Die GAG plant ein klimafreundliches Quartier mit innovativer Architektur und viel Grün – Kritik kommt vom „Bündnis für die Felder“.
GAG-Neubauprojekt in Köln-NeubrückSechs Gebäuderiegel sollen ins Grüne ragen

Klar zu erkennen sind die sechs „Gebäudefinger“.
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„Heute geht es nicht mehr um das Ob. Heute geht es nur noch um das Wie“, begrüßte Moderator Daniel Luchterhandt die Gäste bei der Präsentation des Siegerentwurfs für das GAG-Projekt Neubrücker Ring/Madaus Gartenland. 80 Menschen hatten sich am Freitagabend im Schulzentrum Ostheim eingefunden. Und während bei vorherigen Veranstaltungen zum Teil erbittert darüber gestritten worden war, ob die GAG rund 750 Wohnungen auf dem Madaus-Gartenland bauen soll, war die Stimmung an diesem Abend friedlich. Das lag nicht zuletzt an der Zusammensetzung des Auditoriums. Auf Nachfrage des Moderators gaben sich sechs Personen als Gegner des Projekts zu erkennen, alle anderen befürworteten die Neubauten. Gewonnen hat der Entwurf von Lorenzen Mayer Architekten GmbH (Berlin/Kopenhagen) gemeinsam mit urbanegestalt Part GmbB (Köln).

Diskutiert wurde auch im Stuhlkreis, neuerdings „Fishbowl“ genannt.
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Und der Auftraggeber zeigt sich zufrieden. „Mit dem Siegerentwurf liegt eine tragfähige Grundlage vor, um das Areal im Zusammenspiel von Wohnen, Freiraum und Infrastruktur verantwortungsvoll weiterzuentwickeln“, sagt GAG-Vorstand Christian Eiff. „Uns ist dabei besonders wichtig, ein Quartier zu schaffen, das den Alltag der Menschen vor Ort in den Blick nimmt und langfristig gut in den Stadtteil eingebunden ist.“ Der Architekt Carsten Lorenzen und der Landschaftsplaner Johannes Böttger von urbanegestalt stellten ihren Entwurf vor.
Es sollen sechs sogenannte „Gebäudefinger“ entstehen, die ins Grüne hineinragen. Sondernutzungen wie die Quartiersgarage und eine Pflegeeinrichtung werden am Neubrücker Ring stehen. „Wir möchten das, was es schon gibt, verbinden mit dem, was dann kommt“, fasste Lorenzen die Idee zusammen. Die Gebäudefinger werden aus einzelnen Häusern bestehen, die sich voneinander unterscheiden. „Individuelle Gebäude für individuelle Bewohner“, sagte Lorenzen. Die Fassaden etwa werden unterschiedlich gestaltet. Die Gebäude am Ende der „Finger“ in Richtung Grün sollen höher sein als die anderen. „Sie sollen ausstrahlen ins Grüne und gesehen werden“, so der Architekt.
455 Stellplätze in der Quartiersgarage
Die Räume zwischen den Gebäudefingern werden als Wohnhöfe konzipiert. Es sollen Grünflächen angelegt und Bäume gepflanzt werden. Für die Quartiersgarage habe die Aufgabenstellung 415 Stellplätze vorgesehen. Lorenzens Entwurf hat 455 Stellplätze. Im Erdgeschoss der Garage wird es weitere Funktionen für das Quartier geben. Geplant sind eine Fahrradwerkstatt, eine Paketstation, Fahrradabstellplätze sowie Ladestationen für E-Autos und E‑Bikes.
Erschlossen wird das Quartier über eine Zufahrt vom Neubrücker Ring. Direkt an dieser Zufahrt liegt die Quartiersgarage. Hinter der Zufahrt rechnen die Planer mit wenig Verkehr. Es wird aber möglich sein, dass Rettungsfahrzeuge und die Müllabfuhr dank einer „Bügelerschließung“ auf einer Straße durch das Quartier und am nördlichen Ende wieder herausfahren können.

Begrünt werden die sogenannten Wohnhöfe zwischen den „Gebäudefingern“.
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Johannes Böttger ist für das Grün zuständig. Es wird zwei unterschiedliche Landschaftstypen geben: einen Park und eine Wiesenfläche. „Jeder zweite Freiraum zwischen den Neubauten ist als offene Landschaftsfuge gestaltet. Diese Landschaftsfugen führen von der offenen Wiese in die Siedlung hinein und durch diese hindurch bis ins bestehende Neubrück.“ Geplant sind unter anderem ein Waldspielplatz, ein Hügel mit einer Aussichtstribüne und ein Aktiv-Park mit Calisthenics-Elementen. Böttger richtete sein Augenmerk insbesondere auf die „Adelheid-Fuge“. Das ist eine breite Schneise ohne Bebauung, durch die Kaltluft von der Grünfläche bis nach St. Adelheid strömen soll.
Das „Bündnis für die Felder“ hat die Veranstaltung im Schulzentrum boykottiert. „Die geplante Bebauung ist aus Gründen des Klima- und Naturschutzes grundsätzlich falsch. Das kann kein noch so überzeugender Architektenentwurf ändern. Wir können daher keinen Sieger bejubeln oder ehren“, sagt Peter Jüde, Sprecher des Bündnisses. „Keine Bebauung der Felder zwischen Brück, Rath und Neubrück bleibt die Forderung unserer Initiative“, so Jüde weiter. Man habe im laufenden Planungsprozess immer wieder Argumente vorgetragen gegen die Bebauung von Madaus-Gartenland zwischen Neubrücker Ring und Rather Kirchweg. Diese reichen vom Klima- und Artenschutz über die Naherholung bis zur fehlenden Infrastruktur. „Die Argumente konnten nicht entkräftet werden“, so das Fazit von Jüde. Ziel des Bündnisses sei und bleibe der unbebaute Erhalt des Madaus-Gartenlandes und der Felder zwischen Brück, Rath und Neubrück.
