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„Alkoholverbot ist Bullshit“
Das sagen Anwohner, Wirte und Gäste über den Brüsseler Platz

4 min
Die Freunde Yannick Schlomann (38) (links im Bild) und Danny Leicher (32, Anwohner) treffen sich seit 14 Jahren auf dem Brüsseler Platz

Die Freunde Yannick Schlomann (38) (links im Bild) und Danny Leicher (32, Anwohner) treffen sich seit 14 Jahren auf dem Brüsseler Platz

Am Brüsseler Platz arbeiten und leben viele Menschen. Wir haben mit einigen von ihnen über das Alkoholverbot und die Geschichte des Platzes gesprochen. 

„Haben hier unsere Freunde kennengelernt. Er ist ein Platz zum Begegnen.“

Danny Leicher, wie ist es, sich Brüsseler Platz zu treffen?

Die Großstadt lebt, deshalb bin ich mit 18 schon vom Dorf weggezogen. Als ich nach Köln kam vor 14 Jahren, hat sich alles hier getroffen. Ich habe den Brüsseler noch als Festivalgelände erlebt. Das Alkoholverbot ist Bullshit. Stell dir mal vor, du würdest in Spanien das Ausgehen verbieten. Leute mit Boxen und Techno müssen nicht sein, aber so laut ist es gar nicht mehr.

Was braucht der Platz noch?

Hier treffen sich zu viele nur zum Saufen, man könnte ein kulturelles Angebot machen, vielleicht mit der Kirche zusammen: Ein Musikprogramm, dazu Tische, an denen man gemeinsam grillt. Kleine Events in Absprache mit allen.

„Der Brüsseler Platz ist unser Zuhause“

Dieter Reichenbach und seine Frau.

Dieter Reichenbach, 83 Jahre alt, wohnt mit seiner Frau direkt am Platz und hat 2015 die Stadt Köln verklagt.

Wie ist es, am Brüsseler Platz zu wohnen?

Hier fühlen wir uns wohl. Wir können alles fußläufig erreichen und leben in der Mitte der Stadt. Wir wohnen hier seit 1978, die Wohnung ist Teil unserer Altersvorsorge. Aber mit dem Kirchentag fing es an, wurde immer lauter und es kam zu Auseinandersetzungen mit der Stadt Köln. Sie hat viel versucht, was vergebens war. Wir haben schließlich geklagt und in allen Instanzen gewonnen. Infolge dessen hat die Stadt ein Alkoholverbot auf dem Platz erlassen, das nach unserer Auffassung nach erfolgreich war: Es macht den Platz für viele unattraktiv.

Was braucht der Platz noch?

Eine Verständigung zwischen den aus unserer Sicht uneinsichtigen Wirten und den Anwohnern, dass man vielleicht das Geschäftsmodell der Gastronomie zeitlich vorverlegt und um 22 Uhr beendet, wie die Bar Rosa das jetzt angefangen hat.

„Es war mal sehr aufregend und turbulent“

10.06.2026 Köln. Christian Becker ist Betreiber des Restaurants „Tante Kurt“ am Brüsseler Platz. Foto: Alexander Schwaiger

Christian Becker, 59 Jahre alt, ist Betreiber des Restaurants „Tante Kurt“ am Brüsseler Platz.

Warum sind Sie an den Brüsseler Platz gekommen?

Das Lokal wurde uns zu Corona-Zeiten angeboten. Es war November, trostlos. Wir hatten die Vision von einem vollen Biergarten. Wir hatten einfach Bock, auf einem der schönsten Plätze in Köln einen Biergarten zu haben. Wir wollten Teil dieser Innenstadt sein.

Wie ist es, dort zu arbeiten?

