Das Land NRW will die medizinische Versorgung langfristig sicherstellen. Eines von zwei landesweiten Pilotprojekten ist in Chorweiler und Nippes angesiedelt.
PilotprojektChorweiler und Nippes werden zur „Gesundheitsregion“

In der Lyoner Passage sind die Kümmerei und ein Pflegezentrum zu finden - für Chorweiler eine ungewöhnlich hohe Dichte an medizinischen Einrichtungen.
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Je weiter man in Köln nach Norden kommt, desto karger wird die Infrastruktur an medizinischen Einrichtungen, dieser Eindruck hat sich jenseits der Militärringstraße festgesetzt – tatsächlich ist Chorweiler der einzige Kölner Bezirk, der ohne ein eigenes Krankenhaus auskommen muss, das im angrenzenden Longerich, und damit im Bezirk Nippes, gelegene Heilig-Geist-Krankenhaus muss den Nachbarbezirk mitversorgen. Nun jedoch gehen die beiden nördlichen Bezirke in Sachen Gesundheit einmal vorneweg, denn hier baut die Stadt Köln die „Gesundheitsregion Köln-Nord“ auf – eines von landesweit zwei Pilotprojekten, das bei Erfolg nicht nur in den übrigen Stadtbezirken Schule machen soll. Für den Aufbau der Gesundheitsregion erhält die Stadt Köln vom Land Nordrhein-Westfalen über die kommenden drei Jahre eine Fördersumme von insgesamt 737.000 Euro.
Land Nordrhein-Westfalen will ambulante Versorgung sicherstellen
Gesundheitsregionen sind von der NRW-Landesregierung als Instrument gedacht, um auch zukünftig flächendeckend eine ambulante Versorgung gewährleisten zu können. Ziel dabei ist es, die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen und Sektoren zu stärken und den Zugang zu gesundheitlichen Einrichtungen möglichst niedrigschwellig zu ermöglichen, etwa auch durch die Anbindung an soziale oder kommunale Einrichtungen. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt in Chorweiler bereits seit einigen Jahren „Die Kümmerei“: die gemeinsame Einrichtung der AOK Rheinland/Hamburg und der Kölner Herz Netz Center GmbH vereint medizinische und soziale Beratungsangebote unter einem Dach. Beide Unternehmen sind auch Partner der Stadt Köln beim Aufbau der Gesundheitsregion, ebenso wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein, der Landschaftsverband Rheinland und die Liga der Wohlfahrtsverbände Köln.
Damit das Angebot auch die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen vor Ort abdeckt, gibt es die sogenannten Gesundheitsräte: Gremien, die sich aus jeweils 30 zufällig, aber repräsentativ ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern zusammensetzen, die in der Diskussion die Stärken und Schwächen der Strukturen in ihren jeweiligen Stadtteilen herausarbeiten und so Mängel und Handlungsbedarf identifizieren sollen. Für Nippes und Chorweiler wurde zu Beginn des Jahres jeweils ein eigener Gesundheitsrat eingerichtet, tagen sollen diese zweimal im Jahr. Nach den Räten soll in diesem Jahr zusätzlich ein Gesundheitsforum hinzukommen, in dem Mitglieder der Gesundheitsräte mit Sachverständigen aus dem Gesundheitsbereich zusammenkommen sollen, um Lösungsansätze zu entwickeln.
Die nach wie vor angespannte Haushaltslage der Stadt Köln sorgt jedoch auch hier für einen Wermutstropfen, denn anders als geplant, konnte das für das Projekt notwendige Personal nicht beim Gesundheitsamt eingestellt werden. Dies übernahm schließlich die gemeinnützige iEvF GmbH, die an das Herznetz Center angeschlossen ist.
