Abo

120 Tonnen Wasser in der ManegeDer Waterland-Zirkus aus der Ukraine gastiert erstmals in Köln

4 min
Waterland Circus kommt erstmals nach Köln: Die Manege besteht aus Wasser. Artisten und Tänzer führen ihre Kunststücke am und im Wasser aus.

Waterland-Circus kommt erstmals nach Köln: Die Manege besteht aus Wasser. Artisten und Tänzer führen ihre Kunststücke am und im Wasser aus.

Seit dem Krieg ist der Zirkus ihr Zuhause: Waterland aus Kiew gastiert vom 9. Oktober bis zum 8. November in Ehrenfeld. Ein Gespräch mit dem Zirkusleiter.

Wasserfontänen umkreisen die Luftakrobaten; Tänzer führen ihre Choreografie im und am Wasser aus, das abwechselnd in bunten Farben aufleuchtet. Die Bühne, auf der die Zirkusartisten ihr Können präsentieren, befindet sich in einem runden Becken. Es enthält 120 Tonnen Wasser. Eine Manege aus Wasser: Mit dieser Besonderheit gastiert der Waterland-Zirkus vom 9. Oktober bis zum 8. November erstmals in Köln und macht einen Monat Halt an der Liebigstraße/Ecke Pettenkoferstraße in Ehrenfeld. Die Vorstellungen finden freitags bis sonntags statt, zweimal täglich, an Samstagen dreimal.

Ein Kraftakt sei der dreitägige Aufbau des Zelts. „Einen Tag brauche ich nur für das Wasser“, sagt Zirkusleiter Dmytro Trunov im Gespräch mit dieser Redaktion. „Es kann zwischen acht und zwölf Stunden dauern, je nachdem, wie groß der Druck auf den Hydranten ist“, so Trunov. Dann wird das Wasser auf 28 bis 30 Grad erwärmt.

Tänzerin oder Artsitin im Wasser

Waterland-Circus aus der Ukraine kommt erstmals nach Köln

Waterland in Köln: Ukrainischer Nationalzirkus mit 27 Artisten

Der Waterland-Zirkus ist ein ukrainischer Nationalzirkus aus Kiew, der sich aufgrund des Angriffskriegs dazu entschlossen hat, mit seinem Programm im Ausland zu touren. 2022 startete die Tournee in Polen, es folgten Stationen in Litauen, Estland und Tschechien. Ende 2023 gastierte Waterland in München und somit erstmals in Deutschland. Waterland ist notgedrungen ein Wanderzirkus geworden. „Vorher waren wir ein stationärer Zirkus und spielten in Kiew und Odessa in festen Bauten“, sagt Trunov.

Der 48-Jährige spricht fließend Deutsch, das er auch vor der Ankunft in Deutschland gelernt hat, wie er sagt. Mit Zirkus hatte der Kiewer vor den Auslandstouren nichts am Hut, kannte aber den Inhaber des Zirkus. „Vor drei Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mit einem Zirkus unterwegs bin. Ich hatte früher eine Transportfirma, habe mit Baumaschinen gearbeitet und war Groß- und Handelskaufmann“, so Trunov. Doch organisieren musste er in diesen Berufen genauso wie es jetzt im Zirkusalltag der Fall ist. Auf- und Abbau, Transport des Zelts und der Requisiten mit elf LKW, die Bürokratie: Das seien doch ähnliche Vorgänge. Mittlerweile hat er auch einen guten Überblick, wie man die richtigen Genehmigungen von den Stadtverwaltungen erhält.

„München war bisher die strengste Stadt, was die Auflagen angeht“, sagt Trunov und lacht. Der Zirkusfuhrpark umfasst laut Trunov auch mehrere Wohnwagen der 27 Artisten und der übrigen Crew – der Zirkus beschäftigt insgesamt 50 Personen. So lange die politische Lage in der Heimat instabil ist, und Russland die Ukraine weiter angreift, wandert der Zirkus mit seinem Gastspiel weiter. Im Zirkusalltag versuche man, die familiären Probleme eher außen vorzulassen. „Wenn wir immer darüber sprechen würden, hätten wir einen total vollen Kopf.“ Alle drei Monate müssten sie wieder in die Ukraine zurückkehren, um mit einer entsprechenden Erlaubnis erneut nach Deutschland zu reisen.

Waterland in Köln: Die Politik bleibt außen vor

Für die Frauen sei das einfacher als für Männer, die in den Krieg eingezogen werden könnten. Bei jedem Artist und Mitarbeiter sei die persönliche Situation unterschiedlich. Viele Eltern in der Crew seien von ihren Kindern getrennt. „Am Anfang waren die noch mit dabei, aber leider geht der Krieg schon so lange. Die Kinder müssen zur Schule.“ Auch Trunovs Kinder leben verstreut. Seine 26-jährige Tochter wolle Kiew nicht verlassen, der Sohn arbeite derzeit in Polen, er selbst tourt durch Deutschland. „Das Leben geht weiter“, sagt der 48-Jährige pragmatisch. Der Fokus liege hier auf einer erfolgreichen Show. Das Publikum sei international. „Ukrainer, Deutsche, Türken, Araber, Italiener – alle kommen zu uns in die Show, auch Menschen aus Russland. Wenn sie hier sind, lassen wir das Politische außen vor. Also jeder Mensch ist erst mal Mensch“, so Trunov.

Die Show dauert zwei Stunden und 15 Minuten mit Pause. Die Artisten sind an staatlichen Zirkusschulen ausgebildet worden. In der Ukraine ist die Zirkustradition stark verwurzelt. „Wir haben ein Zirkusministerium, Zirkus zählt dort als Kultur.“

Der Waterland-Circus kommt vom 9. Oktober bis 8. November nach Köln-Ehrenfeld, Liebigstraße/ Ecke Pettenkoferstraße. Freitags finden die Vorstellungen um 15.30 Uhr und um 19 Uhr statt. Samstags zusätzlich um 12 Uhr und sonntags um 12 Uhr und 16 Uhr. Wir verlosen 5 × 2 Karten.