Ärger im VeedelDiskussionen über öffentlich aufgestellten Tannenbaum in Köln

Der Baum auf dem Lenauplatz
Copyright: Dieter Brühl
Köln-Neuehrenfeld – Lichterglanz in der Landmannstraße und ein brennender Baum auf dem Lenauplatz. In Neuehrenfeld glitzert es wieder. Nach vorweihnachtlicher Harmonie sah es im Viertel jedoch zunächst ganz und gar nicht aus. Die Tannenbaum-Anekdote am Lenauplatz dürfte noch auf Jahre hinaus Stoff für Erzählungen bieten.
Mancher kennt es aus dem eigenen Familienkreis: Alle Jahre wieder ist man erleichtert, wenn es heißt, was man dieses Jahr doch für einen schönen Baum habe. Denn solch ein Urteil ist längst nicht selbstverständlich.

Der Baum auf dem Lenauplatz
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In Sachen Baum kann vieles – im wahrsten Sinne des Worts – schiefgehen. Zu dicht, zu licht, fehlende Spitze oder eben schief gewachsen. Immerhin fallen fallende Nadeln dank Nordmanntanne nicht mehr ins Gewicht.
Kölner wollten nicht ohne Baum das Corona-Jahr beenden
Auch ein öffentlich aufgestellter Baum wie auf dem Lenauplatz in Neuehrenfeld ist Kritik ausgesetzt. Vor zwei Jahren etwa gab es einen Baum auf der Platzfläche, aber keinen Lichterschmuck in der Geschäftsstraße. Im vergangenen Jahr war es dann genau umgekehrt. Lichterglanz in der Straße – Baum? Fehlanzeige.

Die festlich beleuchtete Landmannstraße
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Die Bürgervereinigung Ehrenfeld – für gewöhnlich dafür zuständig, für einen Tannenbaum zu sorgen – hatte zu Weihnachten 2019 aus Kostengründen auf die traditionelle Platzdekoration verzichtet. Man habe doch anlässlich des Jubiläums im Frühjahr bereits eine Linde für den Platz gestiftet. Doch eine Linde ist nun mal kein Tannenbaum. Auch nicht in Corona-Zeiten, wo vieles anders ist als sonst. Daher wollten die Geschäftsleute von Landmannstraße und Lenauplatz in diesem besonderen Jahr absolut sicher gehen, dass ein Baum aufgestellt wird.
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Ein Gemüsehändler besorgte ein stattliches Exemplar. Das gut vier Meter lange Bäumchen lag dann in einer Gaststätte am Lenauplatz schon bereit, als zur Verblüffung der Platzanrainer plötzlich ein Team eines Gartenbaubetriebs anrückte und eine stolze, sieben Meter hohe Fichte – frisch aus dem Wald geschlagen – flugs und fachgerecht in der Bodenhülse auf dem Platz verankerte: „Auftrag der Bürgervereinigung“, erklärten die Arbeiter. Der Vorsitzende ergänzte: „Das machen wir doch jedes Jahr.“
Diskussionen über schöneren Baum
Zunächst herrschte Verwirrung und auch Enttäuschung. Und ein angeregter Meinungsaustausch darüber, welcher Baum denn nun der Schönere sein, blieb dank sozialer Medien auch nicht aus. Heinz-Josef Meller von der Interessengemeinschaft der Geschäftsleute fand eine Lösung. Der zweite Baum wurde nach Vogelsang geschafft und erfreut dort die Kinder und Jugendlichen der Förderschule am Kolkrabenweg. Und der bislang noch etwas trist wirkende Baum auf dem Lenauplatz soll noch von Schülern der nahen Grundschule Nußbaumerstraße geschmückt werden.
„Letztlich war alles keine große Sache. Es ist eben passiert, weil man nicht genug miteinander geredet hat“, sagt Heinz-Josef Meller. Eigentlich sei gerade während der Pandemie der Zusammenhalt im Viertel besser geworden, so sein Eindruck. Sein Vorsatz für 2021: Die Interessengemeinschaft als Verein gegründet werden, damit Absprachen künftig besser getroffen werden können.

