Anstatt die neuen Straßen nach Feldpflanzen zu benennen, könnten verdiente Persönlichkeiten geehrt werden, finden Roggendorfer Bürger.
Widerspruch gegen PolitikAnwohner im Kölner Norden wollen Straße nach diesem beliebten Bürger benennen

Hier entsteht das neue Quartier von Roggendorf/Thenhoven, die Straßennamen werden kontrovers diskutiert.
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Das Neubaugebiet südlich der Baptiststraße in Roggendorf-Thenhoven nimmt zunehmend Gestalt an. Hier entstehen fast 100 Einfamilienhäuser in Form von Reihen- und Doppelhäusern, außerdem weitere 267 Wohneinheiten in mehreren Geschossbauten.
Wie die Straßen des neuen Wohnquartiers heißen sollen, steht bereits seit dem vergangenen Herbst fest: In ihrer Sitzung im September 2025 war die Bezirksvertretung Chorweiler weitgehend den Vorschlägen der Verwaltung gefolgt, sich an der unmittelbaren Umgebung zu orientieren und die Straßen und Wege nach geographischen Landmarken wie dem Pletschbach und der in der Umgebung heimischen Vegetation zu benennen – so sollen dort künftig etwa der „Felsenbirnenweg“, der „Wasserschneeballweg“ oder auch die Straße „An der Pletschbachhecke“ zu finden sein.
Straße soll nach Chorleiter Willy Förster benannt worden
Unter den alteingesessenen Anwohnern jedoch gibt es Stimmen, die mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind. Hier werde „eine gute Gelegenheit versäumt, anhand von Straßennamen auf wichtiges bürgerschaftliches Engagement in der neueren Geschichte hinzuweisen und dieses im Nachhinein zu würdigen“, schreibt etwa Ingrid Scheller in einem Leserbrief an die Redaktion. Sie hat auch einen konkreten Vorschlag für einen Namenspatron: den 1998 verstorbenen Willy Förster, der über 45 Jahre als Organist, Chor- und Orchesterleiter in Roggendorf-Thenhoven gewirkt habe.
Förster habe gerade in der „schwierigen Zeit nach dem letzten Weltkrieg“ zum engen Zusammenhalt als Basis für einen Neubeginn beigetragen, schreibt Scheller. Der 1909 in Würselen geborene Förster war 1929 in Roggendorf/Thenhoven sesshaft geworden, nachdem er die Anstellung als kirchlicher Organist und Chorleiter an St. Johann-Baptist gefunden hatte. Ursprünglich sollte dies nur eine Übergangslösung sein, doch letztlich übte Förster diese Tätigkeit über 45 Jahre lang aus und entwickelte sich dadurch zu einer zentralen Figur für das kulturelle Leben der ländlichen Gemeinde.
So leitete er nicht nur Konzerte und Aufführungen, sondern gründete auch selbst verschiedene Chöre, um etwa Jugendliche für die Musik zu begeistern. Nach dem Brandanschlag auf die Volksschule in Weiler/Volkhoven 1964 hatte Förster etwa zusammen mit 60 Sängern ein Benefizkonzert mit dem Ford-Sinfonieorchester und zwei Männerchören aus Longerich und Volkhoven für die Opfer organisiert.
Der Gedanke, die Benennung der neuen Straßen noch einmal aufzurollen, findet in Roggendorf/Thenhoven zunehmend Unterstützung – auch der Bürgerverein hatte sich auf seiner Jahresversammlung dafür ausgesprochen. Scheller hat derweil bereits zahlreiche Unterschriften für eine neue Benennung gesammelt, um eine Bürgereingabe zu unterfüttern, die in der Bezirksvertretung verhandelt werden soll. In einer der kommenden Sitzungen des Gremiums könnte die Benennung also noch einmal Thema werden.
