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Zwischen Sensationslust und sachlicher InformationSerienkiller-Ausstellung führt in menschliche Abgründe

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Das Täterprofil und die Taten von Ted Bundy sind Thema in der Ausstellung „Serienkiller – Die True Crime Ausstellung“.

Das Täterprofil und die Taten von Ted Bundy sind Thema in der Ausstellung „Serienkiller – Die True Crime Ausstellung“. 

In Ehrenfeld eröffnete am Donnerstag die Schau „Serienkiller - Die True Crime Ausstellung“.

Da steht er, die Verkörperung des Horrors: „Pogo der Clown“ in Lebensgröße. Der Weg zur Vitrine zu dem Mann im Clownskostüm führt durch den nachgebauten Kriechkeller mit Skeletten seiner Opfer. Nichts ist echt in der Ehrenfelder Ausstellungshalle in der Oskar-Jäger-Straße. Und trotzdem lauert an jeder Ecke ein neuer, schauderhafter Abgrund. Der „Killer-Clown“ John Wayne Gacy gehört zu den niederträchtigsten und heimtückischsten Serienkillern der vergangenen Jahrzehnte. Der Mann, der im selbstgenähten Kostüm Kinder bei Straßenfesten zum Lachen brachte und in der Nachbarschaft wie in der Familie als freundlicher Mann geschätzt wurde, hat in den Jahren 1972 bis 1978 über 30 junge Männer ermordet. Die meisten der Leichen verscharrte er im Keller seines Hauses in Chicago.

Wayne ist einer der Täter, mit denen sich die am Donnerstag eröffnete „True Crime“-Ausstellung „Serienkiller“ des Unternehmens „Passauer Firma Cofo-Entertainment“ befasst. Die Macher hoffen nach dem Erfolg ihrer Blockbuster-Ausstellung zur Titanic auf einen ähnlichen Publikumserfolg. Nach der Premiere in Köln soll sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz touren. Die Schau knüpft an den Erfolg der Ausstellung „Mind of a serial killer“ an, die in den USA Besuchermassen angelockt haben soll. „True Crime“ ist weltweit im Trend, die seltsame Faszination für Serienmörder scheint vor allem ein US-amerikanisches Phänomen zu sein.

Eine Figur mit dem Kostüm von John Wayne Gacy, dem Killer Clown, zu sehen in der True Crime Ausstellung in Köln-Ehrenfeld.

Die Ausstellung führt die Besucherinnen und Besucher durch ein Profiler-Büro der 90er Jahre und die Küche von Jeffrey Dahmer, der im Kühlschrank Körperteile seiner Opfer aufbewahrte. Man kann den umgebauten VW-Käfer von Ted Bundy und das als Puppenhaus nachgebaute „Todesschloss“ von Herman Webster Mudgett inspizieren. Schautafeln versuchen, Einblicke in die Psyche der Täter zu geben. Auch die vielen Opfer der Mörder werden nicht vergessen, was man manchem „True Crime“-Format mit Recht vorwerfen kann. Allerdings zeigt die Ausstellung auch, wie schmal der Grat zwischen Sensationslust und Voyeurismus einerseits und möglichst sachlicher Information und Respekt gegenüber den Leidtragenden andererseits ist.

Knastpoet täuscht intellektuelle Elite

Für die deutschsprachige Version wurde die Ausstellung um Fälle aus Deutschland und Österreich ergänzt. Die Fälle des „Kannibalen von Rotenburg“, Armin Meiwes, von Fritz Honka und Jack Unterweger sind nicht nur gut gewählt, sondern auch ausgezeichnet aufbereitet. Mit Honka geht es auf die Reeperbahn zum Lokal „Zum Goldenen Handschuh“ und durch seine Wohnung, die so gut nachgestellt wurde, dass man sich leicht vorstellen kann, wie sich die Polizisten gefühlt haben, als sie diese nach seiner Festnahme erstmals betraten.

