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Bananenkünstler„Das ganze Leben ist Kunst“

3 min

Bananen-Künstler Thomas Baumgärtel

Wer seinen Namen hört, kommt nicht umhin, auch an sie zu denken: Die Banane. Untrennbar ist Thomas Baumgärtel mit der gekrümmten Frucht verbunden. Ob tausendfach an Fassaden von Kultureinrichtungen weltweit gesprüht, ob als riesige Skulptur vor dem Hauptportal des Kölner Doms, ob auf Kleidungsstücken, an Autos oder als Bestandteil von zig seiner Gemälde: Die Banane zieht sich durch Baumgärtels halbes Leben. Mittlerweile 27 Jahre lang. Künstlerische Obsession? Oder Kunstrebellion?

Für den Stadtbummler, der auf die Sprühbanane trifft, ist sie ein Zeichen. Ein Wegweiser gewissermaßen, der sagt: Folge mir und du wirst Kunst finden. Dann geleitet sie ihn etwa ins Guggenheim in Venedig oder ins Moma in New York. Für Baumgärtel, der neben Kunst auch Psychologie studiert hat, ist sie eine andere Form des Rorschach-Tests. Nur lotet der nicht die Wirkung von Farbklecksen auf den Betrachter aus, sondern eben die Wirkung seiner Banane. Und wie die ausfallen kann, erlebte schon der Zivi Thomas Baumgärtel – in einer chirurgischen Männerstation eines katholischen Krankenhauses. Jesus fiel von einem der vielen Kruzifixe, die über den Betten hingen. Das Holzkreuz war kahl, die Nägel schauten heraus. Eine Einladung für den Zivildienstleistenden, seine Frühstücksbanane an das Kreuz zu hängen. Die Reaktion der Schwestern kann man sich vorstellen – die erste Wirkung war erzielt. Interessant genug, um bei dem Motiv der Banane zu bleiben.

Zunächst blieben die Reaktionen auf seine Frucht vergleichbar, auch bei seiner ersten Verhaftung wegen einer Sprühbanane am Museum Ludwig in Köln. Das war 1986, in Zeiten von RAF, Schleyer-Entführung und Terrorismus, als er die Hände auf das Autodach der Polizei legen musste. Und es brauchte einige Jahre, bis sich die Wirkung wandelte. Zumindest bei vielen wird die Banane heutzutage als eine Art Michelin-Stern gesehen, als Auszeichnung für Kunsthäuser. Selbst das Museum Ludwig bat Thomas Baumgärtel Jahre später, nochmals eine Banane an seine Hauswand zu sprühen.

Das ganze Leben ist Kunst, schrieb der Wahlkölner in den 1980ern an Hauswände – anstelle des Wortes „Kunst“ seine gesprühte Banane. Diese Definition von Kunst vertritt er auch beim Thema Graffiti. Für ihn muss Kunst frei sein, denn das Leben spielt eben nicht nur in Galerien und Museen. Die Banane ist dabei Mittel zum Zweck. Die Wirkung, die sie erzielt, die Gefühle, die sie beim Betrachter hervor ruft, sagt viel darüber aus, wie mit Kunst umgegangen wird. Thomas Baumgärtel selbst würde sich in einer Stadt, die nur aus kahlen Wänden, aus Geranien und Efeu an den Fassaden bestünde, unwohl fühlen. Stadt und Graffiti gehören für ihn zusammen.