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Projekt gegen Antisemitismus wackeltKölner Verein kritisiert Änderungen beim Programm „Demokratie leben“

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Jürgen Wilhlem sitzt bei einem Pressegsepräch an einem Tisch, im Hintergrund ist ein Aufsteller der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu sehen.

Jürgen Wilhlem (Mitte) und die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit kritisiert die Änderungen beim Förderprogramm „Demokratie leben“.

Der Bund baut das Förderprogramm um. Ein Projekt der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit steht auf der Kippe.

Mit dem Programm „Demokratie leben“ fördert der Bund seit über zehn Jahren Hunderte Projekte gegen Extremismus, Rassismus und Antisemitismus. Diese Förderungen sollen zum Ende des Jahres auslaufen – um die Richtlinien anzupassen und neue Bewerbungen zu starten. Das hatte Familienministerin Karin Prien (CDU) im März angekündigt. Seitdem wehren sich geförderte Projekte und Organisationen, nun äußerte sich auch die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Etwa 200 Projekte sind von der Umstrukturierung betroffen – unter anderem ein Kölner Projekt, das sich mit der Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rassismus in der Bildungsarbeit beschäftigt. Lehr- und andere pädagogische Fachkräfte entwickeln dabei innovative Ansätze, wie Kinder und Jugendliche sich auf körperlicher und emotionaler Ebene mit Themen um Rassismus und Antisemitismus auseinandersetzen können. Unter dem Titel „Un/Learning through [E]Motion“ hat die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit dabei bislang sieben Seminare und Fortbildungen durchgeführt. Die Zukunft des Projekts steht nun auf der Kippe.

„Demokratie leben“: Neue Richtlinien für eine Förderung sind noch nicht veröffentlicht

Denn die neuen Richtlinien, nach denen die Projekte sich erneut für eine Förderung bewerben müssen, sind noch nicht veröffentlicht. Im Sommer sollen Projekte ihr Interesse bekunden können, Entscheidungen über Förderungen soll es Ende des Jahres geben. „Selbstverständlich“ bereite man sich darauf vor, einen neuen Antrag zu stellen, sagte Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. „Gleichzeitig fehlen uns bislang die notwendigen Informationen, um seriös planen zu können. Für die betroffenen Träger bedeutet dies eine monatelange Phase der Unsicherheit.“

Dabei stand der Plan für das Projekt der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eigentlich längst. „Unser Projekt wurde ursprünglich mit einer Perspektive von vier Jahren aufgebaut. Eine entsprechende Förderabsicht lag uns bereits vor“, sagt Jürgen Wilhelm. Neben weiteren Fortbildungen sollten eine Fachtagung und eine Publikation folgen, um die entwickelten Ansätze für die Bildungsarbeit strukturiert und dauerhaft zur Verfügung zu stellen. „Nun soll die Förderung bereits nach zwei Jahren enden.“ Ob das Projekt wie geplant abgeschlossen werden kann oder vorzeitig beendet werden muss, ist offen.

Die Umstrukturierung des Förderprogramms an sich ist aus Sicht des Vereins kein Problem. Sondern die Art und Weise: „Es werden funktionierende Strukturen in Frage gestellt, bevor überhaupt klar ist, wie die zukünftige Förderung konkret aussehen wird. Man beendet Projekte, obwohl die angekündigten neuen Förderbedingungen noch gar nicht vorliegen“, kritisiert Jürgen Wilhelm. Wer nachhaltige Bildungsarbeit wolle, müsse langfristige Perspektiven ermöglichen. „Projekte brauchen Planungssicherheit, personelle Kontinuität und transparente Förderbedingungen.“ (tli)