„E Levve för Kölle“ heißt das diesjährige Divertissementchen der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg, das im Staatenhaus umjubelte Premiere feierte.
DivertissementchenAdenauer spielt auch im Himmel Boccia

Die Queen gibt ein Ständchen
Copyright: Stefanie Althoff
Im Himmel ist mächtig was los: Konrad Adenauer (Jürgen Nimptsch) feiert auf seiner Kanzler-Wolke den 150. Geburtstag, und die Prominenz macht ihre Aufwartung: Aristoteles Onassis (Mario Jacobs) rauscht herein, im Schlepptau Jackie Kennedy (Sina Demir); Marilyn Monroe (Sven Patschkoowski) schwingt die Hüften auf dem Weg auf die Bühne. Auch Willy Brandt (Harald Butscheid), Queen Elizabeth II (Extra-Applaus für Zillchen-Oldie Peter Wallraff), Prinz Philip (Ralf Kaiser) und noch viel mehr Weggefährten des Alten entbieten ihre Geburtstagsglückwünsche.
Dem Kölner Ex-OB Norbert Burger (Walter Körner) zeigt Adenauer seine neueste Erfindung: das Computerprogramm WIBOF – Wie Baue Ich Eine Oper Fertig. Das gab Applaus im Staatenhaus.
Adenauer soll ausziehen
Der himmlische Alte ist die eine Ebene des Zillchens. In einem weiteren Handlungsstrang gibt es immer wieder Rückblicke auf Adenauers „Levve för Kölle“. Das beginnt 1904, als er seine erste Frau Emma Weyer (Markus Becher) heiratet und endet mit dem Abschluss der Elysee-Verträge 1963. Da merkt man doch deutlich, dass Zillchen-Autor Jürgen Nimptsch nicht nur Oberbürgermeister von Bonn, sondern davor als Leiter einer Gesamtschule auch ein Schulmeister war.
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Denn man bekommt meistens vergnüglichen, aber manchmal auch etwas drüschen Geschichtsunterricht serviert. Unterhaltsamer ist es immer dann, wenn die sehr komischen „Assistenz-Engel“ Urbania (Volker Bader), Jona (Simon Wndring) und Luca (Manuel Anastasi) auftauchen. Sie haben die unangenehme Aufgabe, Adenauer zum Auszug aus dem Kanzler-Zimmer zu bewegen. Denn das steht ihm laut göttlicher Verordnung nur 50 Jahre lang zu. Die sind nun um, und jetzt will Ludwig Erhard (Stefan Bröcher) einziehen. Ausgerechnet Erhard! Er und „der Alte“ pflegten ein Politikerleben lang eine innige Abneigung.
So lästert Adenauer hemmungslos über seinen Nachfolger als Bundeskanzler: „Der hat ein Brett vorm Kopf und meint, das wäre die ganze Welt.“ Oder: Erhard habe den Verstand eines „nassen Streichholzes“ und er leide an einem „Winkelverlustsyndrom“, zu Deutsch: „Der hat en Eck av.“ In solchen eher seltenen Momenten hat das Divertissementchen Schärfe und Würze. Die restliche Zeit ist es eine doch eher schmeichelnde Revue über das ohne Frage bedeutende Lebenswerk Adenauers.
Stürmischer Applaus für das Zillchen-Ballett
Dampf bekommt die Aufführung immer dann, wenn die 15 Herren des Zillchen-Balletts über die Bühne wirbeln. Höhepunkte sind ihre Tänze als Gartenzwerge oder als Flieger-Ballett. Das sind klasse Choreografien (Katrin Bachmann, Jens Hermes), die jeder verschwitzten Miefigkeit entbehren, die man oft erleben kann, wenn Männer meinen, sie wären schon deshalb lustig, weil sie ihre behaarten Beine in Strumpfhosen stecken.
Der stürmische Applaus, den die biegsamen Männer einheimsten, gebührte natürlich auch der unfassbar schönen Ausstattung der langjährigen Kostüm-Chefin Judith Peters und ihrem Team. Auch Bühnenbildner Tom Grasshof ist schon viele Jahre dabei. Er zauberte für die Himmelszenen eine Kulisse mit großen weißen Toren und Vitrinen, die er unter anderem mit einem Federschmuck amerikanischer Ureinwohner bestückte, den Adenauer tatsächlich einmal so ähnlich getragen hatte.
Regisseur Lajos Wenzel hatte keinen leichten Job, die ständigen Wechsel der Zeitebenen flüssig hinzubekommen. Das klappte prima, auch wenn der eine oder andere Strich im Manuskript sicher nicht falsch gewesen wäre. Die Bergischen Symphoniker und die Westwood Slickers mit Dirigent Philip van Buren spielten sich drei Stunden lang souverän kreuz und quer durch die Musikliteratur – von Wagner bis Abba, von Mozart bis Kasalla. Am Ende der Vorpremiere hatte sich der Vorhang noch nicht ganz geschlossen, da erhob sich schon das Publikum im Staatenhaus zu stürmischem Beifall und Bravorufen.
Auf dem Heimweg hat man noch den Satz Konrad Adenauers im Kopf: „Es gibt Dinge, über die spreche ich nicht einmal mit mir selbst.“

