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Name mit antisemitischer VergangenheitCoty-Gelände in Bickendorf wird umbenannt

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Hinter einem Schlagbaum ist der Betriebshof eines Firmengeländes zu sehen.

Coty war nur wenige Jahre hier: Der Eingang zum Gelände an der Wilhelm-Mauser-Straße, das künftig „NQB“ heißen soll.

Das Coty-Gelände in Köln-Bickendorf, ein ehemaliges Industrieareal, auf dem 1900 Wohnungen entstehen sollen, bekommt einen neuen Namen.

Das Kürzel NQB fühlt sich noch ungewohnt an, es steht für „Neues Quartier Bickendorf“. Es soll nun so schnell wie möglich den Begriff „Coty-Gelände“ ersetzen, unter dem bislang die Diskussionen um die künftige Nutzung des etwa 17 Hektar großen Gebiets zwischen Venloer Straße und Wilhelm-Mauser-Straße geführt wurden. Nachdem bekannt wurde, dass diese Bezeichnung wegen der eindeutig antisemitischen und faschistischen Überzeugungen des Namensgebers Francois Coty nicht haltbar ist, hatte die Ehrenfelder Bezirksvertretung (BV) im vergangenen Sommer einstimmig eine Änderung beantragt.

Die Idee, das Areal nun als NBQ zu bezeichnen, kommt aus dem Stadtplanungsamt. Das Kürzel und die Langform „Neues Quartier Bickendorf“ sollen schon in den Verwaltungsvorlagen im Rahmen des anstehenden Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplans für das Areal verwendet werden. Bezirksbürgermeister Volker Spelthann, der mit seinen Kollegen in der BV über diese Vorlagen debattieren wird, hofft nun, dass sich die neue Bezeichnung „schnell einbürgern“ wird.

Wohnquartier mit 1.900 Einheiten soll in Köln-Bickendorf entstehen

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, schließlich hatte der nach seinem 1934 verstorbenen Gründer benannte Kosmetikkonzern Coty keine wirklich lange Tradition in Bickendorf. Lediglich zwischen 2016 und 2021 nutzte der Konzern das Gelände, das überdies jahrzehntelang nicht öffentlich zugänglich gewesen war. Zuvor waren dort eine Ziegelei, die Mauser-Werke sowie 4711 ansässig gewesen. Nun will der neue Eigentümer, die Instone Real Estate, dort ein Wohnquartier mit rund 1900 Wohnungen, Gewerbe, Kultur, Grün- und Freiflächen schaffen.

Das Konzept wurde zusammen mit den Bürgern in einem Workshop-Verfahren erarbeitet, das auch bei Politik und Verwaltung großen Anklang fand. Ein Sprecher des Unternehmens teilte auf Anfrage mit, dass man „dankbar“ für den Hinweis aus der Bezirksvertretung sei und die Namensänderung angesichts der neuen Informationen über die historischen Verstrickungen des Firmengründers selbstverständlich unterstütze. Ob in einem späteren Stadium des Bebauungs- und Vermarktungsprozesses noch nach einem alternativen Namen für das Gelände gesucht werden soll, lässt man bei Instone allerdings offen. Schon die Bezirksvertreter hatten ja angeregt, dabei „die Öffentlichkeit einzubinden“.