Die 20. Ausgabe der weihnachtlichen Dinner-Show war eine der besten bislang. Ein Polizeieinsatz blieb der einzige Schönheitsfehler des Abends.
20. Ausgabe der Dinner-ShowEin glänzend aufgelegter „Weihnachtsengel“ – und starke Gäste in der Motorworld-Halle

Tommy Engel zusammen mit Erry Stoklosa auf der Bühne in der Motorworld Ossendorf. (Archivbild)
Copyright: Roland Meurer
Weihnachten ist bekanntlich das Fest der Familie. Und die kennt sich in der Regel in- und auswendig. Die Engels us Kölle hingegen müssen stets auch schon vor Heiligabend mit Überraschungen rechnen, wenn ihr prominentestes Mitglied als „Weihnachtsengel“ auf der Bühne steht und an dem Tag auch noch Geburtstag hat. Er mache das normalerweise nicht, kündigte Tommy Engel an seinem 76. an – aber der Entertainer hatte bis dato schon so viel Außergewöhnliches vollbracht, dass es kurz vor 23 Uhr Zeit war für seinen persönlichen Höhepunkt des Premieren-Abends: Engel rief seine Frau Marlene auf die Bühne, um sich bei ihr zu bedanken. Für alles.
Als der Weihnachtsengel in diesem Moment auf die Zielgerade bog, stand für viele Stammgäste in der Ossendorfer Motorworld längst fest: Die 20. Ausgabe der Dinner-Show war eine der besten, wenn nicht sogar die beste bislang. Das lag nicht nur am glänzend aufgelegten Hauptakteur, sondern an der Vielzahl an Gästen, die jeweils ihre eigenen Stärken in das Programm einbrachten.
Kebekus und Niedecken erschienen wie eine Fata Morgana
Dabei standen nicht alle davon leibhaftig auf der Bühne: Carolin Kebekus und Wolfgang Niedecken erschienen wie eine Fata Morgana: Beide wurden auf spezielle Videofolien projiziert und hatten die jeweiligen Nummern zuvor aufgenommen, die dann mit Engel und der Band um Pianist Jürgen Fritz live gespielt wurden. Sie hätten keine Zeit für die zahlreichen Termine, hatten beide im Vorfeld verlauten lassen. Die Premiere wollten sie sich jedoch im Publikum nicht entgehen lassen, wie viele weitere Prominente.
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Engel begrüßte unter anderem Musikerkollegen wie Purple Schulz, seine ehemalige Band L.S.E. mit Rolf Lammers und Arno Steffen. Außerdem dabei: Die Schauspielerin Irene Schwarz („Hausmeister Krause“), Musikproduzent Rainer Hömig, der Sänger Max Mutzke sowie zahlreiche bekannte Gesichter aus dem Karneval.
Traditionelles Menü: Kartoffel-Lauch-Suppe und Rinderschmorbraten
Für die Gäste begann der Abend gewohnt traditionell: Kartoffel-Lauch-Suppe und Rinderschmorbraten – seit Jahren werden diese beiden Gänge vor Beginn der Show von Gastronom Jürgen Walter aufgetischt. Mit einem weiteren Klassiker sorgte Tommy Engel dann an der Seite von Videofolien-Kumpel Niedecken für einen ersten Höhepunkt: Die BAP-Ballade „Do kanns zaubere“. Vor allem das markante Gitarren-Solo aus der Feder von Klaus „Major“ Heuser – gespielt von Markus Wienstroer – entfaltete seine ganze Wucht. Szenenapplaus.

Der Weihnachtsengel fand erneut in der Motorworld in Köln-Ossendorf statt. (Archivbild)
Copyright: Roland Meurer
Dass Erry Stoklosa und Tommy Engel nicht nur bei den Bläck Fööss einst prächtig harmonierten, sondern auch noch im Alter ein kongeniales Duo bilden, zeigten die beiden bei gleich mehreren Auftritten. Im Song „Noh all dä Johre“ schauten beide auf die gemeinsamen Jahrzehnte auf der Bühne oder alberten herrlich als „Tom & Erry“ herum, in dem sie einen Klassiker von Ingo Insterburg als Vorlage nahmen. Dieser liebte in den 70ern bekanntlich überall ein Mädchen: „Ich liebte ein Mädchen in Spandau, da war immer der Mann blau.“ Op Kölsch ging das dann unter anderem so: „Mer kannte en Mädche in Mengenich – bei der stimmte ne Menge nich …“ Und dann kam „die Sache mit Much – dicke Buch“.
„Lasst uns schönen Worten gute Taten folgen“
Es gibt wenige Entertainer, die so schnell zwischen Komik und Ernsthaftigkeit wechseln können und das Publikum dabei gleichermaßen berühren. In seiner Weihnachts-Lesung kritisierte er die Politik: „Es wird mit einer Selbstverständlichkeit über Krieg gesprochen, dass es denen, die seine Auswirkungen noch erlebt haben, das Blut in den Adern gefriert.“ Engel las eine Geschichte von einem sterbenden Freund vor, appellierte an die Nächstenliebe und Zivilcourage. „Lasst uns schönen Worten gute Taten folgen.“
Das beherzigte auch Jürgen Fritz, der Engel mit einem für ihn komponierten Song überraschte: „Du bes immer noch nit leis“. Nicht nur dafür gab es stehenden Beifall. Auf der Bühne standen ausschließlich Vollblutmusiker – oder erscheinen auf Folie wie Carolin Kebekus, die im Fööss-Song „Meiers Kättche“ mit einer Rap-Einlage begeisterte.
Polizeieinsatz als Schönheitsfehler
Robin Duns, der älteste Enkel von Tommy Engel, zeigte ebenso seine Vielseitigkeit wie Engel, Stoklosa und Linus, die mit vierstimmigen Gesang Woodstock-Feeling à la Crosby, Stills, Nash & Young aufkommen ließen. Und wer Linus noch aus der Talentprobe kennt, weiß, dass eine weitere Woodstock-Legende nicht fehlen durfte: Als Joe Cocker riss er mit „With a little help from my friends“ die Gäste von den Sitzen. Wenn es den Weihnachtsmann wirklich gäbe, wären in diesem Moment noch die The Eagles auf die Bühne gekommen.
Einziger Schönheitsfehler des Abends war der Polizeieinsatz am Butzweilerhof (verlinken). Doch die Gäste reagierten besonnen und ruhig, als sie von Jürgen Fritz darüber informiert wurden. Da zunächst keiner die Motorworld verlassen durfte, spielte die Band einfach noch ein paar Lieder als Zugabe – darunter et Veedel-Lied: „Eja, wat och passeet…“ Auch das ist Kölle.

