„Hier gibt es eine krasse Power“Kalker feiern ihren Stadtteil mit dem „Festival des guten Lebens“

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Bastel-Workshop in einem Zelt auf dem Festival

Veedelsbotschafterin Rejane Radschinski lud zu einem Bastel-Workshop ein.

Der ausrichtende Verein „Agora Köln“ will zukünftig auch anderen Initiativen helfen, die das eigene Viertel lebenswerter gestalten wollen.

Rejane Radschinski ist eindeutig begeistert von Kalk. „Hier passiert seit langem unheimlich viel, es gibt hier eine krasse Power“, sagt sie mit Blick auf die vielen Initiativen, die sich um zusätzliche Grünanlagen, eine vernünftige Nutzung der Hallen Kalk, um Verkehrsberuhigung und anderes kümmern. Radschinski ist Veedelsbotschafterin der Agora Köln, des Vereins, der seit 2013 vor allem durch die Ausrichtung der „Tage des guten Lebens“ bekannt geworden ist.

Ganze Wohnquartiere werden dann autofrei, bislang konzentrierte man sich allerdings meist auf das Linksrheinische – mit einem einzigen „Ausrutscher“ nach Deutz. 2021 startete die Agora ein stadtweites Projekt namens „Das gute Leben in den Veedeln“, das den Geist einer „klimafreundlichen, menschengerechten und solidarischen Entwicklung“, die sich der Verein auf die Fahnen geschrieben hat, in den Stadtteilen mit dezentralen Netzwerken verankern soll. Dieses Projekt endete nun mit einem „Festival des guten Lebens“ auf dem Ottmar-Pohl-Platz. Bei der Wahl des Orts spielte auch dessen „krasse Power“ eine Rolle.

Köln: Kalker feiern ihren Stadtteil mit Festival

Als „sehr bunt und lebendig“ lobte denn auch Martin Herrndorf vom Steuerungskreis der Agora die Veranstaltung bei bestem Wetter. Auf einer Bühne traten Bands auf, die Demokratiewerkstatt bot einen Graffiti-Workshop an, es gab einen Pop-up-Skatepark und Urban Minigolf, Rikscha-Aktionen für Senioren und eine „Kosmetik DIY“-Anleitung von Zero Waste Köln, die Experten von Velonia reparierten Räder, Autoren des Verlags Parasitenpresse lasen aus dem „Kalk ABC“ und die Stadtteilbibliothek hatte Bücher, Spiele und Instrumente für Kinder mitgebracht. Außerdem wurden Führungen zur nahen Pflanzstelle und zum Kalkgarten angeboten, und viele Initiativen informierten über ihre Arbeit.

Zwei Männer reparieren ihre Räder an einem Stand des Festivals.

Ein Stand des Verlags Parasitenpresse war ebenso vertreten wie Aktive der Fahrradwerkstatt Velonia.

Rejane Radschinski griff auch aktiv ein und bastelte mit Freiwilligen einen Bücherschrank für das Integrationshaus, das am Ottmar-Pohl-Platz beheimatet ist und als Mitorganisator des Festivals im Boot war. Eine ähnliche Aktion hatte sie vor einigen Monaten auf der Kalker Hauptstraße gestartet, als sie vor dem Stadtgarten zum Hockerbau-Workshop einlud, um dem Mangel an Sitzgelegenheiten und Aufenthaltsmöglichkeiten entgegenzuwirken. Es war eine jener Aktionen im Rahmen von „Das gute Leben in den Veedeln“, über die bei einer Talk-Runde gesprochen wurde.

Stadtplaner haben uns erklärt, was möglich ist.
Sybille Fraquelli

Insgesamt konnten zehn Aktionen und Initiativen in ausgewählten Veedeln auf den Weg gebracht werden, darunter die Porzer Klimawoche, die aktive Nachbarschaft in der Mülheimer Genovevastraße, die Einrichtung eines Veedelsbretts in Vingst oder die Planung eines „Klettenplätzchens“ mit hoher Aufenthaltsqualität an der Kreuzung Breiberg-, Hardt- und Petersbergstraße. Im „Winzerveedel“ zwischen Barbarossaplatz und Volksgarten möchte eine Interessengemeinschaft einen „Superblock“ nach spanischem Vorbild mit reduziertem Autoverkehr, Radstraßen, Spielflächen, Bänken und Bäumen schaffen.

„Vor dem Agora-Projekt gab es diese Gemeinschaft gar nicht, aber dann konnten wir einen Workshop mit Stadtplanern durchführen, die haben uns erklärt, was alles möglich ist“, erzählte Sybille Fraquelli von der IG. Finanziert wurde „Das gute Leben in den Veedeln“ aus Fördermitteln des Umweltamts und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, die 210 000 Euro beisteuerte. „Überzeugt hat uns, wie hier Menschen bei nachhaltigen Veränderungen mitgenommen werden, damit ist Köln in NRW ganz vorn“, erklärte Frank Griesel von der Stiftung.

„Werkzeugkoffer“ für andere Kölner Initiativen

Projektleiterin Judith Gauss von der Agora kündigte an, der Verein werde Mittel für eine Fortsetzung beantragen: „Aber selbstverständlich können sich Initiativen, die Rat suchen, jederzeit an uns wenden. Auf unserer Homepage findet man auch einen ‚Werkzeugkoffer‘ mit Tipps für Initiativen.“ Rejane Radschinski denkt nun über ein eigenes Agora-Bauteam nach, das Hilfe bei praktischen Arbeiten leistet. Und Martin Herrndorf hatte noch eine Überraschung parat: „Der Tag des guten Lebens 2024 soll in Kalk stattfinden.“ Krasse Power.

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