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Alte Liebe rostet nichtPeter Klinginger und die Polizei-Vespa – beide pensioniert

4 min
Peter Klinginger mit seiner originalgetrau nachgebauten Polizei-Vespa.

Peter Klinginger mit seiner originalgetrau nachgebauten Polizei-Vespa.

Peter Klinginger ist pesnioniert. Auch die Vespa setzt die Polizei nicht mehr ein. Klinginger hat sich eine originalgetreu nachgebaut.

Für wilde Verfolgungsjagden war eine Polizei-Vespa nicht gedacht, dazu reichte ihre Power nicht aus. Ihre Stärke war vielmehr die Streife auf schmalen Wegen, dort, wo kein Auto hinkommt. Den italienischen Motorroller setzt die Polizei längst nicht mehr ein, aber der pensionierte Polizist Peter Klinginger hält die alten Zeiten hoch. Der 64-Jährige hat eine Dienst-Vespa aus dem Jahr 1965 originalgetreu nachgebaut. Wenn er sich für Sondereinsätze in die passende Lederkluft mit Holster und Tasche für Stadtpläne wirft, kann er sich vor neugierigen Blicken kaum retten. Manchmal muss der Sürther aber auch Missverständnisse aufklären.

  1. Typ: Vespa Sprint
  2. Baujahr: 1965
  3. Hubraum: 200 ccm
  4. PS: 12
  5. Verbrauch: 3 Liter
  6. Zylinder: 1
  7. Km/h max: 95
  8. Neupreis: Ca. 2000 D-Mark
Vorderansicht der Vespa mit großem Polizei-Logo

Nur für Ausstellungen oder Sonderfahrten verleiht Peter Klinginger seinem Roller die Polizei-Optik.

Deshalb habe ich sie:

Die Vespa begleitet mich mein Leben lang. Die erste hatte ich als Schüler, später bin ich als junger Polizist Vespa gefahren. Auf der Wache Rodenkirchen hatten wir drei oder vier Stück, die weiß lackiert waren. Die gingen mit ihrer Automatik-Schaltung zwar ständig kaputt, waren aber ideal, um im Rheinbogen Streife zu fahren. Man kam an allen Pollern vorbei und konnte auch die kleinen Schleichwege benutzen, um zu gucken, ob wieder mal jemand wild campiert oder illegal Müll abgeladen hat. Nach langer Zeit reifte dann der Entschluss: Ich will wieder eine Polizeivespa haben.

Das kann sie:

Eine Vespa verleitet nicht zum Rasen, sondern zum gemütlichen Cruisen. Schon in meiner Dienstzeit musste ich nie einen Vespafahrer anhalten. Die gehörten nicht zu den Rowdies. Stattdessen fährt man damit entspannt von Café zu Café. Und gerade mit den alten Rollern wird man immer angesprochen. Wenn ich an irgendeinem Eiscafé vorfahre, ist der erste Espresso meistens umsonst, weil die halbe Belegschaft draußen steht und den schönen Roller bewundert.

Der Motor der Vespa

Der Roller stammt aus dem Jahr 1965, der Motor ist jüngeren Datums.

Das kann sie nicht:

Große Nachteile gibt es eigentlich nicht. Wie gesagt, eine Vespa mit diesem kleinen Motor ist nicht zum Ballern da. Weil die dann anfangen, richtig Sprit zu verbrauchen und die Motoren dann anfällig werden. Mit den winzigen Zehn-Zoll-Rädchen wollen Sie auch keine 100 Sachen fahren. Das ist Schwerstarbeit. Kurven sind auch nicht ihre Stärke, dann wippt sie so nach. Deshalb fahre ich am liebsten mit 60, 70 km/ h über Landstraßen. Gerne zusammen mit meiner Frau oder meinen Kindern .

Das habe ich für sie getan:

Es handelt sich um eine Vespa von 1965 aus spanischer Produktion. Ich habe sie genau so umgerüstet, wie sie die Polizei damals eingesetzt hat. Die Lackierung ist fast identisch mit dem Grünton von früher, was intensive Recherchen gekostet hat. Vorher hat mein Freund Torsten den Roller komplett zerlegt und an zwei kleinen Stellen geschweißt. Ich habe dabei zugeschaut und gelernt. Da ist jetzt auch ein modernerer Motor mit zwölf Volt drin. Der alte hatte nur eine elektrische Spannung von sechs Volt. Das ist so, als hätten Sie keinen Scheinwerfer, sondern ein Teelicht. Die Beschriftungen und den Polizeistern klebe ich nur für Sonderfahrten oder Ausstellungen auf. Auch wenn die Polizei heute in anderen Farben unterwegs ist, dürfte ich nicht im Alltag mit Polizeischriftzug rumfahren. Auf die Idee würde ich auch nicht kommen. Aus Polizeibeständen habe ich schließlich die passende Lederkombination bekommen. Damals haben die Polizisten alles am Mann getragen, wenn sie mit der Vespa unterwegs waren: Knüppel, Pistole und Handschellen. An Maschinenpistolen oder Pfefferspray hat noch niemand gedacht.

Geschwindigkeitsanzeige der Vespa

Zum Rasen eignet sich der Motorroller nicht, eher zum gemütlichen Cruisen über Landstraßen.

Das haben wir erlebt:

Ich bin in einer Gruppe pensionierter Kollegen aktiv, die alle historische Polizeifahrzeuge haben. Wenn jemand in den Ruhestand geht, holen wir den schonmal in einem Korso vom Dienst ab. Manchmal halte ich in dem Outfit auch eine Abschiedsrede. Einmal bin ich aus einem solchen Anlass mit voller Montur zum Brühler Bildungszentrum der Polizei gefahren, wo ich lange Zeit als Ausbilder gearbeitet habe. Als ich an einer Gruppe von Auszubildenden vorbeifuhr, merkte ich, dass etwas nicht stimmte und hielt an. Die dachten alle, da ist ein Nazi in seinem Fummel unterwegs. Ich habe den jungen Auszubildenden erklärt, dass das eine offizielle Lederkombination der Polizei aus den 1950-er und 1960-er Jahren ist und dass das nichts mit dem Dritten Reich zu tun hat. Diese Kluft sieht halt ein bisschen martialisch aus mit den weiten Hosenbeinen und den hohen Stiefeln. Das weckt manchmal falsche Assoziationen, vor allem bei Jüngeren.

Das haben wir vor:

Die Vespa weiter ausstellen und zur Verabschiedung von Kollegen einsetzen. Und sobald das  Wetter schön ist, fährt meine Frau mit mir in die Stadt. Für das Geld, das ich nicht fürs Parken ausgeben muss, können wir irgendwo einen Espresso trinken gehen. Das ist nämlich auch ihre Stärke: Man kann die Vespa fast überall unkompliziert abstellen.