In Deutz hat die Stadt ein neues Hochwasserschutztor eingebaut. Es soll die wasserempfindlichen Tunnelanlagen der KVB im Ernstfall abriegeln – und so Millionenschaden verhindern.
Hochwasserschutz in KölnTonnenschweres Stahltor für Deutzer Stadtbahntunnel installiert

Einbau des Hochwasserschutztores an der Mindener Straße
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12,5 Tonnen Stahl, 60 Minuten, ein Kranführer, der trotz eines Spielraums von nur wenigen Zentimetern die Nerven behält, dann Erleichterung bei den Mitarbeitern der Essener Baufirma Hochtief: Am Donnerstagmittag ist am Eingang des Stadtbahntunnels zwischen den Haltestellen Deutzer Freiheit und Messe/Deutz ein riesiges Hochwasserschutztor eingehoben worden. Christian Melchert, Abteilungsleiter Stadtbahn beim Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, spricht von einem „Meilenstein“ für den Hochwasserschutz in Köln.
Stahltore sollen Millionenschaden verhindern
Aktuell habe man zwar ein extremes Niedrigwasser, doch Prognosen würden zeigen, dass Köln künftig auch extreme Hochwasser treffen können. „Rheinwasser und zutage tretendes Grundwasser könnten dann in die Tunnelrampen eindringen“, sagt Melchert. „Dort kann das Wasser Bauwerke und betriebliche Anlagen schädigen: Stellwerke, Transformatoren, Elektrik, die man nicht kurzfristig reparieren kann.“ Laut Melchert droht bei einem solchen Szenario ein dreistelliger Millionenschaden. Stadtbahnen könnten wahrscheinlich wochenlang nicht fahren.

Christian Melchert, Abteilungsleiter Stadtbahn beim Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, ist zufrieden mit dem bisherigen Projektverlauf.
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Ob und wann das Tor geschlossen wird, entscheiden Hochwasserschutzzentrale und KVB gemeinsam. Im Ernstfall muss es schnell gehen: Der Stadtbahnbetrieb wird eingestellt, die Oberleitung getrennt, die Bolzen gelöst, die das Tor in Wartestellung horizontal über den Schienen fixieren, und ein Elektrohubzylinder in Gang gesetzt. Der schließt das Tor dann innerhalb von zehn Minuten. Technisch funktioniert das ähnlich wie eine automatische Heckklappe am Auto. Der ganze Prozess, von der Entscheidung bis zum verschlossenen Tunnel, soll drei bis vier Stunden dauern. Eventuell länger, falls Haltestellen evakuiert werden müssen.
Vier Millionen Euro kostet das erste von vier geplanten Hochwasserschutztoren. „Wir sind froh, dass wir aktuell mit dem Projekt und dem Einbau im Kosten- und Terminrahmen liegen“, sagt Melchert. Knapp 90 Prozent des 16-Millionen-Euro-Projekts übernimmt das Land. Laut Melchert ist diese spezifische Form des Hochwasserschutzes an Bahntunneln deutschlandweit einzigartig.
Inbetriebnahme erst Ende Oktober
Ein Grund dafür, dass es am Donnerstag so reibungslos funktioniert hat, liegt auch in der Vorbereitung. Die Firma Muhr, ein kleiner Stahlbauer im oberbayerischen Brannenburg, hat das tonnenschwere Tor hergestellt. Damit beim Einsetzen in Köln keine bösen Überraschungen warten, ließ man in Oberbayern einen originalgetreuen Nachbau der Deutzer Tunnelrampe errichten, an dem die Funktionsfähigkeit des Tores vorab getestet werden konnte.

So soll der Aufbau des Hochwasserschutztors an der Mindener Straße später aussehen.
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Für Passanten und Anwohner ändert sich an der Mindener Straße wenig. Der Elektrohubzylinder wird unter einem schwarz-weiß gemusterten Aufbau versteckt. Ein überdimensionierter, spezieller Spiegel dient als Beleuchtung. In den Herbstferien soll das Tor vollständig getestet und abgenommen werden, die Linien 1 und 9 werden dafür erneut zwei Wochen getrennt.
