kann sie
1978 durfte ich dieses Modell zum ersten Mal fahren, die Maschine gehörte einem Freund und ich hatte sofort ein sicheres Gefühl damit. Wie robust sie ist, wusste ich damals noch nicht. Aber die drei Yamahas, die ich bisher hatte, habe ich ungefähr 350.000 Kilometer gefahren. Das liegt vor allem an dem sehr zuverlässigen Kardanantrieb, den damals die Firma GetrAG entwickelte, Porsche half bei der Motorentwicklung, was man der Maschine auch anhört. Nur einmal hatte ich einen größeren Ausfall, weil die elektronische Zündung versagte. Tags darauf holte ich sie auf dem Anhänger in meine Werkstatt.
Ansonsten konnte ich alle Probleme handhaben. Allerdings bin ich auch handwerklich in der Lage, unterwegs zu improvisieren. Auf langen Touren habe ich immer eine Prüflampe dabei, mit der ich Fehler in der Elektrik eingrenzen kann. Auch Ersatzbirnen und -zündkerzen dürfen nicht fehlen. Und natürlich die Klassiker: Isolierband und Kabelbinder. Was sie auch kann: Stress abbauen. 20 Jahre lang hatte ich eine eigene Werkstatt in Leverkusen, da brauchte ich ab und zu einen Ausgleich.

Von Köln in die weite Welt: Mit seiner „treuen Japanerin“ ist Werner Schmitz schon weit gekommen, vor allem in den hohen Norden verschlägt es die beiden.
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Das kann sie nicht
Als junger Mann war das unproblematisch. Aber jetzt, im gesetzteren Alter, wird mir das Motorrad im Stand mit 257 Kilogramm langsam zu schwer. Im Urlaub mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Koffern und Tankrucksack natürlich umso mehr. Und im Alter komme ich auch nicht mehr so einfach auf die Maschine. Es geht noch alles, weil es gehen muss, aber es wird nicht leichter. Nicht besonders wartungsfreundlich ist der Ausbau des Hinterrades, besonders wenn ein Gepäckträger montiert ist. Ohne Hebebühne muss sehr viel abgeschraubt werden.
Das habe ich für sie getan
Ich besitze gleich mehrere Maschinen dieses Typs. Eine ist in Betrieb, die anderen dienen als Teileträger. Seit 2009 ist nun diese Yamaha im Einsatz, die vorher 27 Jahre abgemeldet war. Um sie wieder flott zu machen baute ich den Tank, sowie den kompletten hinteren Teil meiner ersten 3-Zylinder-Yamaha dran. Dafür dienen ja zum Glück die Teileträger. Frühzeitig an Ersatzteile zu denken, erhöht die „Restlebenszeit“ eines Fahrzeugs enorm. 2020, im Alter von 43 Jahren meiner Yamaha, musste eine neue Abgasanlage her.

Der Tachostand gibt nicht die wahre Kilometerleistung der Maschine wieder: Werner Schmitz ist weitaus mehr gefahren.
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Das haben wir erlebt
Am liebsten fahre ich bis in den hohen Norden. Schlechtes Wetter macht mir nichts aus. Auf dem Weg Richtung Norwegen fielen mir einmal die hohen Drehzahlen im Leerlauf auf. Leider kommt man mit den Fingern nicht gut an den Vergaser dran. Dann fand ich auf der Straße den Holzlöffel von einem Eisbecher und konnte damit die Leerlaufdrehzahl verändern. So viel zum Thema Improvisieren. Aber ich hatte auch viele interessante Begegnungen auf meinen Touren. Als ich auf einem Campingplatz auf den Lofoten mein Zelt aufbaute, kam plötzlich jemand und stellte mir zwei Dosen Bier hin. „Wenn ich hier schon jemanden aus Köln sehe, muss ich dem doch ein Bier hinstellen“, meinte der Mann. Er wohnte in Schweden, war aber Deutscher und hatte 20 Jahre lang in Köln gearbeitet.
Das haben wir vor
Mit meinem Bruder möchte ich in diesem Jahr auf Deutschland-Tour gehen. Er mit seinem MZ-Motorradgespann von 1993, ich mit meinem Moppedchen von 1977. Wir wollen durch das ganze Land fahren, um Freunde und Verwandte zu besuchen. So Gott will, würde ich gerne noch ein paar Jahre mit meiner treuen Japanerin unterwegs sein.
