Im Rhein in Deutz ist ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die Bombe wurde nahe dem Tanzbrunnen entdeckt.
Entschärfung am DonnerstagNiedrigwasser legt Weltkriegsbombe im Kölner Rhein frei

In Köln ist ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Passanten haben den Sprengsatz nahe dem rechten Rheinufer entdeckt.
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Rot-weißes Absperrband flattert am Donnerstagnachmittag vor dem Eingang des Rheinparks, gleich neben der Claudius-Therme. Drei Mitarbeiter des Ordnungsamts stehen davor und wiederholen sich, wieder und wieder: „Nein, Sie kommen nicht in den Park. Im Rhein wurde eine Weltkriegsbombe gefunden.“ Besucher mit Kinderwagen und Fahrrädern drehen enttäuscht wieder um.
Auf Höhe des Tanzbrunnens war am Mittwochabend im Rhein ein Sprengsatz aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden, wie die Stadt Köln mitteilte. Der Blindgänger lag nahe dem rechten Ufer, in der Nähe des Rheinparks, und wurde am Donnerstagabend entschärft. Der Evakuierungsradius betrug 400 Meter, betroffen war auch die Altstadt am linken Rheinufer.

Ordnungsamt und Polizei sperrten die Zugänge. Rund 360 Menschen wurden evakuiert, darunter auch Bewohner eines Seniorenheims.
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Passanten hatten den Blindgänger entdeckt. Der Fund am Vortag sei zu spät gekommen, um die Entschärfung direkt durchzuführen. Eine Bergung benötige einige Vorbereitung, sagte Ordnungsamtsleiter Dirk Käsbach.
Rund 360 Menschen mussten evakuiert werden. Ein Großteil lebt im St. Vincenz-Haus am linksrheinischen Konrad-Adenauer-Ufer; drei Bewohner mussten ins Krankenhaus verlegt werden. Allein diese Evakuierung dauerte bis kurz vor 16 Uhr.
Der Blindgänger lag offenbar 50 Zentimeter unter Wasser, was die Entschärfung verzögerte. „Wir müssen den Fund zunächst aus dem Wasser an Land bringen, damit dort die Entschärfung stattfinden kann“, sagte Käsbach. Zunächst musste ein passender Radlader organisiert werden. Dabei half das Technische Hilfswerk Ostheim. Gegen 17.30 Uhr traf das Bergungsgerät ein. Zuvor war an der Bombe bereits eine Vorrichtung aus Seilen befestigt worden, damit sie einfacher herausgehoben werden konnte.
Am Donnerstag war die Bombe nur noch schwer vom Ufer aus zu sehen: „Wir gehen davon aus, dass die Bombe gestern durch die Sogwirkung eines Schiffes kurz freigelegt wurde“, so Käsbach weiter. Bei dem Fund handelte es sich um eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe mit Heckaufschlagzünder.
Auch Sender RTL betroffen
Auch der Sender RTL lag im rechtsrheinischen Evakuierungsbereich und musste seine Gebäude vollständig räumen. Der Sendebetrieb lief bis 15 Uhr weiter, danach mussten alle Mitarbeitenden bis 15.15 Uhr die Räumlichkeiten verlassen. „RTL Aktuell“ um 18.45 Uhr wurde nicht aus Köln, sondern aus dem Hauptstadtstudio in Berlin gesendet. Der Nachrichtensender ntv, ebenfalls Teil der RTL-Gruppe, bezog ab 15 Uhr ein mobiles Studio vor dem Hyatt-Hotel, außerhalb des Evakuierungsbereichs.
Gesperrt waren unter anderem alle Zugänge zum Rheinpark, der Rheinparkweg, der Charles-de-Gaulle-Platz sowie die Nordseite der Hohenzollernbrücke für Fuß- und Radverkehr. Linksrheinisch betroffen waren Abschnitte rund um Konrad-Adenauer-Ufer, Thürmchenswall und Theodor-Heuss-Ring. Rechtsrheinisch standen die Absperrungen bereits am Mittag, linksrheinisch wurden sie laut Stadt sukzessive errichtet. Kräfte von der Verkehrsüberwachung, dem Ordnungsdienst und der Polizei hatten die verschiedenen Zugänge gesperrt und liefen dort Streife. Gegen 15 Uhr war der Rheinpark nahezu leer und komplett geräumt.
Eine Anlaufstelle war in der Cafeteria des Marienhospitals eingerichtet. Die Seilbahn zwischen Zoo und Rheinpark stellte ihren Betrieb ein, auch der Beach Club „km 689“ und der Biergarten der Rheinterrassen blieben geschlossen.

Ein Kampfmittelfund im Rhein Ende Juli. Diese Bombe war aber nicht mehr zündfähig.
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Der Fund reiht sich in eine Serie ein: Durch das extreme Niedrigwasser wurden im Rhein auf Kölner Stadtgebiet in den vergangenen Wochen bereits mehrere Kampfmittel zutage gefördert, wie ein Sprecher der Stadt auf Anfrage bestätigt. Sie waren jedoch alle nicht mehr zündfähig, mussten somit nicht entschärft werden und wurden kurzerhand ohne Evakuierungen abtransportiert. Das passiere auch jenseits niedriger Pegelstände regelmäßig, betont der Stadtsprecher.
Erst wenige Tage zuvor hatten zwei Frauen im trockengelegten Rheinbett nahe der Bonner Südbrücke eine Mörsergranate aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Angesichts des anhaltenden Niedrigwassers warnten die Stadt Bonn und die Abfallwirtschaftsbetriebe vor weiteren Kampfmitteln im freigelegten Flussbett.
Auch für Köln gilt weiterhin Vorsicht beim Spazieren an trockenen Uferabschnitten. Zwar mache das Niedrigwasser der Schifffahrt Probleme, die Bergungsarbeiten, so Käsbach, begünstigten es aber. Weitere Funde könne man nicht ausschließen bei dem niedrigen Pegelstand im Rhein, man könne aber auch nicht zwingend damit rechnen, sagte der Ordnungsamtschef: „Wir sind auf die Situation eingestellt.“ Die Behörden appellieren, verdächtige Gegenstände keinesfalls selbst anzufassen, sondern Polizei, Feuerwehr oder Ordnungsamt zu informieren.
