Aggressive und enthemmte Jecken„Schlimmster Elfter im Elften, den ich je erlebt habe“

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An vielen Stellen waren Straßen und Gehwege mit Müll übersät.

Köln – Die Polizei berichtete von „hohem Alkoholkonsum und aggressiven Störenfrieden“, die viele Einsätze erfordert hätten. Ein erfahrener Mitarbeiter der Stadtverwaltung sprach vom „schlimmsten Elften im Elften, den ich je erlebt habe“.

Nach dem Sessionsauftakt, der erstmals seit 2006 wieder auf einen Samstag fiel, waren vor allem viele Straßen und Plätze in der Innenstadt extrem verschmutzt. Der Umstand, nicht arbeiten zu müssen und am folgenden Tag ausschlafen zu können, veranlasste offenbar mehr Menschen als sonst, ausschweifend zu feiern.

Trotz des nasskalten Wetters hätten bereits am Samstagvormittag mehrere zehntausend Kostümierte die Altstadt und die Umgebung des Doms für sich erobert, teilte die Polizei mit. Sowohl der Heumarkt als auch der Alter Markt waren so ausgelastet, dass der Veranstalter um 11 Uhr keine weiteren Jecken mehr auf die Platzflächen ließ.

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Polizisten beobachten das Treiben vor dem Bahnhof.

„Mit zunehmendem Alkoholkonsum der Menschenmassen hatten auch die Einsatzkräfte der Polizei mehr zu tun“, so ein Behördensprecher. Immer wieder hätten seine Kollege eingreifen müssen, „um Streitigkeiten zu schlichten, Pöbeleien zu unterbinden und Einzelpersonen zur Mäßigung zu ermahnen“. In den Fällen, in den Platzverweise nicht mehr ausreichten, hätten Polizisten die zumeist betrunkenen Störer in Gewahrsam genommen.

Besucher seien aggressiver und enthemmt gewesen

Zwei Vermerke aus dem Einsatzbericht: Vor dem Wartesaal am Bahnhof brachen Unbekannte einen Getränkewagen auf und nahmen 26 Pittermännchen mit. Am frühen Nachmittag wurden zwei junge Frauen aus Kerpen in der Straße Am Domhof von einem Bierkrug am Kopf getroffen. Sie erlitten schwere Verletzungen und mussten in einem Krankenhaus behandelt werden. Ersten Ermittlungen zufolge hatte ein Unbekannter den Krug von einer Brüstung in die Menschenmenge geworfen. Anschließend sei der Täter in der Menge verschwunden.

Gegen 15 Uhr sperrten Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei die überfüllte Zülpicher Straße und deren Umgebung aus Sicherheitsgründen ab. Nachdem sich die Situation entspannt hatte, wurde der Zutritt in die Feierzone dann wieder freigegeben. „Ich hatte den Eindruck, dass dort ein anderes Publikum als sonst unterwegs war, es ging aggressiver zu, enthemmter“, sagte ein städtischer Bediensteter.

90 Verwarngelder gegen Pinkler

Die Polizei setzte mehr als 1000 Beamte ein. Bis zum Sonntagmorgen gab es rund 50 Festnahmen und eine Reihe von Strafanzeigen, unter anderem wegen sexueller Übergriffe, Körperverletzungen und Taschendiebstähle. Das Ordnungsamt verhängte annähernd 90 Verwarngelder gegen Wildpinkler.

Dabei hatte die Verwaltung angesichts der erwarteten Massen mehr Dixi-Klos aufstellen lassen als in den Vorjahren. Rund um die Kirche Maria im Kapitol hockten sich immer wieder auch Frauen zwischen die parkenden Autos und ließen ungeniert die Hosen herunter. Ähnliche Szenen spielten sich vor anderen Kirchen ab. Vor einem Supermarkt an der Pipinstraße lieferten sich 50 bis 60 junge Leute eine Art Straßenschlacht, indem sie sich grölend mit Bier und Energy-Drinks bespritzen.

Künstler beschrieben die Situation außerhalb der Veranstaltungsflächen als „äußerst unangenehm. Das hat mit Karneval feiern nichts zu tun“, sagte Guido Cantz. Drastischer formulierte es Rabaue-Sänger Alexander Barth: „Sodom und Gomorrha. Unsere Wege zu den Veranstaltungen in der Innenstadt waren ein echter Spießrutenlauf vorbei an besoffenen Kindern und krakeelende Erwachsenen, durch Pisse, kaputte Flaschen und dergleichen.“

„Diese Zustände sind so nicht mehr hinnehmbar.“

All diese Beobachtungen sind auch beim Festkomitee angekommen, das in den vergangenen zwei Wochen mit dem Ordnungsamt und der Willi-Ostermann-Gesellschaft mit einer Plakataktion auf die Problemfelder Müll, Alkoholkonsum und Wildpinkeln aufmerksam gemacht und an die Verantwortung jedes einzelnen kölschen Jecken und auswärtigen Besuchers appelliert hatte.

Leider mit wenig Erfolg. „ Der Kampf gegen Müll und Unrat ist uns ein wichtiges Anliegen, das zeigt auch unsere aktuelle Kampagne“, sagte Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. In der Altstadt sei es abseits des umzäunten Veranstaltungsgeländes ebenso wie am Zülpicher Platz noch deutlich verschmutzter gewesen als befürchtet. Kuckelkorn: „Diese Zustände sind so nicht mehr hinnehmbar. Alle Beteiligten sind in der Pflicht: die Stadt, aber auch alle, die in Köln feiern wollen.“

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