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Anbau der Lutherkirche soll erneuert werden

Die Lutherkirche soll umfassend umgebaut werden, das Team dahinter (v.l.): Projektentwickler Volker Langenbach, die Pfarrer Hans Mörtter und Mathias Bonhoeffer, Architekt Johannes Schilling

Die Lutherkirche soll umfassend umgebaut werden, das Team dahinter (v.l.): Projektentwickler Volker Langenbach, die Pfarrer Hans Mörtter und Mathias Bonhoeffer, Architekt Johannes Schilling

Innenstadt – Die Lutherkirche soll erneuert werden. Die beiden evangelischen Pfarrer in der Südstadt Hans Mörtter und Mathias Bonhoeffer stellten vor Kurzem einen Architektenentwurf vor für ein neues Gebäude am Martin-Luther-Platz. Der markante Turm am Ende der Merowinger Straße und die Kirche selbst sollen bleiben. Das Gebäude, in dem bislang Gemeinderäume, Büros und die Wohnung von Pfarrer Mörtter untergebracht sind, soll ersetzt werden. Laut Bonhoeffer, der in der Kartäuserkirche predigt und dem Presbyterium der evangelischen Gemeinde vorsteht, sei das vorerst „die letzte Kirche“, die erneuert werden soll. Sein Gremium fasst den Baubeschluss. Für die notwendige Finanzierung müssen der Kirchenkreis und die Landeskirche ihre Zustimmung geben.

Nach den Umbauten der Antoniterkirche und der Christuskirche plant die Gemeinde, die stadtweit organisiert ist, nun eine größere Investition für die Lutherkirche. Das Gebäude für den Kirchenbezirk mit rund 3000 Mitgliedern soll abgerissen und ersetzt werden. Es sei wirtschaftlich nicht zu sanieren, heißt es. Der Neubau soll viele Abläufe in der Kirche erleichtern. „Wir räumen ständig rein und raus“, beschreibt Pfarrer Hans Mörtter die aktuellen Umstände.

„Wir haben einen schönen, großen Aufzug eingeplant“, sagt Johannes Schilling. Der Entwurf, den eine Jury ausgewählt hat, stammt von seinem Büro und stieß auf einhellige Zustimmung. Schilling und sein Team erhalten die Vertrautheit des Innenhofes, fügen aber Verbindungen zur Umgebung hinzu. Auf der Seite des Martin-Luther-Platzes, der bislang als Parkplatz genutzt wird, sehen sie Sitzplätze für ein Café vor, das zugleich vom Gebäude her zugänglich sein soll. Zur Volksgartenstraße bildet ein Foyer mit großen Scheiben, die aufgeschoben werden können, einen fließenden Übergang. Der Bürgersteig davor soll breiter werden. Die übrigen Gebäudeteile sind drei- bis fünfstöckig um den Hof angeordnet.

„Wir wollten die wesentlichen Potenziale der Kirche stärken“, sagte Johannes Schilling bei der Vorstellung des Entwurfs. Er nannte die „offene Atmosphäre“ der Kirche, die Funktion als Kulturzentrum und die Vielfalt der Nutzungen. Die Gemeinde rechnet zunächst mit Baukosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Angesichts des frühen Stadiums der Pläne sei das aber ein vorläufiger Wert. Anders als bei der Antoniterkirche und der Christuskirche können keine brach liegenden Flächen einbezogen werden, um die Finanzierung zu erleichtern, erläuterte Bonhoeffer. „Es war immer klar, dass wir auf Spenden angewiesen sein werden“, sagte er. Pfarrer Mörtter hofft auf die Bereitschaft der Stadtgesellschaft, sich zu beteiligen. Mörtter betont, dass das für die Anforderungen an die Architekten keine Rolle gespielt habe. Acht Wohnungen hat Architekt Schilling eingeplant, und damit weniger Mieteinnahmen angepeilt als seine Mitbewerber. „Wir haben uns für den Entwurf entschieden, der am wenigsten rentabel war“, sagte Mörtter, „der dafür aber am besten zu uns passt.“

Der Neubau wird auch die Umgebung verändern. Im Entwurf erscheint der Platz auf der Ostseite der Kirche als weitläufiger Freiraum. Der Parkplatz ist größtenteils im städtischen Eigentum und müsste aufgegeben werden. Auch der Bürgersteig an der Volksgartenstraße, in Schillings Entwurf einladend breit, müsste durch den Verzicht auf einige Parktaschen ermöglicht werden. „Politik und Verwaltung müssen da früh genug mitplanen“, sagt Bezirksbürgermeister Andreas Hupke im Gespräch mit dieser Zeitung. Er kann sich vorstellen, dass die Bezirksvertretung Geld aus dem Stadtverschönerungsprogramm für den Platz zur Verfügung stellt. „Wir brauchen viel mehr öffentlichen Raum“, sagt der Grünenpolitiker. Ihn freue es besonders, dass im Entwurf, den er als Jurymitglied mitausgewählt hat, alle Bäume erhalten blieben. Er glaubt, dass das erneuerte Ensemble eine „neue Perle in der Südstadt“ werden könne.

Fest steht, dass Hans Mörtter dort nicht mehr beruflich wirken wird. Der streitbare Pfarrer, der weit über die Südstadt hinaus bekannt ist, geht im Mai 2021 in den Ruhestand. Er ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass er sich auch weiter engagieren werde.

Pfarrer Hans Mörtter

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