Wie sicher war der 11.11. in Köln?„Es hätte eine Katastrophe geben können“

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Ein Mitarbeiter der AWB entfernt Müll von den Kölner Uniwiesen

Zwei Tage nach dem 11.11 wird noch immer der Müll der Feiernden weggeräumt.

Feinernde berichten von beängstigenden Szenen am Einlass, Gastronomen sind unzufrieden, die KVB rechtfertigt den Bahn-Ausfall. Eindrücke, die einen kritischen Blick auf das Sicherheitskonzept werfen.

Auch wenn die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) in der Nacht auf Samstag und am Morgen in der Stadt im Einsatz waren – die Hinterlassenschaften Zehntausender vom Freitag waren an vielen Orten auch am Sonntag noch zu sehen. Die Straßenreinigung war bis Samstagmittag erledigt, die Uniwiesen waren erst am Sonntagnachmittag wieder sauber.

In der Verwaltung nahm man die Entwicklung des Tages zur Kenntnis, Stadtdirektorin Andrea Blome bedankte sich bei allen Einsatzkräften, es sei „gut gelungen“, Hand in Hand zu arbeiten. Man werde das Sicherheitskonzept mit vielen Absperrungen und einem zentralen Einlass am Südbahnhof analysieren und „beraten, was gut und was weniger gut funktioniert hat, damit wir für den Straßenkarneval gegebenenfalls notwendige Anpassungen vornehmen können.“ Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ äußerte sich die Stadt nicht detaillierter.

Einlass am Kölner Südbahnhof: „Es wurde geschubst und gedrängelt“

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Das vielleicht Wichtigste, was über den 11.11. zu sagen ist: Zu Massenpanik ist es nicht gekommen. Auch die Polizeieinsätze blieben überschaubar. Diverse Schilderungen, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen, machen allerdings deutlich, dass es in mehreren Situationen auch anders hätte kommen können. Das gilt etwa für die Zeit zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr, in der es zwischen der Unimensa und dem Einlass am Südbahnhof „furchtbar eng“ war, wie ein junger Mann berichtet.

„Auf dem Weg lagen Zäune, über die man leicht hätte stolpern können“, sagt er. Nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt nüchtern, spricht der Mann mehrere Security-Mitarbeiter an, zeigt ihnen Fotos von den Zäunen, die mitten auf dem Weg lagen. Da könne man nichts machen, sei ihm gesagt worden. „Es wurde geschubst und gedrängelt“, so der Mann weiter. Trotz seiner stämmigen, 1,90 Meter großen Statur habe er sich unwohl gefühlt. „Man kam nicht weiter und auch nicht zurück, musste sich anderthalb Stunden rumschubsen lassen“, berichtet er.

Kölner IG Gastro: „Hätte eine Katastrophe geben können“

Als die Absperrung mittags auf massiven Druck der Wartenden geöffnet wurde, habe sich die Lage entspannt. Auch der Vorstand der IG Gastro teilt auf Anfrage mit, es hätte „eine Katastrophe geben können“.

Die Gastronominnen und Gastronomen im Kwartier Latäng hätten „überhaupt kein Verständnis mehr dafür, dass dennoch solche Gefahrensituationen in Kauf genommen werden, wie am Einlass geschehen.“ Man nehme sich noch einige Tage Zeit, um eine Entscheidung über mögliche Konsequenzen zu treffen.

Rollstuhlfahrerin muss durch die Innenstadt nach Hause: „Menge an Scherben hat mich wütend gemacht“

Die KVB hat ihren Bahnbetrieb im Innenstadtbereich am Nachmittag weitgehend eingestellt, zunächst auf Anweisung der Polizei, später dann entschied sich das städtische Unternehmen selbst dafür, keine Bahnen mehr in die Nähe der Feierzone zu bringen. „Uns blieb keine andere Möglichkeit“, sagte ein Sprecher der KVB am Sonntag. Es sei auf und neben den Gleisen schlicht zu voll gewesen. „Wenn wir einen sicheren Betrieb nicht garantieren können, dann geht es nicht“, so der Sprecher weiter. Auch seien die Bereiche zu voll gewesen, um Ersatzbusse zu schicken.

Auch die Stadt verteidigt das Vorgehen auf Anfrage mit Blick auf Sicherheitsbedenken. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wird die Verwaltung in ihrer Auswertung umfassend analysieren, ob das Einstellen des öffentlichen Nahverkehrs richtig war und welche Alternativen denkbar wären. Feiernde jedenfalls wussten teilweise nicht, wie sie nach Hause kommen konnten und sahen ihre Sicherheit dadurch in Gefahr.

Eine Rollstuhlfahrerin berichtet über Instagram, sie sei wegen der Einstellung des Bahnverkehrs über die Innenstadt nach Hause gefahren. „Die Menge an Scherben hat mich wütend gemacht“, schreibt die Frau. „Ich musste jeden Moment mit einem Platten rechnen und kann von Glück sagen, dass nichts passiert ist.“ Ein Anwohner meldete sich beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ und berichtete von Vorgärten, die zerstört und als Toiletten genutzt wurden. „Die Konzepte haben die öffentlichen Gebäude geschützt. Aber nicht die, in denen Menschen wohnen“, meint er.

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