Am Kühlschrank von Jeffrey Dahmer. Für die True Crime Ausstellung wirde die Küchenzeile des Verbrechers nachgebaut.

Der Fall des Knastpoeten Jack Unterweger offenbart, wie ein Killer seine Mitwelt täuscht und diese naiv in die gestellte Falle tappt. Nachdem der Österreicher wegen eines Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, profilierte er sich als „Knastpoet“. Autoren wie Günter Grass, Erich Fried, Ernst Jandl oder Elfriede Jelinek setzten sich erfolgreich für seine Freilassung ein. Unterweger blendete sie als geläuterter Künstler, wurde zu einem gefeierten Star der Kulturszene und zu einem charmanten Plauderer, der im weißen Anzug im Fernsehen auftrat. Nur sechs Monate nach seiner Haftentlassung begann seine Verbrechensserie mit neun weiteren Morden.

Die Ausstellungsmacher wollen nicht reißerisch sein und nicht mit der Angst spielen. Doch diesen Anspruch können sie sich nicht immer einlösen. Manche Inszenierung ist sehr drastisch. Beim Eintritt warnen Schilder davor, dass hier niemand sicher sei („No one is safe“), und ein Mann mit ganz tiefer Stimme schwadroniert von der Dunkelheit menschlicher „Seelen, die niederen Beweggründen erliegen“. Das ist genauso überflüssig wie die nervigen Sphärenklänge aus der Geisterbahn, die einen am ersten Ausstellungstag beim Rundgang permanent begleitet haben. Das Gezeigte ist gruselig genug und braucht solch Untermalung nicht.

Andererseits gelingt es den Ausstellungsmachern immer wieder, zu zeigen, dass gerade das, was die Faszination des Themas für viele ausmacht, bei genauem Hinsehen falsch ist. In Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung werden Serienmörder schnell zu einem Mythos, zu krankhaften Wesen, die nichts mit einer normalen menschlichen Lebenswelt zu tun haben. Dann werden ihre Taten zu denen eines ausschließlich von Trieben bestimmten „Unmenschen“, von denen man sich mit Begriffen wie „Bestie“, „Monster“ oder „Vampir“ zu distanzieren versucht oder die man schlicht für geisteskrank erklärt. Tatsächlich sind die meisten der Täter voll schuldfähig.

Gefangenenbefreiung mit VR-Brille

Man erfährt ebenfalls viel über die Arbeit der Ermittler, die Geschichte des Profilings und die Rezeption der Fälle. Man kann an einem Touchscreen in die Rolle eines Jurymitglieds in einem amerikanischen Gerichtsverfahren schlüpfen und bei einer technisch recht beeindruckenden Virtual-Reality-Tour bei der Befreiung von Gefangenen eines Schwerverbrechers dabei sein.

Für einen Rundgang sollte man sich mindestens anderthalb Stunden Zeit nehmen. Es gibt viel zu sehen, zu erleben und zu fotografieren. Der Versuchung, den Besucherinnen und Besuchern möglichst viele Fotomotive anzubieten, hat man nicht widerstanden. Es gibt Hintergründe, wo man sich als gesuchter Mörder ablichten oder über gefesselte Mordopfer beugen kann. Manches Motiv wird in den nächsten Wochen die Instagram-Kanäle fluten. Der Inhalt von Jeffrey Dahmers Kühlschrank ist sicherlich sehr häufig mit dabei.

„Serienkiller – True Crime Ausstellung“ ist bis 25. Oktober 2026 von Mittwoch bis Sonntag in der Oskar-Jäger-Straße 99 in Ehrenfeld zu sehen. Um hineinzukommen, muss man 16 Jahre alt sein. Der Eintritt kostet 22 Euro, ermäßigt 20 Euro, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 26 Euro, ermäßigt 24 Euro. Die Tour mit VR-Brille kostet zusätzlich 4 Euro. Es gibt ein Begleitprogramm mit Vorträgen zu verschiedenen Themen. Mehr Informationen findet man im Netz:

www.serienkiller-ausstellung.com