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Ausstellung in Köln
Grausamen Bilder des syrischen Künstlers Azad Hemee

Lesezeit 4 Minuten
Ausstellung Azad Hemee

Hahnenkämpfe sind immer wieder in den Werken des syrischen Künstlers Azad Hemee zu finden

Ehrenfeld – Ein einziges Bildmotiv bestimmt die aktuelle Ausstellung im Kunstraum Ba Cologne, das des Hahnenkampfes. Das mag für die meisten Menschen im westlichen Kulturkreis ein befremdliches Thema sein. Für den in einem kleinen Dorf aufgewachsenen Syrer Azad Hemee (geboren 1979) ist es ein selbstverständliches Phänomen, das in der Kultur seiner kurdischen Herkunft von traditioneller Bedeutung ist. Federpracht, Männerritual, spielerisches Vergnügen, grausame Realität und Symbolik kommen in seinen expressiven Gemälden zusammen und treten eindringlich vor Augen. Mit bezaubernden Farben entfalten sie alles, was die expressive Malerei so lebendig, so aufwühlend, so zwingend macht.

Meisterlich bringt der Künstler, der seine handwerklichen Grundlagen im Studium an der Akademie in Damaskus erlernte, die Farben auf Leinwand und Papier. Und dabei ähnlich unruhig und aufgeregt, voller Dynamik und Gewalt, so wie Hähne im Kampfgeschehen aufeinander losgehen. Der Farbauftrag wird unterstützt von schwungvollen schwarzen Ölkreide-Strichen, welche die Konturen flüchtiger Bewegungsgestalten akzentuieren. Hemee erweist sich in seinen Bildern als genauer Kenner der tierischen Anatomie. Und er erfasst sie in ihren schwierigsten Situationen, wenn sie sich nahezu explosivartig in Zehntelsekundenschnelle ihren Ausdruck verwandelt. Er hat sein Motiv über viele Jahre ebenso geduldig wie beharrlich in tausenden zeichnerischen Studien erforscht und verinnerlicht.

Talent bereits als Kind vorhanden

Bereits sein erster Lehrer in der Schule hatte Hemees besonderes Talent erkannt. Er gab allen Kindern die gleiche Aufgabe, das Malen eines Apfels. Und das Bild des fünfjährigen Azads unterschied sich von denen aller anderen Mitschüler nicht nur in Detailgenauigkeit und Plastizität, sondern auch in seiner Originalität. So wurden auch seine Gemälde von Hahnenkämpfen gleich in ihrer ersten Ausstellung als etwas ganz besonderes erkannt.

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Fast über Nacht wurde der Künstler zu einem Star in der syrischen Kunstszene und im anderen Ländern des arabischen Raums. Allerdings waren die Werke in Syrien nicht allen so inhaltlich unverfänglich wie es hiesigen Betrachter-Augen erscheinen mag. So wurde etwa der eine Hahn mit dem blauen Federkleid mit den Regime, der andere als Geschöpf des Widerstands und der Freiheit interpretiert. Hemee kam in Konflikt mit den Behörden, eine Verhaftung drohte, was ihn veranlasste, aus Syrien zu fliehen.

Hähne im Kampfgeschehen

Azad Hemee malt ausschließlich Hähne im Kampfgeschehen, andere Bildmotive und Themen interessieren ihn nicht. „Es geht um Konfrontation. Es gibt nicht gut und böse, sondern den Konflikt und die permanente Konfrontation“, erklärt er. In der Tat lassen sich die Bilder ganz unterschiedlich interpretieren. Man kann sie vermenschlichen, und in einer Blutlache an der Erde den Menschen als Opfer ausmachen. Man kann sie auch biologisieren, eine anschauliche Demonstration der Verhaltensforschung darin erkennen.

Mit dem Hahnenkampf bringt Hemee ein existentielles Grundmotiv in den Blick, in dem das ganze Drama des Daseins zum Ausdruck kommt. Das Leben als Kampf, und das Prinzip der männlichen Gewalt. Es geht um Stärke und Schwäche, Macht und Unterwerfung, Leben und Tod. Das ist, gleichgültig ob bei Hähnen, anderen Tieren oder Menschen, eine äußerst grausame Angelegenheit, bei der Federn gelassen werden und Blut spritzt.

Alle Aspekte vereint

Hemee zeigt alle Aspekte, die Drohgebärden, das brutale Schlagen mit Schnabel und Krallen, das Ineinander-Verkeilt-Sein der kämpfenden Körper, die Dynamik der Kraft im Moment des Angriffs, den Taumel in der Abwehr, die Panik im Geflatter, die Nähe zum Staub der Erde. Während sie etwas zeigen, das keineswegs schön ist, sind diese Gemälde schön. Sie verführen, obwohl sie unangenehme Gefühle erzeugen. Sie verwickeln, obwohl man gegen soviel Grausamkeit ist. Und sie ziehen in den Bann, indem man dem Geschehen schonungslos zwiespältig gegenüber steht. Alles, was bei der Betrachtung dieser Bilder an Gefühlen und Gedanken aufkommt, kennzeichnet auch den Hahnenkampf, dem erregte Männer in begeisterter Neugier zuschauen.

Man kann es auch anders sagen: Warum weiter Hahnenkämpfe schauen, wenn uns auch Gemälde wie diese eine Ahnung von der Explosivität und Grausamkeit der (männlichen) Lebenskräfte geben können? Obwohl die Gewalt in seinem Heimatland den Künstler und seine Familie hart getroffen haben, will Hemee seine Malereien keineswegs als Ausdruck von Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit verstanden wissen. Er will sogar schnellstmöglich zurück nach Syrien. Zur Zeit lebt er allerdings mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Darmstadt, betätigt sich mit Kunstprojekten in Kindergärten, und malt in seinem kleinen Atelier weiter Hahnenkämpfe, um sich die schonungslose Gewalt zu erklären, die letztlich nicht zu erklären ist.

Kunstraum Ba Cologne, Neptunplatz 7; Di,Do,So 14-18 Uhr, bis 17. März