Es war mal sehr aufregend, erfolgreich und turbulent am Brüsseler Platz: Bis zu dem Moment, an dem wir nur bis 22 Uhr die Außenterrasse öffnen dürfen. Das stellt uns vor große Probleme. Wir sind nur Gastronomen, die Essen und Getränke verkaufen und im Sommer Geld für den wirtschaftlich schwachen Winter verdienen wollen. Zur Zeit sieht man, wie die Leute Richtung Kreisverkehr an der Brüsseler Straße den Sommer bei einer Flasche Wein genießen. Und wir dürfen es halt nicht, sondern müssen stattdessen um 21.30 Uhr die letzte Runde einläuten. An heißen Tagen kommen die Gäste um 20 Uhr zum Essen, eine gute Stunde später müssen wir schon abkassieren.

Was braucht der Brüsseler Platz?

Menschen, die in der Lage sind, alle zusammenzuführen und das Ganze in eine positive Zukunft zu bringen, ohne dass sich jemand verletzt oder benachteiligt fühlt. Einen Mediator oder eine Mediatorin an einem runden Tisch, an dem alle teilnehmen. Kläger, Gastronomen, Anwohner. Eine Lösung in einer zerfahrenen Angelegenheit.

Brüsseler Platz in Köln: „Ungerechte Behandlung der Gastronomen“

28.05.2026, Köln: Bar Rosa am Brüsseler nach wochenlanger Umbauphase mit neuem Konzept, neuem Logo. Unternehmer Wilke Stromann war vorher stiller Teilhaber und hat den Laden nun komplett übernommen Foto: Arton Krasniqi

Wilke Stroman, 46 Jahre alt, ist nun Geschäftsführer der Bar Rosa am Brüsseler Platz. Er lebt und arbeitet mit kurzen Unterbrechungen seit gut 20 Jahren im Belgischen Viertel.

Warum sind Sie an den Brüsseler Platz gekommen?

Als ich vor 25 Jahren nach Köln gekommen bin, war die Brüsseler Straße zufällig meine erste Wohnadresse. Ich habe mit kurzen Unterbrechungen seitdem im Belgischen Viertel gelebt. Als sich die Option bot, das alte Brüsseler und das jetzige Rosa an der symbolträchtigen Hausnummer 1 zu übernehmen, habe ich nicht lange überlegen müssen. Gastronomie hat mich schon immer gereizt.

Wie ist es, dort zu arbeiten?

Wie andere Teile der Innenstadt schläft der Brüsseler Platz länger. Es geht gegen 9 oder 10 Uhr recht ruhig los. Das Miteinander am Platz ist schön: Da ist der AWB-Mitarbeiter, der Kurier-Fahrer, Menschen in ihren kreativen Berufen und Gäste aus anderen Veedeln oder dem Ausland. Unter Anwohnern kennt man sich, man grüßt sich. Ich finde die Klientel am Brüsseler unfassbar sympathisch: bodenständig und international.

Was braucht es am Brüsseler Platz?

Eine faire und gerechte Behandlung von Gastronomen am Ort. Ich empfinde es als sehr ungerecht, dass die Probleme rundum den Lärm einseitig auf die Gastronomie abgewälzt werden. Es braucht einen Dialog zwischen Stadt, Ordnungsbehörde, Anwohnern und Wirten. Wir brauchen also die Bereitschaft, die Versäumnisse der Vergangenheit hinter sich zu lassen und eine Lösung zu finden, die zum urbanen Kontext passt: eine konsequente Umsetzung der Nachtruhe ab 24 Uhr.


Unsere neue Serie „Kölner Plätze“ rückt einmal im Monat einen Ort in Köln in den Fokus. Dieser Beitrag ist Teil der zweiten Folge zum Brüsseler Platz.

Reden auch Sie mit uns über den Brüsseler Platz: Wie erleben Sie ihn? Was hält Sie hier? Was fehlt? Ergänzen Sie die Aufgabenliste! Vielleicht haben Sie eine besondere Geschichte zu erzählen, die Sie mit dem Brüsseler Platz verbindet. Oder haben Sie besonders schöne, auch bezeichnende oder historische Fotos des Platzes? Dann senden Sie eine Mail an ksta-koeln@kstamedien.de.