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Neuer Nachbar in Köln-Ossendorf Die Dreifaltigkeitskirche wird zum Aikido-Zentrum

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Dirk Kropp vor der Dreifaltigkeitskirche, die er zum Aikido-Dojo umbauen lässt.  

Ossendorf – Vor fast zwei Jahren schloss die evangelische Kirchengemeinde Bickendorf ihr Gotteshaus an der Frohnhofstraße. Die Trauer von damals ist mittlerweile einer freudigen Erwartung gewichen. Die Dreifaltigkeitskirche wird vielleicht schon im Sommer wieder offen sein. Jedoch nicht mehr als Ort des Gebets, sondern als Ort der Stille und der Begegnung. Zurzeit wird das einstige Gotteshaus zu einem Dojo umgebaut. Das ist eine Übungsstätte für asiatische Kampfkunst.

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Szene beim Üben vor dem Corona-Lockdown: Dirk Kropp mit Rosmarie Scheibler (Co-Lehrerin).

Ort der Stille und des Friedens

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Aikido-Lehrer Dirk Kropp schloss bereits im Herbst einen langfristigen Mietvertrag mit der Kirchengemeinde. Wie er das Gebäude künftig nutzen möchte, wirkt nur auf den ersten Blick unpassend für einen ehemaligen Sakralbau, in dem mehr als ein halbes Jahrhundert lang zu Gott gebetet, gesungen und gepredigt wurde. In der Präambel des auf 30 Jahre angelegten Mietvertrages ist der Wunsch, die Kirche als „Ort der Stille und des Friedens“ zu erhalten ausdrücklich formuliert. Aikido ist eine besondere, betont defensive Form unter den japanischen Kampfkünsten. In der Gemeinde ist man nicht nur froh, dass – im Wortsinn – die Kirche im Dorf bleibt, sondern sogar sehr angetan von den neuen Perspektiven. Schließlich war noch vor zwei Jahren die Rede davon, dass Wohnhäuser anstelle der Kirche errichtet werden sollten. Doch das Gemeinschaftsprojekt von Kirche, Diakonie, Caritasverband und Antoniter-Siedlungsgesellschaft kam nicht zustande.

Meditation im Mittelpunkt

Dirk Kropp, der seit mehr als 30 Jahren in Bickendorf ein Aikido-Übungszentrum - ein Dojo – betreibt, hat einen eigenen Stil entwickelt, der noch stärker die defensive Ausrichtung der Übungen und Bewegungen betont. Bei den Übungen – alleine oder mit Partner – steht Meditation im Mittelpunkt. Er verzichtet auch auf Leistungsprüfungen und die Dan-Abstufungen, die sich in unterschiedlichen Gürtelfarben zeigen. „Man kann es schon als Friedenskunst bezeichnen“, sagt der 61-Jährige. Das habe wohl auch die Kirchengemeinde überzeugt. Ein Kampfsport-Zentrum oder ein Fitness-Studio hätte als Mietinteressent wohl kaum Chancen gehabt.

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Neben seinem Konzept, mit dem das Dojo nicht nur Übungsraum, sondern zeitweise auch zum Ort der inneren Einkehr und Meditation für die Öffentlichkeit werden soll, überzeugte die vorgesehene Umgestaltung. Dafür hat Dirk Kropp keinen Geringeren als den renommierten Kölner Architekten Professor Paul Böhm gewinnen können. Böhm entwarf unter anderem die Vingster Kirche St. Theodor sowie das Ditib-Zentrum an der Inneren Kanalstraße in Ehrenfeld. „Ich habe einfach im Büro angerufen und mein Anliegen vorgetragen. Er rief 20 Minuten später zurück und weitere zwei Tage später standen wir schon zusammen in der Dreifaltigkeitskirche“, berichtet Dirk Kropp.

Baugenehmigung liegt vor

Inzwischen hat er nicht nur ausgearbeitete Pläne für den Kirchenraum und den Vorplatz. Kurz vor Jahresende erhielt er auch die Baugenehmigungen. Mit ehrenamtlichen Helfern hat er bereits begonnen, die Räume zu sanieren. Der Kirchenraum ist bereits komplett leer. Das Altarkreuz, der Altar, ein Abendmahlsbild sowie die Orgel sind ausgebaut und haben anderswo Verwendung gefunden. Die Kirchenfenster an den beiden Stirnseiten bleiben erhalten. Für Dirk Kropp stehen die Darstellungen der Dreifaltigkeit und der Auferstehung nicht im Widerspruch zu seiner Aikido-Lehre von Friedfertigkeit, Respekt und Achtsamkeit für sich und andere.

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Aus der früheren Kirche soll einmal ein Übungsraum für Aikido-Kampfkunst werden.

Umkleiden auf der Orgelempore

Auf der früheren Orgelempore soll der Bereich mit Duschen und Umkleiden entstehen. Er wird von einer Verkleidung aus Lärchenholz verdeckt, die jedoch mit einem Gittermuster trotzdem licht- und blickdurchlässig bleibt. Zwischen dieser Verkleidung und dem Umkleidebereich ist ein Gang geplant. „Der wird wie in einem japanischen Kloster aussehen“, schwärmt Dirk Kropp, der seit 1984 fast jährlich nach Japan reist. Bei zum Teil mehrmonatigen Aufenthalten vertiefte er sich in die Kampfkunst und die ganzheitliche Lebensauffassung, die zur Lehre des Aikido gehört. Zu einer Art japanischem Garten soll auch einmal der Außenbereich vor dem Eingang der Kirche umgestaltet werden. Er soll dann ebenfalls öffentlich zugänglich und nutzbar sein.
Mitte des Jahres will Dirk Kropp sein Dojo an der Silcherstraße nach Ossendorf verlegen. Natürlich hofft auch er, dass die Corona-Beschränkungen für Sport und Freizeitaktivitäten bis dahin aufgehoben sind. Komplett nach allen Plänen und Vorstellungen umgestaltet wird die Dreifaltigkeitskirche dann aber noch nicht sein. Das sei auch eine Frage des Geldes. Obwohl Dirk Kropp selbst viel investiert, ist er mit seinem Projekt auf weitere Unterstützer angewiesen. Die Kirchengemeinde – als Vermieterin – hat ein Spendenkonto eingerichtet.
www.aikido-ueben.de