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Besuch im SchrebergartenDas sind die Projekte der Kölner Kleingärtner zum Frühling

6 min
Mit Discofeeling: eine Parzelle in Schlössers Gärten in Neuehrenfeld

Mit Discofeeling: eine Parzelle in Schlössers Gärten in Neuehrenfeld

Der Frühling hat begonnen. Wie haben uns bei Kleingärtnern umgehört, was nun an Arbeit und Projekten ansteht.

Es ist Frühling und damit beginnt für Kleingärtner die geliebte Arbeit. In Köln gibt es 116 Kleingartenvereine mit rund 13.000 Pächterinnen und Pächtern. Die Fläche der Gärten macht 1,5 Prozent des Stadtgebietes aus.

Einst galt der Schrebergarten als altmodisch, seit vielen Jahren allerdings gibt es einen Boom. Viele Kölner möchten ein kleines eigenes Stück Natur in der Stadt. Christiane Overkamp, Vorsitzende des Vereins Kleingärten Schlösser in Neuehrenfeld, sagt: „Die Nachfrage ist ungebrochen. Wir mussten vor kurzem unsere Online-Warteliste nach 20 Minuten schließen, weil sie voll war.“ Sechs bis acht Jahre müssen Anwärter Geduld haben.

Die Vereine verstehen sich auch immer mehr als Naturschützer und als moderne Selbstversorger. Plastik wird verbannt, bienenfreundliche Pflanzen angebaut, Erträge getauscht. Wir haben in Schlössers Gärten und beim Kleingartenverein Xantener Straße nachgefragt, welche Projekte und Ziele die Pächter in diesem Jahr haben.

Ein neuer Grill für große Feste

Hans Günter Weis hat einen neuen Grill aufgestellt.

Hans Günter Weis hat einen neuen Grill aufgestellt.

Hans Günter Weis' Jahresprojekt ist nicht zu übersehen: Möglichst viele Grillfeste mit Freunden und Familie im Garten an der Xantener Straße feiern. Das Wichtigste dafür hat er gerade aufgestellt: einen neuen Grill. Und er hat in schon ans Laufen gebracht, das Werkzeug liegt noch herum. „Als Pächter muss man Schlosser, Schreiner und Elektriker in einer Person sein“, sagt er.

„Professor“ nennen ihn manche, weil er für alles eine Lösung hat. Gäste sind bei ihm immer willkommen. „Ich habe 43 Jahre lang bei Ford gearbeitet, da kenne ich jede Menge Leute, die kommen oft mit dem Fahrrad vorbei.“ Den Garten hat er schon seit 21 Jahren. „Ich hatte immer um 15 Uhr frei und dann bin immer schon hierhergekommen.“

Elektroleitungen, Solarzellen auf dem Dach, Internet – er hat hier ein zweites Zuhause geschaffen. Allerdings ist die Arbeitsteilung klar: „Für die Pflanzen ist meine Frau zuständig.“

Weinbergpfirsich von Mosel und schneckenfreier Salat

Kleingärtner Monika und Klaus Kolzem, rechtes im Hochbeet wächst der Salat.

Kleingärtner Monika und Klaus Kolzem, rechtes im Hochbeet wächst der Salat.

Monika und Klaus Kolzem (Kleingartenverein Xantener Straße) sind gerade dabei, rund um den großen alten Obstbaum den Rasen nachzusäen. „Da habe ich im Winter die Blätter liegen lassen für die Igel. Darunter hat der Rasen gelitten“, sagt Monika Kolzem.

Das zweite Projekt: In einem Hochbeet zieht das Paar Salat. Die zarten Blätter wachsen unter durchsichtigen Zylindern. „Sonst bin ich nicht so empfindlich bei Tierchen. Aber Schneckchen im Salat, das mag ich gar nicht, deshalb pflanze ich den im Hochbeet.“

Monika Kolzem ist auf der Anlage aufgewachsen. „Schon meine Urgroßmutter hatte hier einen Garten, die Großmutter und die Eltern auch.“ Die Jahresabläufe sind vertraut. Nächste Woche zum Beispiel wird der Grünschnitt abgeholt, bis dahin muss alles parat sein. Doch es bleibt auch immer spannend. Eine Freundin von der Mosel hat dem Paar einen Weinbergpfirsich mitgebracht. „Da bin ich gespannt, was daraus wird.“ Außerdem hat sie beim Karnevalsumzug von Kindern ein paar Samentütchen bekommen. Die Insektenmischung wird jetzt gesät.

Den ganzen Sommer von der eigenen Ernte ernähren

Larissa Krause bereitet ein neues Gemüsebeet vor.

Larissa Krause bereitet ein neues Gemüsebeet vor.

Larissa Krause setzt die ersten Salatpflanzen in ihrem Garten im Kleingartenverein Xantener Straße. „Die gab es günstig beim Discounter.“ Sie hat gerade ein neues Gemüsebeet angelegt, sät und freut sich schon auf den Ertrag im Sommer. Tomaten, Chili, Zucchini und Gurken wird es geben, sogar Artischocken. „Die werden so groß wie eine gute Hand voll“, zeigt sie.

