Was wird aus der Simultanhalle?Das Modell des Museum Ludwig steht seit Jahren leer

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Lisa Oord und Kriz Olbricht vom Förderverein der Simultanhalle setzen sich für den Erhalt des Gebäudes ein. 

Volkhoven/Weiler – Die Silhouette des Museums Ludwig mit seinem wellenförmigem Dach – der Fachausdruck lautet Sheddach oder Sägezahndach – ist zwar nicht ganz so weltbekannt wie die des benachbarten Doms, doch für das Kölner Stadtzentrum mindestens so charakteristisch. Weniger bekannt ist, dass diese Silhouette auch im beschaulichen Volkhoven/Weiler am nördlichen Stadtrand zu sehen ist: Hier steht seit 1979 die Simultanhalle, die als Architekturmodell für den Museumsbau errichtet wurde – und zwar im Maßstab 1:1. „Üblicherweise werden solche Modelle nur im Maßstab 1:200 erstellt“, sagt Lisa Oord, „Aber damals war man sich nicht sicher, ob die Lichtverhältnisse im Museum so sein würden, wie vom Architekten beabsichtigt. Darum hat man sich entschieden, es erst einmal anhand dieses Modells zu erproben. Im Rheinischen Bildarchiv existieren noch Bilder von den ersten Probehängungen.“

Ausstellungsort für Künstler 

Ursprünglich sollte das Gebäude wieder abgerissen werden, nachdem es diesen Zweck erfüllt hatte – doch die Künstlerin Eva Janošková, die auf dem Gelände ihr Atelier hatte, wirkte daraufhin, dass dieses als Ausstellungsort für Künstler erhalten blieb. In den 1990er Jahren wurde der Förderverein Simultanhalle Köln-Volkhoven e. V. gegründet, der das Gebäude betreut und dem auch Oord als zweite Vorsitzende angehört. Ein Kuratorium hatte bis 2017 ein Ausstellungsprogramm mit internationaler Strahlkraft organisiert, die Simultanhalle ist damit eine der ältesten frei organisierten Ausstellungsstätten im Stadtgebiet. „Hatte“, weil das Gebäude seit Ende 2017 aus Sicherheitsgründen nicht mehr genutzt werden kann: Bei einer Fachprüfung wegen eines undichten Daches wurde festgestellt, dass durch die eingedrungene Feuchtigkeit die Standsicherheit des Gebäudes gefährdet sei. „Seitdem sind wir gezwungen, in den Außenräumen auszustellen, oder unsere Ausstellungen an andere Projektorte zu verlegen“, so Kriz Olbricht, erster Vorsitzender des Vereins.

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Die Architektur der Decke kennt man aus dem Museum Ludwig. In Volkhoven/Weiler wurde sie als Modell gebaut. 

Kulturamt will erweiterte Nutzung

Eine Sanierung des Gebäudes zog die Stadt nicht in Erwägung, da diese mit einem veranschlagten Kostenrahmen von 160.000 bis 200.000 Euro nicht wirtschaftlich sei. Stattdessen verfolgt das Kulturamt Pläne das Gelände, auf dem sich auch Ateliers befinden, für eine „erweiterte kulturelle Nutzung“, die etwa neue Atelierräume umfassen soll, komplett neu zu bebauen. „Dafür wurde im Frühjahr dieses Jahres eine Vorlage für eine Konzeptvergabe im Kulturausschuss eingebracht, nach der das Gelände auf dem Weg des Erbbaurechts an einen Investor vergeben werden soll. Allerdings ist die Halle nicht Bestandteil dieser Planungen“, so Olbricht. „Das ist für uns ein Problem, denn so ist nicht garantiert, dass die Halle saniert, oder es einen neuen Ausstellungsort geben wird, wir haben keine Zukunftsaussichten.“ Nachdem der Verein seine Bedenken angemeldet hatte, wurde die Vorlage, die im Sommer schließlich beschlossen wurde, dahingehend geändert, dass die Halle in die Begründung mit aufgenommen wurde und der Förderverein in die Planungen mit einbezogen werden solle.

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Förderverein will Halle erhalten

„Doch nach wie vor ist zur Halle nichts Schriftliches festgehalten. Es wurden uns zwar mündlich Bekenntnisse zur Simultanhalle gegeben, aber das garantiert uns nicht, dass sie uns erhalten bleibt“, so Oord. Sie und Olbricht sind skeptisch, was die Einbeziehung eines privaten Investors angeht. „Es gibt inzwischen diverse Beispiele in Köln, wo sich dieses Modell letztlich zum Nachteil der Künstler entwickelt hat, aktuell etwa im Fall des Raum 13 auf dem KHD Gelände in der Deutz-Mülheimer Straße“, führt Olbricht an. Selbst wenn ein neuer Ausstellungsort gebaut würde – ein Abriss der Simultanhalle wäre nach beider Meinung ein großer Verlust. „Sie ist eben auch architektonisch etwas Besonderes“, meint Olbricht. „Wir haben mit dem Architekten gesprochen, der es sich angeguckt hat und uns sagte, dass ein Neubau in jedem Fall teurer sei – es wäre schon gut, wenn das Gebäude erhalten bleiben könnte.“

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Petition gestartet

Um Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren, hat der Verein nun eine Petition zur Erhaltung der Simultanhalle aufgesetzt. „Wir wollen damit einfach deutlich machen, welche Bedeutung das Gebäude hat“, so Oord. Unterstützer finden sie dabei sowohl in einschlägigen Kreisen, als auch im näheren Umkreis. „Es haben schon viele Anwohner unterschrieben, die einen Abbruch bedauern würden“, berichtet Olbricht. „Aber eben auch Berliner Künstler, die hier schon ausgestellt haben, oder Angehörige von Kölner und Düsseldorfer Kunsthochschulen. Auch der Bund der Architekten hat sich für den Erhalt ausgesprochen.“ Nicht zuletzt für den Kölner Norden würde der Abriss eine weitere Verarmung bedeuten. „Es gibt im Stadtbezirk einfach kaum Kulturstätten, schon gar keine mit so einer Strahlkraft, die auch international wirkt“, meint Oord. Bis zum Ende des Jahres sollen darum weitere Unterschriften gesammelt werden. „Es sollte schon bald etwas passieren“, sagt Olbricht, „denn seit 2017 ist nichts an dem Gebäude getan worden und besser wird es dadurch sicher nicht.“

www.openpetition.de/rettet-die- simultanhalle

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