Das größte Mieterstromprojekt Nordrhein-Westfalens ist jetzt in Köln-Ossendorf ans Netz gegangen. Die Ossendorfer Gartenhöfe holen sich die Energie aus der Sonne.
Pionierprojekt in KölnSolarstrom versorgt die „Ossendorfer Gartenhöfe“

Rundum zufrieden: Der Landtagsabgeordnete Arndt Klocke (Grüne), Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne), Judith Litzenburger vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW, Nils Müller, Sira Müller vom Vorstand der „Ehrenfelder“ sowie William Wolfgramm (v.l.) schauten sich die Anlage aus der Nähe an.
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Waldbrände in der Eifel, Niedrigwasser im Rhein und Todesfälle – rund 250 in Köln an einem einzigen Tag: „Wir haben jetzt die Auswirkungen der Hitzesommer vor Augen, wir müssen alles tun, um die Stadt klimafest zu machen“, sagte William Wolfgramm, Beigeordneter für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften, bei der Einweihung des Mieterstromprojekts in den Ossendorfer Gartenhöfen. Nicht nur bei Dächern von städtischen Gebäuden und Eigenheimen müsse die Ausstattung mit Photovoltaikanlagen zum Standard werden, so Wolfgramm. Auch Häuser, in denen mehrere Familien und Einzelpersonen zur Miete leben, könnten ein wichtiger Baustein der Klimawende sein. „Hier in Ossendorf sehen wir, dass es funktionieren kann. Dies ist ein Leuchtturmprojekt für Köln“, sagte der Beigeordnete.
Größtes Mieterstromprojekt in NRW findet in Köln-Ossendorf statt
Nicht nur für Köln, das Projekt ist sogar das größte seiner Art in ganz Nordrhein-Westfalen: 42 Photovoltaikanlagen mit rund 750 Kilowatt-maximaler Leistung werden künftig die 435 Wohnungen in den 55 Gebäuden der Gartenhöfe mit lokal erzeugtem Solarstrom versorgen. Scheint die Sonne mal nicht, springt ein Batteriespeicher ein, und wenn der leer ist, wird Strom aus dem Netz eingespeist. Und zwar zu 100 Prozent Ökostrom, wie der Betreiber, die in Hamburg ansässige Energiegenossenschaft Green Planet Energy (GPE) versichert.
Vor zwei Jahren hatten die Wohnungsgenossenschaft „Die Ehrenfelder“, der die Gartenhöfe gehören, und die Energiegenossenschaft das gemeinsame Projekt gestartet. Wie bei den bislang sieben gemeinsamen Projekten waren die auf nachhaltige Energieerzeugung spezialisierten Kölner Installateure von Heimwatt wieder mit im Boot. Nun sind die Flachdächer von acht der zehn Gebäuderiegel, die zur Ossendorfer Siedlung gehören, mit Photovoltaik-Paneelen ausgerüstet. Der Solarstrom fließt bereits, die beiden restlichen Riegel folgen in Kürze.
Etwa die Hälfte des Stroms soll die Photovoltaikanlage künftig liefern, und er ist günstiger als der Strom aus fossilen Rohstoffen. „In Wohnungen mit einer Grundfläche zwischen 50 und 70 Quadratmetern und einem jährlichen Verbrauch von etwa 2000 Kilowattstunden kann ein Haushalt rund 160 Euro einsparen“, sagte Nils Müller, Vorstand von Green Planet Energy.
Auch für Mieter eine erfreuliche Entwicklung also, deren Potenzial längst nicht ausgeschöpft ist: Bei GPE verweist man auf Analysen, wonach bundesweit noch rund 3,1 Millionen Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 20,1 Millionen Wohnungen mit Mieterstrom versorgt werden können. Gar nicht begeistert ist Nils Müller allerdings von den kürzlich beschlossenen Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz. So entfallen künftig die festen Einspeisevergütungen für kleine Solaranlagen: „Das macht die Umstellung auf Solarstrom unattraktiv.“
