Tanush ist erst neun Jahre alt und schafft die Strecke in unter vier Minuten. Auch erfahrene Treppenläufer kommen ins Schwitzen.
Kölner Treppenlauf373 Stufen bis zum Glücksgefühl beim Hochhausmarathon in Chorweiler

Beim Hochhausmarathon laufen die Teilnehmer die Treppen im 373-Stufen-Haus in Chorweiler hinauf.
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Normalerweise nimmt Tanush den Aufzug für den Weg rauf in seine Wohnung im sechsten Stock. Am Wochenende schaffte er es ganz gut zu Fuß und sogar noch viel weiter. Nur 3,48 Minuten brauchte der Neunjährige, um die 23 Stockwerke bis zur Spitze seines Hochhauses an der Florenzer Straße 32 zu überwinden.
Wenn der Sportverein DJK Wiking Köln 1965 und das Wohnungsunternehmen Sahle Wohnen alle zwei Jahre zum „Hochhausmarathon“ nach Chorweiler laden, heißt es, jeden Gedanken an den Aufzug zu verdrängen. Erst wer die 373 Stufen so schnell wie möglich hochgerannt ist, darf den Lift abwärts nehmen und vielleicht auf einen Pokal hoffen.
Vorbereitung für die Feuerwehr
„Wenn man oben angekommen ist, ist das ein Glücksgefühl“, sagt Niklas Lomberg. Der 30-Jährige ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Marienheide und geht in voller Arbeitskleidung an den Start. Inklusive Atemschutzgerät bedeutet das 25 Kilogramm zusätzlich. Allein die Arbeitsschuhe mit Stahlkappe wiegen zwei bis drei Kilo. Für Lomberg und seinen Kollegen Andreas Endres ist der Hochhausmarathon eine gute Vorbereitung für das anstrengende Ehrenamt. „Wir haben die Gewissheit, dass wir im Einsatzfall auch oben ankommen“, so Endres. Wobei das höchste Gebäude in Marienheide gar nicht so viel Training erfordert: Es ist gerademal acht Etagen hoch.

Feuerwehrleute ersteigen die Treppen in voller Montur mit Atemschutzgeräten.
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Mehr als 100 Teilnehmer zwischen sieben und 78 Jahren gingen in diesem Jahr an den Start, überwiegend einzeln mit 45-sekündigem Abstand. Den Anfang machten die Kinder und Jugendlichen, allen voran die zwölfjährige Victoria, die sogar trotz Knieverletzung mitmachte. „Nicht aufgeben und an sich glauben“, sei ihr Motto. Nach dem Countdown brauchte sie keine viereinhalb Minuten bis zum Ziel. „Es ist gut gelaufen, aber mein Knie hat ein bisschen wehgetan“, sagt sie nach getaner Arbeit. Zur Entschädigung gibt es einen weiten Ausblick über das Rheinland und Wasser aus der Flasche.
Bundesweit mehr als 30 Treppenläufe
Zu den ältesten Läufern gehört Peter Ninas aus Berlin. Der 70-Jährige hat allein 14 Mal beim „SkyRun MesseTurm Frankfurt“ teilgenommen. Die 1200 Stufen und 213 Höhenmeter schaffe er in 13 Minuten, sagt der Hobbyläufer. Aber er frage sich immer wieder, wenn er atemlos am Ziel ankomme: „Warum tust du dir das an?“ Treppenlaufen sei anstrengend, aber es stelle sich regelmäßig ein Gefühl der Zufriedenheit ein, wenn man es geschafft habe.
Peter Ninas gehört dem Kölner Verein „Towerrunning Germany“ an. Die Szene wachse, sagt dessen Präsident Görge Heimann. In Deutschland gebe es mehr als 30 Treppenläufe, weltweit mehr als 1000. Ziel sei es, sich „so kaputt zu machen wie möglich“: „Das ist wie einen Berg zu erklimmen auf Zeit.“ Die Hürden bei diesem Sport seien gering: „Man muss nicht total trainiert sein und Hochlaufen kann jeder.“ Die Knie profitierten von den Bewegungsabläufen, werde doch die Ober- und Unterschenkelmuskulatur trainiert. Weniger gesund für die Gelenke ist hingegen das Herunterlaufen.
Beim Hochhausmarathon in Chorweiler geht es auch darum, das nachbarschaftliche Miteinander zu fördern. Deshalb hatten die Veranstalter viele Spiele und Mitmachaktionen organisiert. Gabriel Hacker aus Heimersdorf feierte mit Freunden seinen neunten Geburtstag an der Florenzer Straße – aber nicht, ohne vorher die 373 Stufen gelaufen zu sein.
