Hebammen-AmbulanzPilotprojekt in Köln-Chorweiler hilft schwangeren Frauen

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Eine Hebamme untersucht eine Schwangere.

Eine Hebamme hört die Herztöne eines Babys einer schwangeren Frau ab.

In Chorweiler gibt es eine „Hebammen-Ambulanz“, die schwangeren Frauen kostenlos zur Verfügung steht. Doch die Finanzierung des Projekts ist nicht gesichert. 

Werdenden Müttern steht die Unterstützung einer Hebamme zu, das ist gesetzlich verbrieft. Doch immer weniger nehmen diese auch in Anspruch — nicht zuletzt deswegen, weil sie angesichts eines Mangels an Hebammen keine finden, die in ihrer Nähe tätig ist. Das ist auch in Chorweiler nicht anders. Hier gibt es jedoch seit gut drei Monaten die „Hebammen-Ambulanz“: Jeden Dienstag zwischen 11 und 14 Uhr bieten in der Florenzer Straße 84 fünf Hebammen im Wechsel eine Sprechstunde an.

Die Beratung ist für die Frauen kostenlos und ohne Anmeldung möglich – mitzubringen sind lediglich Gesundheitskarte und Mutterpass. Die Hebammen-Ambulanz ist ein auf zunächst sechs Monate befristeter Pilotversuch, angestoßen von dem Verein Kindernöte, der im Bezirk Chorweiler verschiedene Beratungs- und Betreuungsangebote für Kinder und deren Eltern unterhält. „Unsere Familienhebamme Claudia Mehlmann hatte die Erfahrung gemacht, dass hier sehr viele Schwangere keine Hebammen-Begleitung haben“, sagte Ingrid Hack, Geschäftsführerin von Kindernöte.

„Daraus ist letztlich die Idee entstanden, ein ambulantes Angebot auf die Beine zu stellen.“ Mehlmann griff daraufhin auf ihr Netzwerk zurück, um hilfswillige Kolleginnen von der Idee zu überzeugen, ein bewilligter Antrag auf bezirkliche Mittel an die Bezirksvertretung Chorweiler sowie eine Spende einer Drogerie-Kette sorgten für die Finanzierung. Anja Bedacht ist eine der fünf ambulant tätigen Hebammen. Eigentlich ist sie im Raum Jülich tätig, nimmt die regelmäßige Fahrt nach Köln jedoch gerne auf sich.

Hebammen-Ambulanz in Köln-Chorweiler noch bis September

„In Chorweiler ist es ganz oft so, dass sich die jungen Familien gar nicht trauen, jemanden anzurufen und sich um Unterstützung zu bemühen“, sagt sie, „darum ist es mir wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein, denn diese Erfahrung machen sie oft nicht.“ In der Ambulanz ginge es oft um andere Probleme, als bei ihren gewöhnlichen Hausbesuchen. „Da fragen die Frauen nach den Inhaltsstoffen in einem Sauger, hier geht es eher darum, wo man preiswerte Babynahrung oder gute Bekleidung herbekommt, oder was der Kinderarzt da in den Mutterpass eingetragen hat“, sagt Bedacht.

Oft gebe es Sprachbarrieren, die seien jedoch mit Online-Übersetzungshilfen gut zu überbrücken. „Im Grunde aber beschäftigen die Frauen hier die gleichen Fragen wie alle Mütter: Sind meine Beschwerden normal? Mache ich das gut?“, so Bedacht. Noch bis September ist die Finanzierung der Hebammen-Ambulanz gesichert. „Nach den Sommerferien werden wir uns zusammensetzen und schauen, wie es weitergehen kann. Vielleicht etwa durch eine erneute Förderung der Bezirksvertretung“, sagt Hack. Hebamme Anja Bedacht jedenfalls ist ohne weiteres bereit, ihr Engagement fortzuführen, obwohl sie das natürlich eine Menge freie Zeit kostet: „Das ist eine sehr sinnvolle Einrichtung, denn auch die Frauen hier haben einen gesetzlichen Anspruch.“

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