Seit drei Jahren hat sie die Parzelle, die Vorbesitzer hatten wesentlich weniger Nutzpflanzen. Das wird nun Schritt für Schritt geändert. Sich im Sommer von der eigenen Ernte zu ernähren, sei das Schönste. Wichtig ist ihr auch, die richtigen Pflanzen für Bienen auszusuchen. „Wir haben hier im Verein sogar einen Imker.“

An diesem Samstag geht es dann richtig los: Das Wasser auf dem Gelände wird wieder angestellt. Da die Leitungen nicht sehr tief liegen, wird der Zufluss in den Wintermonaten stets gesperrt, damit sie nicht einfrieren. Nun kündigt der Vorstand an: „Wasser marsch.“

Ein königlicher Rasen

Kurt Pirmins Stolz ist sein gepflegter Rasen.

Kurt Pirmins Stolz ist sein gepflegter Rasen.

Kurt Pirmin hat sein Tagwerk schon vollbracht: Er hat seinen Rasenmäher repariert. „Der Vergaser war verstopft, keine große Sache.“ Und danach hat er natürlich sofort den Rasen seiner Parzelle in Schlössers Gärten gemäht, der nun wieder aussieht wie in einem hochherschaftlichen Park.

Weitere Passionen von Pirmin: seine Fleischtomaten – die Sorte hat er als Einziger hier – und die Kräuter. Damit wird gekocht. Seit 30 Jahren hat er seinen Garten. „Als Arbeit darf man das nicht ansehen“, sagt er. In der freien Natur Freunde treffen, das sei das Wunderbare an so einem Schrebergarten.

Allerdings – apropos Rasenmähen – muss man sich auch hier an Regeln halten. So gibt es etwa wochentags feste Ruhezeiten von 13 bis 15 und von 19 bis 8 Uhr morgens. Nicht nur wegen der Gartennachbarn, sondern auch wegen der Anwohner, denn die Anlage liegt mitten im Wohngebiet am Lenauplatz in Neuehrenfeld.

Ein ganzer Schrank voll Marmelade

Christiana Zwicker in ihrer Parzelle in Schlösser Gärten.

Christiana Zwicker in ihrer Parzelle in Schlösser Gärten.

Ob sie besondere Projekte in diesem Jahr hat? Christiana Zwicker lacht. „Der Garten ist eigentlich jeden Tag ein großes Projekt.“ Die Parzelle in Schlössers Gärten hat sie vor zehn Jahren übernommen und da sei alles recht verwildert gewesen. Alles wurde neugestaltet, nur ein sehr alter Obstbaum steht noch.

Ein kleiner Junge, der vor kurzem zu Besuch war, hat in den knorrigen Ästen eine Unterlage für ein Vogelnest gebaut. Vielleicht wird das von den Vögeln angenommen. Von denen wimmele es hier jedenfalls: Meisen, Zaunkönige, Mönchsgrasmücke. „Und die Rotkehlchen kommen und picken, sobald man hier am Buddeln ist.“

Durch den Garten werde man im Sommer zum Selbstversorger für Gemüse und Obst. „Die Nachbarn tauschen auch aus.“ Vor allem an Marmelade fehle es nicht. „Die muss ich nie kaufen, da habe ich einen ganzen Schrank voll.“ Und dann fällt ihr doch noch ein Projekt ein: Die Gartenlaube muss neu gestrichen werden. „Aber nicht zu bunt, der Garten ist ja schon bunt genug.“ Aber auch nicht in diesem Steingrau, das jetzt so in ist. Das gehöre doch eher in eine Wohnung und nicht in die Natur.

Großes Kino mit Abba-Discokugel

Fotios Bouzikos (li.) und Marco Welte haben eine Discokugel aufgehängt.

Fotios Bouzikos (i.) und Marco Welte haben eine Discokugel aufgehängt.

Fotios Bouzikos und Marco Welte schauen stolz auf ihr frisch vorbereitetes Beet, auf dem nun Paprika, Zucchini, Tomaten und Bohnen wachsen sollen. In den Boden eingearbeitet wird Heu, das macht ihn lockerer. „Von unserer Ernte essen wir den ganzen Sommer. Jetzt gibt es schon ganz viel Bärlauch.“

Allein von dem Zwetschgenbaum kommen für mindestens sechs Wochen Früchte. Am Baum neben dem Beet gondelt eine Discokugel. „Ich habe gelesen, dass von dem Geflimmer die Vögel ferngehalten werden, die picken hier sonst alles auf“, sagt Welte. Und der Freund fügt hinzu: „Sie gibt aber auch einen kleinen Abba-Moment.“

Andererseits lieben sie die Tiere natürlich auch. In diesem Jahr haben sie ein kleines Vogelhäuschen aufgehängt. „Das haben wir aus dem Sperrmüll geholt, so ein niedliches Ding. Es ist schon eine Meise eingezogen. Und die wird jetzt jedes Jahr zurückkehren, das ist großes Kino.“ Großes Kino in Schlössers Gärten.