Eine Initiative will in Köln das Stillen in der Öffentlichkeit normalisieren. Eine Fotoausstellung in Sülz soll das Thema sichtbar machen.
„Ich still, wo ich will“Diese Kölner Mütter wollen sich nicht verstecken
„Ich stille mein Kind überall, wo es nötig ist.“ Eugenia Diarra sagt das, ohne zu zögern, und gibt ihrem Baby auf einer Mauer in der Kölner Altstadt die Brust. Für viele sei das jedoch keine Selbstverständlichkeit. Die 42‑Jährige hat deshalb die Kölner Ortsgruppe der bundesweiten Initiative „Ich still, wo ich will“ gegründet.
„Unser Ziel ist es, dass Stillen kein Tabuthema mehr ist oder sexualisiert wird. Es gehört in die Öffentlichkeit wie Essen und Trinken, weil das die Ernährung für unsere Babys ist“, sagt sie. „Stillende sollen sich nicht auf Toiletten oder anderen Orten verstecken müssen, weil sie ihr Kind ernähren oder trösten.“
Über Monate hinweg hat die Kölner Familienfotografin Thea (@thea.graphie) Mütter der Initiative beim Stillen in der Innenstadt porträtiert – so auch auf der Domplatte oder im Hauptbahnhof. Das Thema soll dadurch sichtbarer werden.
Im Rahmen einer Ausstellung hängen diese bald im Impact Café in Sülz. Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage am Freitag, 2. Oktober, um 16.30 Uhr. Zu sehen sind die Aufnahmen dort bis Dezember.

Auch am Kölner Hauptbahnhof nahmen die stillenden Mütter der Initiative beim Shooting selbstbewusst Raum ein.
Copyright: Thea Späth
Eine Provokation solle die Initiative und ihre Aktionen nicht sein, erklärt Eugenia. „Uns geht es um ein Miteinander anstatt um ein Gegeneinander. Und wer nicht öffentlich stillen will, sollte das natürlich auch machen dürfen.“
Entstanden sei „Ich still, wo ich will“, nachdem im Mai 2026 eine Mutter in einem Saarbrücker Einkaufszentrum vom Sicherheitsdienst aufgefordert worden sei, das Stillen zu unterlassen. Inzwischen gebe es Ortsgruppen in mehr als 65 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Eugenia ist ausgebildete Pädagogin und arbeitet als Stillberaterin in Köln. Ein Kind zu stillen, sei oft herausfordernd und der Austausch zwischen Eltern umso wichtiger. „Mehr öffentliches Stillen bedeutet nicht nur, sich nicht verstecken zu müssen, sondern auch, Gemeinschaft zu finden.“
Seit der Gründung der Kölner Ortsgruppe haben sich auf Instagram (@ichstillwoichwillkoeln) „unheimlich viele Stillende gemeldet“ und ihre Unterstützung ausgedrückt sowie von negativen Erfahrungen beim Stillen in der Öffentlichkeit erzählt.

Eugenia Diarra stillte ihr Baby für das Shooting auch an der KVB-Station Köln Hauptbahnhof. Im ÖPNV machen laut der Kölnerin viele Stillende negative Erfahrungen.
Copyright: Thea Späth
Berichtet werde von schiefen Blicken, abfälligen Kommentaren und Platzverweisen, unter anderem in Restaurants. Bald soll es deshalb ein Poster der Initiative zum Download bereitstehen, mit dem Gastro-Betriebe zeigen können, dass sie „stillfreundlich“ sind.
Wie schnell Stillen zudem sexualisiert wird, erlebte die Kölner Initiative bei ihrem ersten Fototermin mit Thea am Rheinufer: Während die Mütter ihre Kinder stillten, habe sie ein Mann angesprochen, erinnert sich Eugenia. „Er wollte wissen, ob sie hier für eine Datingplattform shooten.“

Auch an touristischen Orten wie der Domplatte und ihrer Umgebung sollte der Anblick einer stillenden Mutter normal sein, findet die Initiative.
Copyright: Thea Späth
Theas Fotos sollen dazu beitragen, dass sich das ändert. „Brüste sind auf großen Plakaten sexualisiert in Ordnung, aber wenn eine Brust dafür genutzt wird, wofür sie da ist, ist das nicht in Ordnung. Das macht mich manchmal wirklich fassungslos“, kritisiert sie den Umgang mit Stillenden.
Die Mütter auf ihren Fotos haben einen selbstbewussten Blick und nehmen Platz ein. „Ich möchte Frauen in all ihrer Stärke darstellen und will, dass wir uns nicht kleinmachen“, sagt die Fotografin.
Die Vernissage von „Ich still, wo ich will“ läuft am 2. Oktober im Impact Café (Luxemburger Straße 190). Ab etwa 17 Uhr liest die Kölner Autorin Esther A. Donkor Texte über Mutterschaft, Stillzeit und Abstillen.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig, Kinder sind ausdrücklich willkommen, für die ersten Gäste gibt es Goodiebags. Um Spenden wird gebeten.